Ärztekammer zu Finanzausgleich: Skepsis bezüglich Leistungskürzungen bei Brillenersatz

Auch Kritik an fehlendem Anreiz für Generikaverschreibungen - Beitragserhöhungen werden jedoch begrüßt

Wien (OTS) - Der Wiener Ärztekammerpräsident Walter Dorner kommentiert in einer ersten Reaktion kritisch die Einigung von ÖVP und FPÖ zum Finanzausgleich. Zwar werde durch die Beitragserhöhungen sichergestellt, dass neues Geld in das Gesundheitssystem fließe. Dorner kritisiert allerdings massiv, dass zukünftig nur mehr Kinder, sozial Schwache und stark Sehbehinderte einen Brillenersatz bekämen. Damit wäre in einem weiteren Bereich eine deutliche Leistungseinschränkung gesetzt, "und das bei einem medizinischen Problem, von dem sehr viele Österreicherinnen und Österreicher betroffen sind", so Dorner.****

Die Obfrau der Fachgruppe Augenheilkunde und Optometrie der Ärztekammer für Wien, Helga Azem, befürchtet, dass sich viele Patienten, die knapp oberhalb der entsprechenden Einkommensgrenze liegen, nun eine notwendige Brille nicht mehr leisten könnten und auch keinen Anreiz mehr hätten, zum Augenarzt zu gehen. Damit bestehe die Gefahr, dass eine Reihe von Erkrankungen wie Glaukome oder Tumoren nicht mehr rechtzeitig erkannt würden.

Dazu komme, dass Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck oftmals erst durch Veränderungen des Auges festgestellt würden. "Gerade die Gesundheitsministerin betet regelmäßig die Bedeutung von Gesundheitsvorsorge vor. Mit diesem Schritt bewirkt sie aber genau das Gegenteil. Für mich ist das politische Blindheit", so Azem.

Dorner bedauert auch, dass die ursprünglich geplante Differenzierung bei den Rezeptgebühren zwischen herkömmlichen Medikamenten und so genannten Generika gefallen ist. "Mit der geringen Erhöhung der allgemeinen Rezeptgebühr nunmehr um die Inflationsrate von 4,35 auf 4,45 Euro kann ich mich solidarisieren. Allerdings wäre es wünschenswert gewesen, für Generika eine geringere Medikamentengebühr anzusetzen", betonte der Ärztechef. Die dadurch verursachten geringeren Einnahmen wären durch den zusätzlichen Anreiz für Generika bei den Medikamentenkosten mehr als kompensiert worden.

Langjährige Forderung der Ärztekammer realisiert

Positiv äußert sich der Wiener Ärztekammerpräsident hingegen zur "moderaten Beitragserhöhung" von 0,1 Prozent, die eine langjährige Forderung der Ärztekammer gewesen sei. Auch die Erhöhung der Höchstbeitragsgrundlage und der Tabaksteuer seien positive Signale dafür, dass die Regierung erkannt habe, endlich zusätzliche finanzielle Mittel auf solidarischer Basis aufzubringen, um das hohe Niveau der medizinischen Versorgung in Österreich zu halten, so Dorner abschließend. (hpp)

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