Unfallstatistik 2003 - Tödliche Trendwende?

2003: Insgesamt 831.000 Verunglückte

Wien (OTS) - Jeder zehnte Österreicher verunglückte im vergangenen Jahr - so die Bilanz der Unfallstatistik 2003, die heute gemeinsam von Maria Rauch-Kallat, Bundesministerin für Gesundheit und Frauen, Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV), und Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts "Sicher Leben", präsentiert wurde. Mit 72 Prozent entfällt der größte Teil der insgesamt 831.000 Unfälle auf den Bereich Heim, Freizeit und Sport. 21 Prozent ereigneten sich bei der Arbeit und in der Schule, weitere sieben Prozent im Straßenverkehr. "Seit den 90er Jahren konnten wir uns über einen fast durchgehenden Rückgang der tödlichen Unfälle in Österreich freuen. Dieser positive Trend wurde 2003 leider gebrochen:
Erstmals war wieder ein deutlicher Anstieg an Unfalltoten zu verzeichnen. Wir werden uns daher noch stärker als bisher um Maßnahmen bemühen, damit dieser Anstieg ein einmaliger Ausreißer in der Unfallstatistik bleibt", erklärt Rauch-Kallat.

Tödliche Kinder- und Seniorenunfälle seit den 90ern erstmals wieder steigend

"Besonders alarmierend ist die Zahl der getöteten Kinder, die im Vergleich zum Vorjahr um beachtliche 37 Prozent angestiegen ist", weiß Kisser. 171.000 Unfälle betrafen 2003 Kinder unter 15 Jahren, 71 davon verloren ihr Leben. Todesursache Nummer eins sind Verkehrsunfälle, gefolgt von Ertrinken und Stürzen. Besonders dramatisch: Alle zwölf im Jahr 2003 ertrunkenen Kinder waren jünger als fünf Jahre.

Ebenfalls beunruhigend ist der Anstieg der durch Unfälle getöteten Personen älter als 60 Jahre: Plus 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr heißt hier die traurige Bilanz. Vor allem Stürze enden in diesem Alter oft tragisch und sind damit die Haupttodesursache (62 Prozent). Weitere 20 Prozent der über 60-Jährigen sterben im Straßenverkehr. "Die Anzahl der tödlichen Seniorenunfälle ist damit leider wieder auf den Stand des Jahres 1994 zurückgefallen, die der tödlichen Kinderunfälle auf den Stand von 1998", fasst Kisser zusammen.

Verkehrsunfälle sind eine der Haupttodesursachen

"Wie gravierend die Auswirkungen gerade von Verkehrsunfällen sind, wird offensichtlich, wenn man beachtet, dass sich zwar nur sieben Prozent aller Unfälle im Straßenverkehr ereignen, jedoch von allen tödlichen Unfällen mehr als ein Drittel auf den Straßenverkehr entfällt", verdeutlicht Thann. Dank zahlreicher Maßnahmen zur Unfallprävention - wie etwa die Einführung der Gurtpflicht, die Kindersitzpflicht oder der Blutalkohol-Grenzwert von 0,5 Promille -konnte die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten in den letzten Jahrzehnten wesentlich reduziert werden. Mit dem Österreichischen Verkehrssicherheitsprogramm wird dieser positive Weg weiter beschritten. So ist geplant, bis 2010 die Zahl der Getöteten um 50 Prozent, die der Unfälle mit Personenschaden um 20 Prozent zu senken. "Ähnlich intensive Präventionsarbeit wie in der Verkehrssicherheit wäre auch für den Bereich Heim, Freizeit und Sport wünschenswert!", fordert Thann.

Maßnahmen zur Unfallprävention

Die aktuelle Unfallstatistik von "Sicher Leben" illustriert deutlich, dass Handlungsbedarf auf dem Gebiet der Unfallverhütung besteht. Bereits vor gut einem Jahr hat Ministerin Rauch-Kallat deshalb eine Kampagne ins Leben gerufen, die sich österreichweit für Gesundheitsförderung einsetzt. Eine der fünf Säulen des Projekts beschäftigt sich mit Unfallprävention im Bereich Heim, Freizeit und Sport. Im Rahmen dieser Kampagne stehen zahlreiche Aktivitäten auf dem Programm, darunter ein Gesundheitspass für Jugendliche und das Projekt "Gesunde Schule". Darüber hinaus wird Rauch-Kallat einen bundesweiten Aktionsplan zur Unfallverhütung initiieren, der die kontinuierliche Senkung der Zahl der Verunglückten zum Ziel hat.

Culture of Safety

Das Institut "Sicher Leben" setzt für mehr Sicherheit im Heim-, Freizeit- und Sportbereich auf zwei Säulen: Neben der Eigenverantwortung jedes einzelnen Bürgers hält Kisser es für notwendig, dass auch die "Gefahrenerzeuger", also Händler und Produzenten, verstärkt Verantwortung für ihre Produkte übernehmen. Es gilt, Konsumenten aktiv über mögliche Gefahrenquellen zu informieren und damit eine "Culture of Safety" zu erzeugen. "Ziel ist es, dass die Bürger Sicherheit nicht mehr als "Spaßbremse" betrachten, sondern als selbstverständlichen Teil ihres Alltags. Dies ist möglich, denn viele Schutzmaßnahmen sind einfach, praktikabel und trotzdem wirkungsvoll - und damit für jeden umsetzbar", unterstreicht Kisser. Nicht nur viel menschliches Leid, sondern auch direkte Unfallfolgekosten von 3,7 Milliarden Euro jährlich könnten durch eine solche Einstellungsänderung wenigstens zum Teil vermieden werden.

Aufgaben des Instituts "Sicher Leben"

Das Institut "Sicher Leben" fokussiert als Teil des Kuratorium für Schutz und Sicherheit auf Unfälle, die sich zu Hause, in der Freizeit und beim Sport zutragen. Neben der Unfallforschung gehört auch die Entwicklung und Erprobung von Sicherheitsmaßnahmen zu den Aufgaben von "Sicher Leben". Das Institut steht mit seinem Know-how sowohl der Bevölkerung als auch anderen Institutionen informierend und beratend zur Seite. Die jährliche veröffentlichte Unfallstatistik von "Sicher Leben" beschäftigt sich primär mit den Unfallzahlen der Bereiche Heim, Freizeit und Sport. Darüber hinaus ist sie jedoch gleichzeitig die einzige österreichische Publikation, die einen Überblick über das gesamte Unfallgeschehen - also auch unter Berücksichtigung von Verkehrs- und Arbeitsunfällen - bietet.

Weitere Informationen unter www.sicherleben.at und www.bmgf.gv.at.

Wien, 27.10.2004

Rückfragen & Kontakt:

Institut "Sicher Leben", Pressestelle, Doreen Kallweit M.A.
Tel.: 01-717 70-161, E-Mail: doreen.kallweit@kfv.at
BM für Gesundheit und Frauen, Ministerbüro, Mag. Christoph Hörhan
01-711 00-4379, E-Mail: christoph.hoerhan@bmgf.gv.at

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