Tumpel: "Keine Rede mehr von Wahlfreiheit bei der Korridorpension"

Ministerratsbeschluss zur Pensionsharmonisierung enthält entgegen Regierungsbehauptung einschneidende Änderung

Wien (OTS) - "Die Regierung will tausende Arbeitnehmer ohne Wahlmöglichkeit mit hohen Verlusten in Pension schicken", warnt AK Präsident Herbert Tumpel, "es stimmt nicht mehr, dass sie Arbeitnehmern nach der Pensionsharmonisierung die Wahl lassen will, ob sie mit 62 Jahren im so genannten Pensionskorridor mit zusätzlichen Abschlägen in Pension gehen oder erst später." Grund dafür sind drei Wörter in der Regierungsvorlage zur Pensionsharmonisierung, mit denen die Regierung entge-gen anders lautenden Aussagen ihren Begutachtungsentwurf doch dramatisch geändert hat: Wer Anspruch auf die Korridorpension hat, soll nun keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld haben. Betroffen davon würden Männer sein, die nach der Pensionsharmonisierung mit 62 Jahren in Pension gehen können - aber nur mit zusätzlichen Abschlägen, die bis zu 22 Prozent Pensionsverlust bedeuten. Wer mit 62 bereits arbeitslos ist oder von der Firma gekündigt wird, müsste so entweder vom Ersparten leben, bis er mit 65 in die normale Alterspension gehen kann - oder er geht in die Korridorpension mit bis zu 70.000 Euro Verlust bis ans Lebens-ende. Tumpel: "Von Wahlfreiheit, wie die Regierung sagt, kann keine Rede sein."

Die AK hat mehrfach vorgerechnet, wie hoch die Pensionsverluste sein können, wenn Arbeitnehmer im so genannten Pensionskorridor mit 62 in Pension gehen, wie er bei der Pensionsharmonisierung geplant ist: bis zu 22 Prozent, weil der Pensionantritt mit 62 nur mit zusätzlichen Abschlägen zu den Verlusten aus der Pensionsreform 2003 möglich sein soll. "Diese dramatischen Verluste will die Regierung allen zumuten, die mit 62 keine Arbeit mehr haben oder die Arbeit verlieren", kritisiert Tumpel. "Das ist unsozial. Von Wahlfreiheit kann keine Rede sein, wenn die Betroffenen keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld mehr haben. Und betroffen werden fast alle sein. Denn es ist Erfahrungstatsache, dass die Unternehmen die meisten Arbeitnehmer kündigen, sobald sie einen Pensionsanspruch haben."

Die Verluste können sich bis ans Lebensende für Betroffene auf bis zu 70.000 Euro aufsummieren, zeigt ein Rechenbeispiel. Grundlage für das Beispiel ist die durchschnittliche Neupension eines Angestellten (Werte auf Basis heutiger Einkommensverhältnisse).

Pension nach Rechtslage 2003 mit 65 im Jahr 2019 2.251 Euro Pension nach Regierungsplänen mit 65 im Jahr 2019 2.071 Euro mit 62 im Korridor 2016 1.718 Euro ------------------------------------------- zusätzliche Kürzung im Korridor monatlich -353 Euro -17 % jährlich -4.942 Euro Leben* -70.000 Euro --- *) "Arbeitslose"/Notstand gegengerechnet

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