Meilenstein in der Thromboseprophylaxe

Neue Substanzklasse bringt Vorteile für Patienten und Therapiemanagement bei Hüft- und Kniegelenksersatz

Wien (OTS) - In einem Pressegespräch am Samstag, dem 2. Oktober in Wien, informierten Experten über die neue Substanzgruppe der Oralen Direkten Thrombin Inhibitoren (ODTI). Ermöglicht wurde diese Entwicklung durch einen völlig neuen Ansatzpunkt in der Antikoagulation. Die neue Substanzklasse weist herkömmlichen Antikoagulantien gegenüber zahlreiche Vorteile auf.

Mit Zunahme der Gelenks-Ersatzoperationen ist eine adäquate Thromboembolie-Prophylaxe immer wichtiger geworden, da Thrombosen trotz schonender Operationstechniken und Frühmobilisierung der Patienten eine ernste Komplikation darstellen. Um ihr Entstehen zu verhindern, werden den Patienten zur Thrombosprophylaxe Heparine verabreicht - früher unfraktionierte (große Moleküle) und heute v. a. fraktionierte niedermolekulare Heparine (NMH).

Die Zeit ist reif für ein neues orales Antikoagulans

Doch die NMH wirken nur indirekt, können Thrombin (Faktor II der Blutgerinnung, der die Umwandlung von Fibrinogen in Firbin initiiert), das bereits an Fibrin gebunden ist, nicht mehr hemmen. Weiters ist immer das Risiko einer durch Heparin hervorgerufenen Thrombozytopenie (Blutplättchen verklumpen und verstopfen die kleinsten und kleinen Gefäße) gegeben. Ein - vor allem für die Patienten - sehr unangenehmer Nachteil: NMH müssen ausnahmslos mittels Spritze injiziert werden.

Ziel der jahrzehntelangen Forschung auf diesem Gebiet war es daher, eine wirksame und sichere Substanz zu entwickeln, die oral verabreicht werden kann.

Neue Substanzklasse: Oraler Direkter Thrombin Inhibitor (ODTI)...

Mit dem Wirkstoff Melagatran und seinem Prodrug Ximelagatran (Exanta(R)) steht nun erstmals ein Medikament zur Thrombose-Prophylaxe zur Verfügung, das das Anforderungsprofil weitgehend erfüllt. Ximelagatran verbindet die gute Wirksamkeit und Sicherheit der bisherigen Therapieformen mit einer oralen Applikationsmöglichkeit.

... greift zentral in die Gerinnungskaskade ein

Ermöglicht wurde diese Entwicklung durch einen völlig neuen Ansatzpunkt der Antikoagulation. Erstmals wird nicht über verschiedene, in der Gerinnungskaskade ganz oben stehende Gerinnungsfaktoren oder über Co-Faktoren der Gerinnung in das Gerinnungssystem eingegriffen, sondern Ximelagatran hemmt direkt das Thrombin, den Schlüsselfaktor der Blutgerinnung, der in der Gerinnungskaskade unmittelbar vor der Thrombusbildung steht. Inzwischen haben zahlreiche Studien (z.B. METHRO-Studienprogramm, EXPRESS Studie) an orthopädischen Hochrisikopatienten die Wirksamkeit und Sicherheit von Exanta(R) - so der Markenname von Ximelagatran -eindrucksvoll unter Beweis gestellt und so zur Zulassung von Exanta(R) zur Thromboembolieprophylaxe nach elektiven Hüft- und Kniegelenksersatzoperationen geführt.

Die Vorteile der ODTI

- Orale Einnahme - erhöhte Compliance bei Patienten

Der Patient erhält eine einzige Spritze Melagatran 4-8 Stunden nach der Operation und dann 2mal täglich Ximelagatran in Tablettenform. Man kann daher davon ausgehen, dass die Compliance der Patienten wesentlich größer sein wird.

- Verbessertes Operationsmanagement

Während NMH im Schnitt einen Tag vor der Operation verabreicht werden müssen, wird Exanta(R) erst nach der Operation angewendet. Da die Thromboseprophylaxe mit Melagatran postoperativ erfolgen kann, kann der Operateur einen noch nicht antikoagulierten Patienten operieren, es ist also noch keine erhöhte Blutungsgefahr gegeben. Dies ermöglicht auch dem Anästhesisten seine regionalanästhetischen Verfahren bei Patienten ohne beeinflusstes Gerinnungssystem durchzuführen. Die orale Darreichungsform vereinfacht darüber hinaus die Durchführung der Thromboseprophylaxe im Krankenhaus, da es einfacher ist eine Tablette als eine Spritze zu verabreichen.

- Verbessertes Therapiemanagement durch fixe Dosis

Ximelagatran kann in einer fixen, vom Körpergewicht unabhängigen Dosis verabreicht werden.

- Stabile Pharmakokinetik

Auf Grund der stabilen Pharmakokinetik kommt es zu keinen wesentlichen Interaktionen mit anderen Medikamenten.

- Große therapeutische Breite durch mehr Sicherheit zwischen "zuviel" und "zuwenig"

Melagatran hat eine flachere Dosis-Wirkungskurve als Vitamin K-Antagonisten (= 2. große Gruppe der Antikoagulantien, die meist zur langfristigen Blutverdünnung - Verhütung von Thrombosen und Schlaganfallprophylaxe - eingesetzt werden). Das heißt, dass das Fenster zwischen gewünschter antithrombotischer Wirkung und unerwünschter Blutung durch ein "Zuviel" an Blutverdünnung beträchtlich breiter ist als bei Vitamin K-Antagonisten (Cumarine).

Conclusio

NMH können nur mittels Injektion verabreicht werden, die enge therapeutische Breite von Vitamin K-Anatagonisten (Cumarin) erfordert ein sorgfältiges Gerinnungsmonitoring. Ximelagatran, ein neuer, auch in oraler Form verfügbarer Direkter Thrombin Inhibitor (ODTI) wurde entwickelt, um diese Beschränkungen der herkömmlichen Thromboseprophylaxe zu überwinden.

Bei vergleichbarer Wirksamkeit mit NMH bietet das neue Antikoagulans Ximelagatran vielerlei Vorteile:

  • orale und subkutane Darreichungsform (Tablette und Spritze)
  • stabile Pharmakokinetik ohne wesentliche Interaktionen mit anderen Medikamenten
  • große therapeutische Breite
  • verbessertes Therapie- und Operationsmanagement durch postoperativen Einsatz, fixe Dosis und orale Darreichungsform

Der wesentliche Vorteil liegt in der oralen Applikationsmöglichkeit, da dies einerseits die Durchführung der Thromboseprophylaxe im Krankenhaus vereinfacht und sich andererseits positiv auf die Einnahmetreue (Compliance) der Patienten auswirken wird.

Dieser Text, sowie alle Abstracts des Pressegsprächs (doc) sowie Fotos der Referenten (jpg) unter: http://www.exanta.starship.at

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Barbara Urban, medical media consultin,
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