Sorger: Die Herausforderungen sind Innovation, Infrastruktur, Steuerpolitik, Verwaltungsreform!

Leitreferat von IV-Präsident Sorger bei ICC-Generalversammlung: "Globalisierte Wirtschaft - bleibt Österreich wettbewerbsfähig?"

Wien (PDI) - Bei der Generalversammlung der ICC Austria-Internationale Handelskammer im Palais Pallavicini hielt der Präsident der Industriellenvereinigung, Dr. Veit Sorger, gestern Abend das Leitreferat zum Thema "Globalisierte Wirtschaft - bleibt Österreich wettbewerbsfähig?"
Auf Einladung des Präsidenten der ICC Austria, KR Dipl.-Ing. Dr. Richard Schenz, zeigte Sorger Chancen und Risken für den Industriestandort Österreich im internationalen Wettbewerb auf. "Viele Dienstleistungen und sonstige Zulieferaktivitäten hängen direkt oder unmittelbar von der Existenz produzierender Betriebe in Österreich ab, insgesamt sind geschätzte 1,4 Millionen Personen im ,servoindustriellen Sektor’ beschäftigt." Es sei eine Illusion zu glauben, dass Dienstleistungen langfristig die Sachgüterproduktion in unserem Land ersetzen könnten. "Die Industrie ist der Innovationsmotor eines Landes. Sie ist bestimmend für den gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritt."

Produktionsstruktur wird sich gravierend ändern -Exportkonzentration der neuen EU-Mitgliedstaaten nimmt zu

Für unvermeidlich hält Sorger gravierende Änderungen in der Produktionsstruktur, denn der zunehmende Wettbewerb trifft die verschiedenen Branchen der österreichischen Industrie keineswegs gleichmäßig. Vielmehr spezialisieren sich die zentral- und osteuropäischen Länder mehr und mehr - ein Prozess, der für westeuropäische Länder bislang nicht zu beobachten ist: "Im Falle von Tschechien hat sich die Konzentration der Exporte seit 1994 verdoppelt, im Falle von Ungarn sogar mehr als verdreifacht. Die wertmäßig kräftig steigenden Exporte dieser Länder werden also vor allem durch enorme Exporterfolge in relativ wenigen Warengruppen erzielt. Das ist eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich. Einerseits wird der branchenmäßig sehr fokussierte Wettbewerbsdruck nicht zu einer flächendeckenden Erosion des Industriestandortes Österreich führen. Andererseits werden jene Standorte in Westeuropa, deren Produktpalette sich nicht hinreichend von jener der neuen Mitgliedsländer unterscheidet, unter noch weiter wachsenden Anpassungsdruck geraten."

Hochtechnologie als Erfolgsrezept

Beim Hochtechnologie-Anteil an den Exporten kommt Österreich lediglich auf 14,6%. Andere, mit Österreich vergleichbare Länder, wie Finnland und die Niederlande erreichen deutlich höhere Anteile von über 20%, während Irland hier 40,8% aufweist. "Es braucht eine umfassende Initiative mit dem Ziel, Produktinnovation zu forcieren", betonte der IV-Präsident. Verstärkt wird das arbeitskostenbedingte Gefälle der Standortattraktivität zugunsten Zentral- und Osteuropas noch durch andere Kostenkomponenten, bei denen die neuen Mitgliedsländer besser abschneiden, insbesondere in den Bereichen Unternehmensbesteuerung und Energiekosten.

Herausforderungen: Innovation, Infrastruktur, Steuerpolitik, Verwaltungsreform

Als größte Herausforderungen bezeichnete Sorger die Förderung von Innovation, Bildung und Qualifikation, wobei die Unternehmen selbst ebenso gefordert seien wie die öffentliche Hand. Auch benötigt die Wirtschaft angesichts der drohenden demographiebedingten Verknappung des Arbeitskräfteangebots eine selektive, qualifikationsorientierte Zuwanderungspolitik. "Weiters ist der Staat noch immer in erheblichem Maße für die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur für industrielle Tätigkeit verantwortlich. Dies gilt unmittelbar für die Verkehrsinfrastruktur; aber auch die Tatsache, dass in bestimmten Regionen heute ansiedlungswilligen Unternehmen keine sichere Energieversorgung garantiert werden kann, widerspiegelt Staatsversagen", so Sorger.

Außerdem nehme die öffentliche Hand durch ihre Steuer- und Abgabenpolitik, aber auch die Sozial-, Arbeitsmarkt, Energie- und Umweltpolitik maßgeblichen Einfluss auf die Standortattraktivität für Unternehmen. Und schließlich sei der Staat auch ein wichtiger Standortfaktor durch seine Größe und Effizienz und damit durch die Kosten, die er selbst verursacht - aber auch durch seine Position als Unternehmer und Marktregulator.
"Anders als der geschützte Sektor ist die Industrie tagtäglich dem rauen Wind des Wettbewerbs ausgesetzt. Sie wusste und weiß sich zu behaupten und auf sich wandelnden Märkten zu reüssieren", schloss Sorger.

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