Greenpeace sichert Giftlager in der Slowakei

Hunderte Pestizidbomben aus kommunistischer Zeit ticken weiter

Bratislava/Bielovce/Wien. (OTS) - Greenpeace hat heute früh unter Teilnahme von österreichischen Aktivisten begonnen, in der Slowakei ein zerfallendes Giftlager abzusichern. Das Lager eines ehemaligen Landwirtschaftskollektivs aus kommunistischer Zeit nahe dem Dorf Bielovce in der Südslowakei enthält etwa zwei Tonnen Pestizide. Die hochgiftigen Stoffe gefährden nicht nur die Umwelt sondern auch die Gesundheit der Menschen in der Umgebung. Greenpeace ließ die Gifte analysieren und fand dort auch Toxaphen, eine international verbotene Chemikalie, die bei Tierversuchen Schäden an inneren Organen und am Immunsystem verursachte. In der Slowakei ist dieser Stoff bereits seit 1984 verboten. Überall in der Slowakei ticken die Giftbomben weiter.

Das Gebäude, in dem die Gifte bis heute gelagert sind, ist verfallen. Die Fenster und Türen sind zerstört, Teile des Dachs sind eingebrochen und es regnet direkt auf die desolaten Giftbehälter. Greenpeace-Analysen haben bewiesen, dass die Gifte sich nicht nur im Lagergebäude selbst verteilen sondern auch bereits den Boden in zehn Metern Entfernung kontaminiert haben. In den Proben wurden giftige Pestizide wie Atrazin, Simazin und Lindan gefunden, die nun das Grundwasser zu verseuchen drohen. Der Großteil der Giftstoffe stammt aus der ehemaligen DDR. Niemand weiß, wie viele Jahre sie schon unter diesen desolaten Bedingungen herumliegen.

Mehr als 30 Greenpeace-Aktivisten, darunter ein achtköpfiges Team aus Österreich, begannen heute, das Lagergebäude in Bielovce gegen die Wettereinflüsse abzusichern. Die Aktivisten arbeiten in Chemie-Schutzanzügen und tragen Gasmasken. Unter der Anleitung von Experten füllen sie die Giftstoffe in Spezialfässer für die Lagerung und den Transport von gefährlichen Chemikalien.

Die slowakischen Behörden gehen davon aus, dass etwa 300 bis 400 Tonnen hochgiftiger Altlasten noch im Land herumliegen. "Sehr wahrscheinlich gibt es noch Hunderte solcher Orte wie Bielovce in der Slowakei. Jedes dieser Giftlager ist eine tickende Zeitbombe, die jederzeit Umwelt und Gesundheit der Menschen gefährden kann", sagte heute Martin Hojsik, Chemiker und Koordinator der Gift-Kampagne von Greenpeace in der Slowakei. "Die Wende war bereits vor 15 Jahren und seitdem ist die Situation nur noch schlimmer geworden. Der slowakische Staat hat völlig versagt. Die Behörden dürfen sich nicht dauernd mit Geldmangel entschuldigen, sondern müssen endlich handeln, bevor eine dieser giftigen Zeitbomben hochgeht und ganze Regionen gefährdet", warnt Hojsik. Greenpeace ruft die EU dazu auf, die Beseitigung dieser Altlasten und die Entsorgung der vergessenen Pestizidlager zu unterstützen.

An der Aktion in Bielovce nehmen mehr als 30 Greenpeace-Aktivisten aus Österreich, Ungarn, Tschechien, Deutschland und der Slowakei teil. Die Aktion hat heute begonnen und wird noch bis Freitag fortgesetzt, bis alle Chemikalien in Bielovce gesichert sind. Greenpeace fordert, dass die gesicherten Fässer abtransportiert und entsorgt werden.

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Mag. Martin Hojsik, Greenpeace-Experte vor Ort (spricht deutsch), tel. 00421-905-313395

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