Scheiber: Boltz kann uns nicht mehr verblüffen

Neueste Studie der E-Control reiht sich gezielt in eine Serie von Falschinformationen

Wien (OTS) - "Vorsicht bei den Zahlenspielen der E-Control!",
warnt Prof. Ernst Scheiber, Geschäftsführer des Österreichischen Biomasse-Verbandes. "Hier soll offenbar die Energiepolitik durch gezielte Falschinformationen von der zur Objektivität verpflichteten Kontrollbehörde massiv beeinflusst werden." Kontinuierlich werden hier Daten veröffentlicht, die einer genaueren Betrachtung in keinster Weise standhalten. Die Reihe der stark tendenziösen Untersuchungen hat eine lange Tradition:

Jänner 2004: Boltz behauptet, dass für die Versorgung eines 10 MW-Biomassekraftwerks im Jahr bis zu 260.000 LKW-Fahrten nötig sind. Tatsächlich werden etwa 6700 LKW-Fahrten für ein derartiges Kraftwerk benötigt, also weniger als 3 % der verbreiteten Zahlen.
Juli 2004: Die E-Control berechnet 1000,- Euro Gesamtbelastung pro Haushalt durch die Ökostromförderung für die Gesetzesperiode von 13 Jahren. Wie diese Summe aus einer jährlichen Belastung pro Haushalt von rund 10 Euro zustande kommt, bleibt schleierhaft.

Oktober 2004: Jüngster Streich. In einer von der E-Control in Auftrag gegebenen Studie des IHS Kärnten wird mit Ausnahme der Kleinwasserkraft allen erneuerbaren Energieformen ein ziemlich mageres volkswirtschaftliches Zeugnis ausgestellt. Berechnungsgrundlage dieser Untersuchung bildet ein konstanter Marktpreis für Strom von 3 Cent pro kWh für die nächsten 20 Jahre. Warum diese Annahme getroffen wurde, lässt sich auch beim besten Willen nicht rational erklären, wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Marktpreis für das 4. Quartal 2004 bereits bei 3,46 Cent pro kWh (34,63 Euro pro MWh) liegt, Tendenz stark steigend.

Wörtlich heißt es in dem Bericht: "Für die Berechnungen im Modell wird davon ausgegangen, dass der Marktpreis - derzeit ca. 30 Euro pro MWh - in den nächsten Jahren weitgehend konstant bleibt. Realistischerweise muss demgegenüber für die Zukunft von einem steigenden Strompreis ausgegangen werden, wie es bei der Analyse von Szenarien der künftigen Ökostromentwicklung unterstellt wird." Seltsamerweise wird im Basisszenario anscheinend nicht mit realistischen Werten gerechnet.

Scheiber weiter: "Für mich entscheidend ist allerdings ein ganz anderer Umstand: Die Erzeugungskosten für Strom aus Gaskraftwerken liegen schon jetzt bei 5,7 Cent pro kWh und damit gleichauf mit den derzeitigen durchschnittlichen Gestehungskosten von Ökostrom (5,74 Cent pro kWh)." Wenn der Gaspreis weiter wie bisher steigt, werden nicht nur die Ökoenergien in der Produktion bald konkurrenzfähig sein, sondern der Strompreis wird für die Endverbraucher empfindlich in die Höhe klettern. Darüber hinaus ist ein Neubau von Kraftwerken in Europa ab 2010 dringend erforderlich, um mit neuen Technologien geringere Emissionen und höhere Wirkungsgrade zu erzielen. Die Folge wird eine Steigerung der Stromerzeugungskosten aus Gas von 40 bis 60 % sein! "Wir müssen uns entscheiden, auf welches Pferd wir setzen -entweder fördern wir jetzt erneuerbare Technologien, die zumindest ein Jahrzehnt an fixe Tarife gebunden sind, oder bauen wir neue fossile Kraftwerke, die uns steigende Preise bescheren und an die wir die nächsten vierzig Jahre gebunden sind."

Der Österreichische Biomasse-Verband hofft daher sehr auf verstärkte Unterstützung auch von Seiten der Wirtschaft, die sich durch unreflektierte Arbeitsplatzstudien nicht verunsichern lassen soll: "Solche manipulativen Methoden stehen außerhalb jeder Kritik. Gefährlich wird es nur dann, wenn diese "objektiven" E-Wirtschaftsvertreter möglicherweise in die Position der verantwortlichen Manager der geplanten Ökooenergie AG gehievt werden", warnt Scheiber vor einem Postenschacher für E-Control-"Funktionäre".

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