WirtschaftsBlatt Kommentar: Arafats Tod bringt Chance auf Frieden

Von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Palästinenser-Präsident Yassir Arafat könnte durch seinen Tod seinem Volk und dem israelischen einen letzten Dienst erwiesen haben: In Israel mehren sich die Stimmen, die wie Staatspräsident Moshe Katzav bereits "das Ende einer stürmischen und besonders schweren Periode in den Beziehungen zwischen Israel und den Palästinensern" heraufdämmern sehen. Die Erfahrungen der letzten Jahre sprechen zwar klar dagegen, aber es gibt zumindest die Hoffnung, dass sich Israels Regierung Arafats Nachfolger als friedenswilligen Partner aufbaut genau so willkürlich, wie sie sich den nun verstorbenen Palästinenserführer als Feindbild ausgesucht hat. Denn immerhin war es Arafat, der im Rahmen der PLO als Erster das Lebensrecht des Staates Israel anerkannt hat. Und wer immer sein Nachfolger sein wird, er wird es deutlich schwerer haben als Arafat selbst, Zugeständnisse gegenüber Israel bei den Palästinensern durchzusetzen. Vor allem wird das unmöglich sein, wenn Israel als Vorbedingung für Verhandlungen Unterwerfungsgesten verlangt, die gerade ein noch nicht etablierter Führer nicht wagen kann, will er nicht jeden Rückhalt in seiner eigenen Volksgruppe verlieren. Trotzdem lebt die Hoffnung auf ehrliche Friedensbemühungen, denn mittlerweile muss auch der Dümmste erkannt haben, dass der Palästinenserkonflikt militärisch nicht zu lösen ist. Wenn Israel nicht auf Generationen hinaus zweistellige Prozentanteile seines Volkseinkommens zum Niederhalten der Palästinenser aufwenden will (ohne dadurch sicher genug zu werden, dass wieder nennenswerte Tourismus-Einnahmen ins Land fliessen können), dann wird es zu einer Friedensregelung mit den in Palästina lebenden Arabern finden müssen. Für den Friedensnobelpreisträger Yassir Arafat ist es tragisch, dass erst sein Tod die (wenn auch vorerst geringe) Chance auf jenen Frieden eröffnet, den er wohl selbst zumindest bis zum Beginn der zweiten Intifada gewollt hat. Aber wenigstens ausserhalb Israels werden ihn die Geschichtsbücher wie den ebenfalls mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten früheren israelischen Premier Menachem Begin auch als einen Mann anerkennen, der den Schritt vom Terroristen zum Staatsmann geschafft hat. Arafats Nachfolger wer immer sich dort als starker Mann profilieren wird und Israels aktueller Premier Ariel Sharon werden sich diese Anerkennung erst noch zu erarbeiten haben.

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