ÖGB: FPÖ-Frauen reden an der Realität vorbei

Familienpolitik der Regierung drängt Frauen in Arbeitslosigkeit

Wien (ÖGB) - "Realitätsverweigerung hinsichtlich der Situation der Frauen" werfen die ÖGB-Frauen Familienstaatssekretärin Ursula Haubner und FP-Frauensprecherin Elke Achleitner vor. Die beiden FP-Politikerinnen hatten heute in einer Pressekonferenz die Familienpolitik der Regierung als besonders vorteilhaft für die Frauen gelobt. Dazu ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits: "An die 100.000 Frauen sind derzeit arbeitslos. Es trifft vor allem Wiedereinsteigerinnen, die nach zweieinhalb Jahren Kindergeld plötzlich ohne Job dastehen. Der Berufsausstieg der Frauen ist durch die 'offizielle' Familienpolitik bestens vorbereitet - beim Wiedereinstieg werden die Frauen dagegen im Stich gelassen".++++

"Wenn Staatssekretärin Haubner meint, mit dem Kindergeld seien die richtigen Weichen gestellt worden, so möglicherweise für die Wirtschaft, die sich über billige Dazuverdienerinnen freut, ganz sicher aber nicht für die Frauen", kritisiert Csörgits. Bereits eine Studie des Wifo vom Frühjahr habe ergeben, dass die Arbeitslosigkeit von ehemaligen Kindergeldbezieherinnen im Vergleich zu Karenzgeldbezieherinnen um 40 Prozent gestiegen ist. "Und jene Frauen, die den Wiedereinstieg schaffen, müssen sich immer öfter mit atypischen Jobs, deren Einkommen zum Leben nicht ausreicht, zufrieden geben", sagt Csörgits. Die ÖGB-Frauen fordern eine Reform des Kindergeldes: Frauen sollen wählen können ob sie wie bisher für zweieinhalb Jahre das Kindergeld in der bisherigen Höhe beziehen wollen oder eine höhere Geldleistung für zwei Jahre - also nur bis zum Ende der kündigungsgeschützten Karenz. "Eine derartige Wahlmöglichkeit würde den Frauen den Wiedereinstieg erleichtern, doch die Regierung ist daran offensichtlich nicht interessiert", kritisiert Csörgits.

Falsch einschätzen würden die FP-Frauenpolitkerinnen auch die Folgen der Pensionsharmonisierung für die Frauen. Achleitner und Haubner betonten heute, sie wollen sich noch für eine bessere Anrechnung der Kindererziehung bei Mehrlingsgeburten einsetzen. "Das reicht nicht aus, denn auch die übrigen Frauen mit Kindern verlieren durch die Pensionsreformen der Regierung massiv", sagt Csörgits. Sie fordert die beiden Politikerinnen auf, sich gemeinsam mit den ÖGB-Frauen generell für die bessere Bewertung der Kindererziehungszeiten einzusetzen. "Das Medianeinkommen der Frauen und Männer in Höhe von 1.800 Euro muss als Grundlage für die Bewertung der Kindererziehungszeiten genommen werden statt der derzeit geplanten 1.157 Euro. Und um die Pensionsverluste der Frauen durch die Teilzeitphasen abzufangen, muss die Kindererziehung länger angerechnet werden. Wir fordern eine gestaffelte Anrechnung bis zum 7. Geburtstag des Kindes, nach dem Regierungsmodell endet die Anrechnung schon mit dem 4. Geburtstag", so Csörgits. Und abschließend: "Selbst FP-nahe Experten wie zuletzt Herbert Vonach kritisieren, dass die von der Regierung geplante Aufwertung der Kindererziehung bei weitem nicht ausreicht, um die Pensionsverluste der Frauen abzufangen. Es wird Zeit, dass auch die FPÖ-Politkerinnen, die vorgeben, die Interessen der Frauen zu vertreten, darauf kommen, dass die derzeit geplante Bewertung der Kindererziehungszeiten unzureichend ist", so Csörgits abschließend.(mfr)

ÖGB, 28. Oktober
2004
Nr. 684

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