Mexiko: Land der Widersprüche

37. Lateinamerika-Tag des Lateinamerika-Instituts in der WKÖ zum Schwerpunktthema "Mexiko: Politik - Wirtschaft - Kultur"

Wien (PWK767) - Anlässlich des 37. Lateinamerika-Tages des Lateinamerika-Instituts, der heute (Freitag) in der WKÖ über die Bühne geht, debattierten drei Wirtschaftsminister über Mexiko, seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Österreich sowie seine Position am Weltmarkt. Neben dem mexikanischen Wirtschaftsminister Fernando Canales fanden sich Österreichs aktueller Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und dessen Vorgänger Hannes Farnleitner (auch in seiner Funktion als Präsident des Lateinamerika-Instituts), sowie Richard Schenz, WKÖ-Vizepräsident, und Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ und ehemaliger österreichischer Handelsdelegierter in Mexiko, am Podium ein.

Richard Schenz wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin, dass "Mexiko im Verlauf des heurigen Jahres erstmals seit 1993 wieder zum größten Abnehmer österreichischer Produkte in Lateinamerika aufgestiegen ist und Brasilien überholt hat." Im ersten Halbjahr wurden österreichische Waren im Wert von knapp 100 Millionen Euro, d.h. um 27% mehr als im Vorjahreszeitraum, nach Mexiko exportiert und es könnte bis zum Jahresende erstmals die magische Grenze von 200 Millionen Euro überschritten werden. Vor allem österreichische Maschinen und Anlagen sowie Halbfertigprodukte und chemisch-pharmazeutische Produkte sind in Mexiko stark gefragt. "Zurückzuführen ist diese für die österreichische Exportwirtschaft günstige Entwicklung neben der wirtschaftlichen Erholung in Mexiko sicherlich auch auf die mit 60 Unternehmen relativ gute Präsenz österreichischer Firmen vor Ort, die durch die Außenhandelsstelle Mexiko in den vergangenen Jahren durch verstärkte Anstrengungen vehement gefördert wurde", ergänzte Walter Koren.

Minister Canales betonte, dass Mexiko einer der Nutznießer des Globalisierungsprozesses sei und die Wirtschaft dadurch in letzter Zeit einen eindeutigen Aufwärtstrend verzeichne. Mexiko wurde zum achtgrößten Exporteur weltweit und ist in Lateinamerika die Nummer eins unter den Importeuren - Mexiko importiert mehr Waren als alle anderen lateinamerikanischen Länder gemeinsam. Canales: "Dennoch bleibt Mexiko ein Land der Widersprüche, dessen sind wir uns bewusst. Denn auf der einen Seite spielen wir mittlerweile eine sehr große Rolle in der Weltwirtschaft, aber auf der anderen Seite herrscht in Mexiko zum Teil auch noch extreme Armut." Die mexikanische Regierung konnte ihre Wirtschaftsprognosen heuer zur Jahresmitte nach oben revidieren - das BIP wird 2004 voraussichtlich um 4%, möglicherweise sogar etwas darüber, wachsen. Damit hebt sich Mexiko deutlich von der Mehrzahl seiner lateinamerikanischen Nachbarn ab. Motor des Aufschwungs ist in erster Linie der Export. Für 2005 wird mit der Konsolidierung der Konjunkturerholung gerechnet.

Wirtschaftsminister Bartenstein ging auf die unterschiedlichen Berührungspunkte zwischen Mexiko und Österreich ein: "Österreich verbindet mit Mexiko nicht nur die langsam enger werdende wirtschaftliche Kooperation, sondern auch die Brückenfunktion, die beide Länder in ihren jeweiligen Kontinenten erfüllen: Mexiko als Bindeglied zwischen Nord- und Südamerika, Österreich in Richtung Osteuropa." Die Zugehörigkeit Mexikos zur NAFTA, sein weit verzweigtes Netz an Freihandelsabkommen mit lateinamerikanischen Staaten und seine Schlüsselrolle bei den laufenden Verhandlungen um ein gesamtamerikanisches Freihandelsabkommen seien in diesem Zusammenhang von ebenso großer Bedeutung wie die Mitgliedschaft Österreichs in der erweiterten EU und unsere historischen Bindungen zu den neuen EU-Mitgliedstaaten sowie zu den übrigen Ländern Ost- und Südosteuropas. Diese Zugehörigkeit der beiden Staaten zu den wichtigsten Integrationsräumen in den beiden Kontinenten bieten Unternehmen beider Länder ausgezeichnete Rahmenbedingungen, die Geschäftsmöglichkeiten auch auf die jeweils andere Region auszudehnen. (BS)

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