WirtschaftsBlatt-Kommentar: Als ob gute Leistung bereits elitär wäre - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Im Wintersemester 2004/05 sind an Österreichs Universitäten 220.000 Studenten und Studentinnen inskribiert. Die Kehrseite des statistischen Bildungshungers: Hochgerechnet wird kaum jeder Zweite von denen, die heute mit dem Studium beginnen, einen Abschluss erreichen. Die Drop-out-Rate wirft einen Schatten auf den freien, durch keinerlei Qualitätsnachweis ermöglichten Eintritt in den akademischen Bildungszweig. In die durch schwere Mängel der Bildungseinrichtungen aufgeheizte Situation platzt der Vorschlag einer Elite-Universität. Damit ist die Gefahr gross, dass eine virtuelle, ausschliesslich auf Missverständnisssen aufgebaute Argumentation ein ernsthaftes Projekt in die Sackgasse führt. Die Elite-Universität, von der in der aktuellen Berichterstattung die Rede ist, stützt sich auf Vorschläge des Experimentalphysikers Anton Zeilinger. Seine Konzept einer "University of Excellence³ wurde von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer aufgegriffen und mit dem vernünftigen Zusatz ausgestattet, dass eine ehrgeizige Bildungsinstitution dieser Art nicht nur Natur-, sondern auch Geisteswissenschaften umfassen müsse. Das Wichtigste aber: Zeilingers "University of Excellence³ ist als Spitzenausbildung für Uni-Absolventen gedacht, also postgraduate. Das Reizwort "Elite-Universität³ hat also gar keine Sprengkraft, denn sie will die offene Universität weder ersetzen noch schwächen. Sprengmeister sind hingegen diejenigen, die erst den Begriff Elite abwerten und danach jede ausgezeichnete Leistung als etwas Elitäres in Misskredit bringen wollen. Der rührige Präsident der Industriellen-Vereinigung, Veit Sorger, setzt sich vehement für diesen Plan ein. Als attraktiver Wirtschaftsstandort müsse Österreich Wissenschafter anziehen und Spitzenkräfte ausbilden können. Sorger sieht in einer Elite-Uni einen Wirtschaftskörper, der unzählige Jobs kreiert und befruchtend auf die Gesamtwirtschaft wirkt. Sponsoren, nicht aber die Industriellen-Vereinigung selbst, könnten das Werk mitfinanzieren. Auch SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer ist dank seiner Amerika-Erfahrung offen für vernünftige, zukunftsweisende Vorschläge. Mit Ideologie hat das Konzept nämlich nichts zu tun Österreich braucht eine Elite-Universität. Allerdings besteht schon wieder einmal die Gefahr, dass eine gute Idee so zerredet wird wie der Semmering-Bahntunnel zwischen zwei Bundesländern.

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