Alpbach, 16. Oktober 2004 (ÖVP-PK) Das Thema Zeit stand im Mittelpunkt des Arbeitskreises "Arbeit.neu.denken", der am zweiten Tag des ÖVP-Bundeskongresses in Alpbach unter der Leitung von Wirtschaft- und Arbeitssminister Dr. Martin Bartenstein tagte. ****

Univ.Prof. Bernd Marin wies auf die Tatsache hin, dass durch
die heute höhere Lebenserwartung die Zahl der nicht Erwerbstätigen im Verhältnis zu den Erwerbstätigen steige. Trotzdem werde heute 50-Jährigen der Eindruck vermittelt, dass sie bereits Senioren seien. Marin bekannte sich zur prinzipiellen Möglichkeit längerer Arbeitszeiten, hob aber hervor, dass es "natürlich nicht" zu einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit bei gleich bleibendem Lohn kommen dürfe. Es gehe in erster Linie darum, produktiver zu arbeiten, längere und flexiblere Öffnungszeiten und längeres Laufen der Maschinen zu gewährleisten. "Und", so Marin, "in einer multikulturellen Gesellschaft muss man auch über Sonntagsarbeit nachdenken". Seine Utopie sei eine Kombination aus Freizeitgesellschaft mit weniger Stillstand. Es gehe nicht um Arbeitszeitverlängerung, sondern vor allem um Wahlmöglichkeiten für Arbeitnehmer.

Abg.z.NR Christine Marek erteilte der Sonntagsarbeit eine Absage. "Wir müssen ja nicht am Sonntag einkaufen gehen, dieser eine freie Tag ist auch wichtig für die Familien." Zur Flexibilisierung der Arbeitszeit meinte sie, dass es ein Spannungsfeld zwischen Jobs mit relativ niedrigem und solchen mit hohem Qualifikationsniveau gebe. Bei letzteren komme der Druck nach Flexibilisierung auch von Arbeitnehmerseite. Flexibilität dürfe jedenfalls nicht Maximierung der Arbeitszeit bedeuten und sei keine Einbahnstraße. "Die Bedürfnisse beider Seiten, nämlich von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, müssen berücksichtigt werden." Ein mögliches Zukunftsmodell, das in Deutschland bereits praktiziert werde, in Österreich gesetzlich aber noch nicht möglich sei, sei jenes der "Vertrauensarbeitszeit". "Dabei gibt es eine gemeinsame Vereinbarung der Leistungsziele und eine eigenverantwortliche Erbringung dieser Ziele. Gleichzeitig entfällt die Kontrolle und Aufzeichnung der Arbeitszeit." Natürlich müsste aber auch bei diesem Modell das Ziel derart definiert sein, dass es zu keiner Maximierung der Arbeitszeit komme. Marek hob auch die Bedeutung der weiteren Erhöhung der Frauenerwerbsquote hervor und betonte die Wichtigkeit der Vereinbarung von Familie und Beruf. Eine Notwendigkeit in diesem Bereich sei die Forcierung von Betriebskindergärten.

Univ.Prof. Dr. Günther Burkert-Dottolo wählte einen philosophischen Zugang zum Thema und regte an, den Zeitbegriff, der in Europa als Druck erlebt werde, zu überdenken. "Bei uns ist Zeit linear, etwas mit Ablaufdatum. Im asiatischen Raum verflieht die Zeit nicht, sondern man ist in diese eingebettet." Der Direktor der Politischen Akademie ließ auch mit einem Vorschlag zum Thema Langzeitarbeitslose aufhorchen. So sei vorstellbar, dass sich diese mit älteren Menschen beschäftigen, die unter sozialer Vereinsamung leiden. "Das ist sicher sinnvoller als Computerkurse."

Schließlich referierte Wirtschaftsbund-Generalsekretär Abg.z.NR Dr. Reinhold Mitterlehner die Vorstellungen aus Unternehmersicht, wobei auch er der Ausweitung der Sonntagsarbeit eine klare Absage erteilte. Er regte die Möglichkeit der Anhebung der täglichen Arbeitszeit auf 10 Stunden pro Tag unter Beibehaltung der 40-Stunden-Woche an. Außerdem sei die Anhebung der wöchentlichen Arbeitszeit (Normalarbeitszeit und Überstunden) in 26 Wochen des Kalenderjahres auf 60 Stunden zu überlegen. "Nein zu Feiertags- und Sonntagsarbeit, nein zu Lohnkürzungen, aber ja zur Förderung der Flexibilität auf betrieblicher Basis", so Mitterlehner abschließend.

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