WirtschaftsBlatt Kommentar: VA Tech: Gut, dass Kovats weg ist - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Als Mirko Kovats vor anderthalb Jahren bei der VA
Tech einstieg, wertete das WirtschaftsBlatt dies als "Chance, sein Image rasant in Richtung Seriosität zu verlagern". Immerhin lautete die Devise des Abenteurers, dessen Weg bis dahin neben unbestreitbaren Erfolgen auch die eine oder andere Pleite pflasterte, damals noch: "Ich will die grösste österreichische Industriegruppe aufbauen." Und: "Was ich kaufe, das behalte ich." Jetzt, anderthalb Jahre und viele ähnliche Beteuerungen später, steht Kovats wieder ungefähr dort, wo er im Mai 2003 gestanden war - mit einem nicht ganz unbedeutenden Unterschied: Er ist um rund 50 Millionen Euro reicher, die er mit der VA Tech verdient hat und kann daher für sein nächstes Abenteuer deutlich mehr eigenes Kapital flüssig machen. Und letztlich sind alle froh, dass seine Anteile von Siemens übernommen werden -von der weiss man wenigstens, was sie damit vorhat. Und es bleibt zumindest die Hoffnung, dass ein Technologiekonzern mit starken österreichischen Standorten erhalten bleibt. Bei aller Freude, Kovats angebracht zu haben, und bei allem Neid wegen der Millionen, die er mit seinem Abschied kassiert, muss trotzdem auch noch eines festgehalten werden: Es war auch ein Segen, dass er bei der VA Tech eingestiegen ist. Denn nicht nur Kovats selbst hat mit seinem Engagement rund 100 Prozent seines Einsatzes verdient, auch die anderen Aktionäre - nicht zuletzt auch die staatliche Privatisierungsagentur ÖIAG, deren Bosse er durch seine Ränkespiele bis aufs Blut gereizt hat - profitieren von der Wertsteigerung, die die VA Tech-Aktie durch seine Bemühungen mit gemacht hat. Umso spannender, welchem Objekt der nun finanziell gestärkte Investor als nächstes sein Interesse widmen wird: In Wien pfeifen die Spatzen von den Dächern, dass es der finanzmarode, aber hoch profitable Feuerfest-Weltmarktführer RHI sein soll. Der wäre zwar für einen strategischen Investor aus der Branche noch weit interessanter, ist aber derzeit an der Börse so weit unterbewertet, dass auch ein Finanzinvestor noch auf seine Kosten kommen könnte. Wer immer Kovats’ nächstes Ziel ist - die dortigen Manager und Grossaktionäre sind schon jetzt zu bedauern: Magenschmerzen sind ihnen garantiert. Den Aktionären ist aber gleichzeitig auch zu gratulieren: Ein paar Prozentpunkte Kovats-Effekt sind immer drin.

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