Preis für Wiener Pilotprojekt Tunnelthermie

Erdwärmenutzung aus dem Lainzer Tunnel im Rahmen des Wettbewerbs "Energieprofi 2004" prämiert

Wien (OTS) - Seit Februar 2004 wird die Sportmittelschule der
Stadt Wien in Hadersdorf mit Wärme aus dem Lainzer Tunnel beheizt. Dabei wird eine neue Technologie, die sogenannte "Tunnelthermie" erprobt. Die Nutzung von Erdwärme hilft, den Einsatz von Primärenergie und damit den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu verringern und stellt daher einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz dar. Begleitende wissenschaftliche Untersuchungen dienen dazu, diese zu optimieren und für eine breite Anwendung fit zu machen.

Dieses Kooperationsprojekt von ENERGIECOMFORT, HL-AG, SCHIG und der Stadt Wien, erhielt am Donnerstag einen Anerkennungspreis im Rahmen des Wettbewerbs "Energieprofi 2004". Dieser Wettbewerb wurde heuer vom Umweltminister und der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) zum mittlerweile 5. Mal durchgeführt. Die WIEN ENERGIE-Tochter ENERGIECOMFORT, die bei Projektrealisierungen verstärkt auf nicht fossile Energieträger setzt - wie zum Beispiel Biomasse-Heizwerke - war auch federführend bei der Einreichung zum Wettbewerb. "Ich freue mich, dass dieses innovative Klimaschutzprojekt mit einem Preis belohnt wurde", so die Klimaschutzkoordinatorin der Stadt Wien, Mag. DDr. Christine Fohler-Norek.****

Tunnelthermie - eine innovative Technologie

Wie funktioniert nun die Methode der Erdwärmegewinnung, welche man als "Tunnelthermie" bezeichnet? Die großen mit der Erde in Berührung stehenden Tunnelwände bilden eine ideale Möglichkeit für die Erdwärmegewinnung. Die Bauteile des Tunnels, die man ja ohnehin herstellen muss, werden als Absorberbauteile herangezogen und mit Rohrleitungen ausgerüstet.

Die Bohrpfähle der Tunnelwand werden genützt, um mittels Absorberleitungen, in denen eine Wärmeträgerflüssigkeit zirkuliert, dem Erdreich die erforderliche Wärme zu entziehen. Bei diesem Verfahren wird der geothermische Umstand genützt, dass die Temperaturen im Boden ab einer gewissen Tiefe im Jahresdurchschnitt bei ca. 11 Grad Celsius konstant bleiben.

Von den Pfählen führen Sammelleitungen zu einem Sammelschacht. Die aus dem "wärmeren" Erdreich gewonnene Wärmemenge wird via Wärmepumpe auf Nutztemperaturhöhe (ca. 45 Grad) gebracht und kann somit zum Beheizen und zur Brauchwasserbereitung der angeschlossenen Abnehmer - im konkreten Fall in der Sportmittelschule Hadersdorf -eingesetzt werden.

Das Forschungsprojekt ist auf Initiative der HL-AG gemeinsam mit der Technischen Universität Wien und dem Planungsbüro iC Consulenten entstanden, das durch die Schieneninfrastrukturfinanzierungsgesellschaft (SCHIG) unterstützt und durch Mittel aus dem ERP-Fonds gefördert wird. Die WIEN ENERGIE-Tochter ENERGIECOMFORT Energie- und Gebäudemanagement GmbH zeichnet für die Finanzierung und technische Umsetzung des Projekts von der Wärmeübergabestelle am Bahnkörper bis zur Einbindung in das Heizsystem der Schule verantwortlich. Die Bauausführung erfolgt durch Nägele Energie- und Haustechnik GmbH.

Seitens der Stadt Wien haben die Klimaschutzkoordinationsstelle der Magistratsdirektion, die Bezirksvorstehung des 14. Bezirks und die MA 34 (Bau -und Gebäudemanagement) als technische Fachabteilung für die MA 56 (städtische Schulverwaltung) wesentliche Beiträge für die wirtschaftliche Realisierung des Projekts geleistet.

Tunnelthermie als Beitrag zum Klimaschutzprogramm der Stadt Wien (KliP)

Das Klimaschutzprogramm der Stadt Wien sieht unter anderem die verstärkte Nutzung von erneuerbarer Energie - neben Solarenergie, Wasser- und Windkraft sowie Biomasse ist dies auch Erdwärme - für Raumwärme und Warmwasserbereitung vor. Dadurch müssen weniger fossile Energieträger (Kohle, Öl, Gas) eingesetzt werden, bei deren Verbrennung das Treibhausgas CO2 entsteht. Durch den Einsatz erneuerbarer Energie können daher die Treibhausgasemissionen verringert werden.

Bei dem Pilotprojekt werden rund 200 MWh/Jahr zu Heizzwecken über eine Wärmepumpe aus dem Lainzer Tunnel in die Schule transportiert. Zur Spitzenabdeckung wird zusätzlich konventionell Heizenergie über die bestehende Gaszentralheizung geliefert. Durch die Nutzung der Erdwärme können ca. 25 000 m3 Erdgas und damit mehr als EUR 10.000 pro Jahr eingespart werden. Die jährlichen Emissionen an CO2 verringern sich um etwa 30 t. Außerdem verringert sich die emittierte Menge "konventioneller" Luftschadstoffe wie NOx oder CO.

In Wien gibt es zahlreiche Tunnelbauwerke, nicht nur Eisenbahn-, sondern auch U-Bahn- und Straßentunnel. Theoretisch besteht ein hohes Potential an "Tunnelwärme" und damit eine große Chance für den Klimaschutz. Ob diese tatsächlich technisch und wirtschaftlich sinnvoll realisiert werden kann, soll das Pilotprojekt in Hadersdorf klären.

o Infos zum Klimaschutzprogramm im Internet: http://www.wien.gv.at/umwelt/klimaschutz/klip/

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Andrea Stephanie Fellner
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