Rettungsversuch für Mehrwegflaschen

"die umweltberatung" Wien bezweifelt Glaubwürdigkeit

Wien (OTS) - Wirtschaftskammerpräsident Leitl und Bundesminister Pröll präsentierten kürzlich die Neuauflage der bislang erfolglosen "freiwilligen Selbstverpflichtung" der Wirtschaft für den Erhalt der umweltfreundlichen Mehrwegflaschen. "die umweltberatung" Wien beurteilt den Inhalt des neuen Papiers positiv, zweifelt aber die Glaubwürdigkeit an. Denn bislang wurden von der Wirtschaft weder die gesetzlichen Vorgaben noch die selbst auferlegte "freiwillige Selbstverpflichtung" eingehalten.

Bei der neuen Vereinbarung zwischen Umweltminister Pröll und WKÖ-Chef Leitl hat sich die Wirtschaft verpflichtet, 80 % aller an Letztverbraucher abgegebenen Getränkeverpackungen entweder wieder zu befüllen oder stofflich zu verwerten (= Recycling). Zudem sollen jährlich 75.000 Euro für die Bewerbung von Mehrwegflaschen bei den KonsumentInnen zur Verfügung gestellt werden.

"Die 80 %-Marke ist bei näherer Betrachtung durchaus ambitioniert, sie wird vor allem dem Handel einen nicht unbeträchtlichen Marketingaufwand abverlangen", sagte am Freitag Ronald Juza, Leiter von "die umweltberatung" Wien. Bei der Berechnung der Quote werden nämlich in Zukunft laut Wirtschaftskammer praktisch alle Getränkearten berücksichtigt werden und die Gastronomie als große Stütze der Mehrwegquote nur mehr mit jenen Getränken eingerechnet werden, die verpackt an den Letztverbraucher verkauft werden, womit beispielsweise Fassbier nicht mehr als Mehrweg gerechnet werden kann.

"Dennoch ist die Vereinbarung kein Gesetz und kann nicht individuell eingeklagt werden", kritisiert Juza, und erinnert "dass auch die letzte Selbstverpflichtung einige Firmen trotz Unterschrift nicht davon abgehalten hat, im Einzelhandel komplett auf Einweg umzustellen." Aus diesem Grund hat "die umweltberatung" Wien immer gesetzliche Maßnahmen zum Erhalt der umweltfreundlichen Mehrweggebinde gefordert.****

Marketingkampagne für Mehrweg

Grundsätzlich amüsiert zeigt sich Juza über die angekündigte Marketingkampagne: "Genau das haben die ARGE Müllvermeidung und "die umweltberatung" letztes Jahr im Projekt "Mehrwegforum Wien" mit Wirtschaftsvertretern ausgearbeitet. Das ist schließlich am Widerstand des Handels gescheitert. Freiwillig ist dieser Sinneswandel, jetzt doch noch Marketing für Mehrweg zu betreiben, sicher nicht, und über die geforderte Bewusstseinsbildung meint er weiters: "Endlich müssen hier die KonsumentInnen im großen Umfang über Vorteile von Mehrwegverpackungen unterrichtet werden." Dass allerdings 75.000 Euro dafür ausreichen, effizientes Marketing für Mehrweg zu betreiben, hält Juza praktisch für unmöglich.

"Man wird sehen, ob sich der Trend umkehren lässt", und der Erfolgsdruck sei laut Juza "enorm hoch", dennoch sei die Vereinbarung in dieser Form - vorausgesetzt sie wird von allen Partnern eingehalten - durchaus in der Lage, Mehrweggetränkeverpackungen in Österreich zumindest abzusichern. Auch Umweltminister Pröll steht unter Druck, denn sollte die "Freiwillige Selbstverpflichtung II" wieder scheitern, gibt es keinen Grund mehr, auf gesetzliche Maßnahmen, die bereits von großen Teilen der Politik, den Kommunen, der Abfallwirtschaft und Umweltschutzorganisationen gefordert werden, zur Stabilisierung von Mehrweg zu verzichten.

Hintergrundinformation

Seit Jahren geht die Mehrwegquote zugunsten von Einweggebinden in Österreich zurück und hat 2003 die 50 % Quote unterschritten. Um Mehrweg-Flaschen am Markt abzusichern, hat sich die Wirtschaft - nach Verfehlung der gesetzlichen Vorgaben - im Jahr 2000 selbst freiwillig dazu verpflichtet. Aber auch die "freiwillige Selbstverpflichtung" wurde verfehlt. "die umweltberatung" fordert daher ordnungspolitische Maßnahmen zur Sicherung von Mehrweg. "die umweltberatung" setzt sich für den Erhalt von Mehrwegflaschen ein, da diese, was das Abfallaufkommen, den Energie- und Rohstoffverbrauch betrifft, gegenüber Einwegflaschen vorteilhafter sind. Zusätzlich sichert Mehrweg regionale Arbeitsplätze.

Mehr Informationen:

o http://www.umweltberatung.at/ o http://www.mehrweg.at/ o http://www.abfallvermeidungwien.at/

(Schluss)

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