"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Hoffnung, nicht mehr" (Von Claus Reitan)

Ausgabe vom 13. November 2004

Innsbruck (OTS) - Der Irrsinn im Nahen Osten muss ein Ende finden. Israelis und Palästinenser haben sich in den letzten siebzig Jahren im Kampf um das Wohnrecht im gelobten Land gegenseitig genug zugemutet und angetan. Schläge und Gegenschläge brachten nichts außer wiederum Gewalt und Tote. Ihr brachial geführter Konflikt radikalisiert Gruppen außerhalb der eigentlichen Bebenzone, verhetzt und verhärtet jüdische und islamische Gläubige in anderen Gegenden dieser Welt. Die Staatengemeinschaft hat ein Recht darauf, Israelis und Palästinenser zur Ordnung zu rufen. Vernunft ist einzumahnen. Mit der Berufung auf Propheten allein ist Frieden offenbar nicht herzustellen. Das Recht der Palästinenser auf Staatlichkeit ist ebenso außer Streit zu stellen wie jenes der Israelis auf Sicherheit. Mit dem Tod des zur Gewalt bereiten und zum Frieden unfähigen Jasser Arafat werden neue Hoffnungen formuliert.
Die Europäische Union hat die Außenminister arabischer Länder nach Den Haag geladen. Israels Vertreter sollen sich in zwei Wochen mit ihren arabischen Nachbarn an einen Tisch setzen. Genau dort gehören sie samt und sonders hin. Und die Roadmap, der Fahrplan zu einem Palästinenserstaat mit Zielankunft 2005, soll ihnen allen die Tagesordnung diktieren. Die ständige Angst der Israelis vor Anschlägen und das Elend der massenweise unter die Armutsgrenze schlitternden Palästinenser gehören auf die Agenda. Mit dem Ziel, diesen nun über drei Generationen währenden tödlichen Konflikt abzustellen.
Die Hoffnung dazu besteht, aber nicht mehr. Die europäischen Staaten haben im Nahen Osten historische Fehler und Versäumnisse zu verantworten. Ihren schönen Worten fehlt der Tatbeweis. Die USA andererseits wurden der ihrer Macht entsprechenden Rolle nur beschränkt gerecht. Und jetzt ist fraglich, ob Präsident Bush als Feldherr der Gegenwart eine friedensbringende Wirkung zu entfalten vermag.
Die Lektionen der gemeinsamen Geschichte der Menschheit könnten, so lassen es die neuen Worte aus und zum Nahen Osten vermuten, einen Weg zur Verständigung aufzeigen. Gespräche führen, Vertrauen bilden, gewaltbereite Gruppen an die Leine nehmen und entwaffnen, humanitäre Gesten setzen. Dann ist über die geographischen Grenzen der staatlichen Gebilde von Israel und der Palästinenser endgültig zu entscheiden. Dieser politische Konflikt ist mit Worten zu führen. Mit Bomben und Granaten ist er, wie sich zeigt, nicht zu gewinnen. Für keinen.

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