"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Qualität des Siemens-Deals wird sich in Weiz erweisen" (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 09.11.2004

Graz (OTS) - "Ich war da, ich bin da, ich bleibe da." Mirko Kovats ist, wie man an diesem Zitat vom September erkennen kann, kein Mann vieler Worte, und wohl auch kein Mann von Dauer. Gerade zwei Monate nach der Übernahmeschlacht um die VA Tech hat er sich die Sache jetzt anders überlegt und seine Aktien an Siemens verkauft. Zu einem guten Preis und mit einem Gewinn, der selbst einen Doppel-Jackpott armselig ausschauen lässt.

Dem Privatmann Kovats ist es natürlich unbenommen, seine Meinung zu ändern. Politiker sollten hingegen ein Gewissen haben, das zumindest über eine gewisse Halbwertszeit verfügt. Wenn man Revue passieren lässt, wie sich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im September schützend vor die VA Tech gestellt hat und wenn man heute aus seinem Munde hört, dass Siemens eine geachtete Firma ist, die sicher verantwortungsbewusst die Eigentümerrechte wahrnehmen wird, wähnt man sich im falschen Film.

Das soll beileibe nicht heißen, dass Siemens für einen Konzern steht, der nur darauf aus ist, Unternehmen zu kaufen, zu filetieren und zu verscherbeln. Dagegen sprechen die kürzlich gefeierten "125 Jahre Siemens Österreich", dagegen sprechen Milliardeninvestitionen von Siemens im Lande.

Mirko Kovats hingegen hat eine langfristige strategische Linie bislang immer vermissen lassen. Seine Rolle als Käufer ebenso wie als Verkäufer war nie einzuordnen, klare Konzepte, klare Zukunftsperspektiven waren nicht seine Sache.

So gesehen ist die VA Tech mit Siemens wohl besser dran, zumal die Münchner auch über das nötige Kapital verfügen, um die VA Tech auf Vordermann zu bringen. Was fehlt, ist aber ein klares Bekenntnis zu den Werken und keine vagen Erklärungen, man werde "den Interessen der gegebenenfalls betroffenen Standorte entsprechende strategische Lösungen" entwickeln, sollte die Integration aller Aktivitäten in den Siemens-Konzern unmöglich sein.

Hinter diesem Satzungetüm verbirgt sich für die Steiermark wenig Gutes. Denn im Klartext gesprochen heißt das: Siemens hat mit Weiz ein großes Problem. So muss kartellrechtlich erst geprüft werden, ob sich der Standort Weiz und die Siemens-Tochter Voith-Hydro nicht gegenseitig ausschließen, ob diese Integration rechtlich überhaupt durchgeht. Erschwerend kommt hinzu, dass Weiz einen Großteil seiner Produkte an den Siemens-Konkurrenten General Electric verkauft. Erst wenn diese Probleme gelöst sind, kann man - wie der Bundeskanzler -von einem neuen, verantwortungsbewussten Eigentümer sprechen. ****

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