"Exportoffensive: Minister in der Defensive"

Wien (OTS) - Es ist, so scheint's, ein guter österreichischer Brauch, in regelmässigen Abständen über das Export-Wunder made in Austria in Jubel auszubrechen. Das ist ganz in Ordnung, denn es gibt tatsächlich genug Grund zur Freude: Immerhin steigen Österreichs Exporte seit 1996 um durchschnittlich 7,7 Prozent pro Jahr womit wir EU-weit hinter Irland auf Platz zwei liegen. Deutschland, Schweden oder Italien können da bestenfalls vor Neid erblassen. Seit Mitte der Neunziger hat sich die heimische Exportquote von 24,5 auf 35,1 Prozent erhöht für 2005 werden sogar 37 Prozent anvisiert. Die erstmals positive Handelsbilanz im Jahr 2002 war schliesslich für die mittlerweise 20.000 österreichischen Exporteure ein wahrer Triumph. An dieser Stelle ist allerdings ein riesiges ABER fällig: Österreich braucht nämlich im Hinblick auf die künftig erhoffte Wirtschaftsdynamik und eine positive Entwicklung am Arbeitsmarkt mindestens doppelt so viele, am besten gleich drei Mal so viele Exportfirmen wie derzeit vorhanden sind. Die Regierung, die das gottlob auch weiss, hat daher bereits Anfang Februar gemeinsam mit der Wirtschaftskammer die Initiative "go international" feierlich vorgestellt. Für jene Unternehmen, die erstmals exportieren möchten, sollten laut Martin Bartenstein, dem zuständigen Minister, bis 2006 immerhin 50 Millionen Euro locker gemacht werden zusätzlich zu den 50 Millionen Euro, die von der Kammer in die Exportfördermassnahmen fliessen. Im Prinzip eine vernünftige, durchaus lobenswerte Aktion zwecks Strukturverbesserung und Stärkung der heimischen Wirtschaft. Die Zwischenbilanz dieser Initiative sieht allerdings traurig aus: In den exakt acht Monaten, die seit der pompösen Ankündigung durch Bartenstein und Leitl vergangen sind, ist herzlich wenig, eigentlich gar nichts, geschehen. Man hört, dass das Geld vom Finanzminister immer noch nicht locker gemacht wurde (siehe Story auf Seite 2) und ohne Unterstützung seitens des Bundes hängt naturgemäss die mit der Abwicklung betraute Wirtschaftskammer total in der Luft. Wenn also nicht bald etwas geschieht, wird sich die Initiative wohl in Nichts auflösen. Derzeit weiss kaum jemand, dass es "go international" überhaupt gibt. Nur wenige Firmenchefs füllen den "Export-Fit-Test" (http://www.exportfit.at) aus und das "Export-Startpaket" bleibt ein Phantom. Praktisch keiner beantragt eine Förderung, notgedrungen kann/s auch keine Zuschüsse geben. Fazit: Eine tolle Aktion, aber leider nur heisse Luft...

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