Tumpel: Betreuungsangebot für Kinder weiterhin viel zu gering

Durchschnittsberechnung der Regierung verschleiert den tatsächlichen Bedarf an Betreuungsplätzen

Wien (OTS) - Die Situation bei der Betreuung von Kindern bleibt unverändert schlecht", kritisiert AK Präsident Herbert Tumpel. "Die von der Regierung in Auftrag gegebene Methode ist ungeeignet, das tatsächliche Defizit bei der externen Kinderbetreuung festzustellen", kritisiert Tumpel. Der ermittelte aktuelle Mehrbedarf von 18.000 Plätzen weicht erheblich von der Mikrozensuserhebung 2002 ab, bei der ein Mangel von insgesamt 90.000 Betreuungsplätzen (für 47.700 Kinder fehlt eine Betreuungseinrichtung und für 41.700 Kinder ist das vorhandene Angebot unzureichend) festgestellt wurde. "Statt endlich zu handeln, gibt die Regierung Statistiken in Auftrag, die das Problem verschleiern sollen. Die schlechte Situation bei der Kinderbetreuung erschwert den Frauen den Zugang zum Arbeitsmarkt", sagt Tumpel und fordert konkrete Schritte, um die Mängel in der Kinderbetreuung zu beseitigen.

Im Bedarfserhebungsmodell der Regierung wurden vier Kategorien (sehr ländlich, ländlich, Stadt-Umland, Stadt) festgelegt, in der die durchschnittliche Versorgungsdichte erhoben wurde. Wenn ein Bezirk unter dem österreichweiten Durchschnitt seiner Kategorie liegt, soll die Zahl der Kinderbetreuungsplätze lediglich auf diesen Durchschnittswert angehoben werden. Damit die relativ gute Versorgungslage in Wien den Durschnitt nicht anhebt, wird Wien einfach außerhalb der vier Kategorien gestellt. Der Durchschnitt der jeweiligen Kategorie, ganz egal wie wenig Kinderbetreuungsplätze es dort gibt, wird also anstelle des tatsächlichen Kinderbetreuungs-Bedarfs der Eltern zum Maßstab gemacht. Das heisst:
In all jenen Bezirken, in denen Mütter schwer arbeiten können, weil es zu wenig Kinderbetreuungs-Angebot gibt, wird das schlechte Durchschnitts-Angebot den Eltern als ausreichend erklärt. Gibt es in einer Gemeinde keine Kinderbetreuung, wird aber im Bezirk der Durchschnitt erreicht, so ist laut Regierung der Bedarf trotzdem gedeckt.

Nach dem Mikrozensus 2002 fehlen in Österreich fast 50.000 Kinderbetreuungsplätze, über 40.000 werden - zB was die Öffnungszeiten betrifft - von den Eltern als unzureichend eingeschätzt. Die Betreuungssituation erschwert vor allem den Müttern den gleichberechtigten Zugang zum Arbeitsmarkt - die Hauptursache für lebenslange Einkommensnachteile der Frauen.

Im Europa-Vergleich liegt Österreich in der Kinderbetreuung weiterhin weit zurück. Am Beispiel der 0-3jährigen: Während in Frankreich ein Drittel, in Schweden sogar die Hälfte der Kinder in diesem Alter einen Betreuungsplatz hat, steht in Österreich nur jedem 11. Kind ein Platz zu Verfügung. Das Barcelona-Ziel von 33 Prozent Kinderbetreuungsplätze für 0-3jährige, zu dem sich Österreich verpflichtet hat, ist damit weiterhin völlig außer Reichweite.

Die AK fordert konkrete Schritte, um die Mängel in der Kinderbetreuung zu beseitigen. Es ist dringend notwendig, dass der Bund die Initiative ergreift und Anreize für die Länder und Gemeinden schafft, die Mittel dafür bereitzustellen. Insgesamt 240 Mio. Euro wären erforderlich um die bestehenden Lücken zu schließen. Die Hälfte dieser Mittel soll - wie schon bei der Kinderbetreuungsmilliarde -der Bund bereitstellen, die andere Hälfte müs-sen Länder und Gemeinden aufbringen. Im Finanzausgleich, der derzeit verhandelt wird, muss dafür ein entsprechender Zweckzuschuss vorgesehen werden. Mehr als die Hälfte dieser Kosten würde durch zusätzliche Einnahmen abgedeckt werden, weil mehr Frauen erwerbstätig sein könnten.

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