Österreichische Krebspatienten haben höchste Überlebenschance in Europa

Gezielte Therapieansätze bringen Fortschritte - Kosten für Krebstherapien steigen deutlich - Dorner: "Wer finanziert das noch in 20 Jahren?"

Wien (OTS) - Zunächst die positive Nachricht für österreichische Krebspatienten: Laut jüngsten Statistiken haben sie die beste 5-Jahres-Überlebenschance innerhalb Europas. Die schlechte Nachricht aber für die Politik: Die Kosten für moderne Zytostatika werden kräftige Preissteigerungen mit sich bringen. Das wiederum wird massiv die soziale Krankenversicherung belasten, warnt nun die Ärztekammer.****

"Seit kurzem stehen uns zusätzlich zu den herkömmlichen Therapiemethoden wie Chemo- oder Strahlentherapie gezielt angreifende Therapieprinzipien zur Verfügung, die insbesondere in Kombination mit der Chemotherapie bereits zu bemerkenswerten Verbesserungen geführt haben", betont dazu der Wiener Krebsspezialist Christoph Zielinski.

Betrachtet man das Beispiel Dickdarmkrebs, so konnten laut Zielinski die Therapiekonzepte deutlich verbessert werden. Das Wesen dieser neuen Strategien liegt darin, dass die Chemotherapie mit einer gezielt angreifenden Substanz kombiniert wird. "Heute hat man also zwei bis drei Therapielinien zur Verfügung, die nachweislich das Leben verlängern", so Zielinski. Damit sind aber auch die Kosten der onkologischen Therapie deutlich gestiegen.

Die finanziellen Aufwendungen für die herkömmliche Therapie beim Dickdarmkrebs belaufen sich auf etwa 70 bis 260 Euro. Rechnet man die Kosten einer "neuen" Chemotherapie hinzu, steigen diese auf 17.000 bis 18.000 Euro pro Patient. Darin enthalten sind 6000 bis 7000 Euro für die Erstlinientherapie und ungefähr 11.000 Euro für das Medikament Bevacizumab. Behandelt man noch mit einer zweiten Therapielinie, schlagen sich weitere 2500 Euro zu Buche. Zielinski:
"Aufgrund der positiven Erfahrungen mit diesen zusätzlichen Therapieansätzen ist damit zu rechnen, dass bei einem Teil der Patienten die bisherige Standardtherapie durch die neuen verbesserten, aber wesentlich kostenintensiveren Therapien abgelöst wird."

"Es werden nur Finanzlöcher gestopft"

Ärztekammerpräsident Walter Dorner verweist in diesem Zusammenhang auf die jüngsten Entwicklungen in der Gesundheitspolitik. "Es ist offensichtlich, dass die Therapieansätze für die Krebsbehandlung immer weiter voranschreiten und die Heilungschancen immer besser werden. Betrachtet man die Situation vor dem Hintergrund der derzeitigen Gesundheitsreform, so stopft diese ein momentanes Finanzloch, geht aber in keiner Weise auf die zukünftigen Entwicklungen und Fortschritte ein."

Die Medizin und vor allem die Onkologie werden sich in den nächsten zehn bis 20 Jahren enorm weiterentwickeln. "Doch wen soll man dann entscheiden lassen, ob jemand eine Standardtherapie oder eine moderne innovative Therapie erhält?" Die Frage dränge sich förmlich auf, "und kein Politiker kann sagen, dass dem Herrn Müller die Therapie verwehrt bleiben wird, der Herr Maier sie aber erhält". Im Grunde laufe die Entwicklung aber genau darauf hinaus, warnt der Ärztechef.

Zielinski ist sich dieses Prozesses ebenfalls bewusst: "Wir können unseren Patienten heute nicht nur eine qualitativ, sondern auch eine quantitativ verbesserte Therapiepalette anbieten. Es ist aber auch klar, dass die Kosten für diese neuen Therapieansätze steigen. Die Frage ist nur, wie viel wir von unserem medizinischen Know-how auch in Zukunft noch anbieten werden können."

Ärztekammerpräsident Dorner empfiehlt daher Gesundheitsministerin Rauch-Kallat und ihren Beratern, diese Zahlen durchzurechnen und sich dann zu überlegen, ob neue Bürokratieebenen durch Gesundheitsplattformen wirklich zielführend sein werden. In der momentanen politischen Debatte gehe es augenscheinlich nur um parteipolitische Einflussnahmen. Es sei aber notwendig, abseits jeglicher Tages- und Parteipolitik Reformkonzepte zu erstellen, die auch in weiterer Zukunft eine soziale Krankenversicherung in Österreich ermöglichen. "Denn sonst droht uns in zehn bis 20 Jahren der soziale Supergau, gegen den die derzeitigen Abgänge der Krankenkasse Peanuts sein werden", so Dorner abschließend." (bb)

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