"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Wieder im Spiel" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 9. November 2004

Innsbruck (OTS) - Zwischen Leben und Tod hat es Jasser Arafat nochmals geschafft, zu einer Hauptfigur zu werden. Auf tragisch-komische Weise entbrannte Streit zwischen Ehefrau und möglichen Nachfolgern. Außergewöhnliche Situationen liefern eben nicht selten Stoff für Bizarres. Weit wichtiger ist indes, dass der Nahe Osten mit seit langem nicht gekannter Heftigkeit wieder weltweit zum Thema vorrangigen Interesses wurde.
Für viele stellen sich plötzlich ebenso banale wie brisante Fragen in neuer Dringlichkeit: Warum haben die Palästinenser keinen Staat? Wann gab es im Nahen Osten während all der Jahrzehnte Chancen auf eine Wende? Wer hat sie verspielt? Weshalb ist die UNO auf die Rolle eines Zuschauers reduziert?
Der Palästinenserpräsident war in den zweieinhalb Jahren unter israelischem Hausarrest allmählich aus dem internationalen Bewusstsein ausgeblendet. Wenige Mächtige machten sich auf dem Weg zu ihm. Weit mehr blieben fern. Und das Geschehen vor Ort fokussierte sich in der allgemeinen Wahrnehmung auf Terror radikaler Palästinenser und israelische Gegenschläge. Nennenswerte Initiativen der letzten Supermacht USA gab es schon lange keine mehr. Washington ließ es zuletzt bei der Billigung des Plans von Israels Premier Sharon für den Rückzug aus dem Gazastreifen bewenden. Europas Politik wiederum, die noch gar nicht begonnen hatte, eine bedeutende Rolle als möglicher Friedensvermittler zu spielen, trat den geordneten Rückzug vom heikelsten politischen Terrain an.
Mit Arafats Todeskampf und den Fragen nach weiteren Entwicklungen stehen wieder viele in der weltgeschichtlichen Verantwortung. Nach all dem Zank um den Irak-Krieg und den neuen neuen Bekenntnissen zu transatlantischer Augenhöhe würde sich der bisher als ewig gehandelte Konfliktherd als lohnendes Feld für Kooperation anbieten.

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