Neues Volksblatt" Kommentar: "Selig?" (Von Werner Rohrhofer)

Ausgabe vom 4. Oktober 2004

Linz (OTS) - Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die öffentliche Diskussion - auch außerhalb der Kirche - dieser Tage zum Thema "Heiligkeit" ereifert, ausgelöst durch die Seligsprechung von Kaiser Karl. Historiker ebenso wie Politiker listen penibel auf, was der letzte Kaiser alles richtig und falsch gemacht hat. Und was mehr ins Gewicht fällt.
Genau darin liegt aber das Missverständnis: denn nach zeitgemäßer Interpretation sind Heilige und Selige nicht abgehobene und weltflüchtige Männer oder Frauen, denen alles Menschliche fremd war. Im Gegenteil, wenn Selig- und Heiligsprechungen heute Sinn machen sollen, dann dadurch, dass damit echte "Vorbilder" proklamiert werden: konkrete, blutvolle und mitten im Leben stehende Menschen mit allen ihren Schwächen und Fehlern. Die aber trotzdem den Weg des Glaubens vorbildhaft gegangen sind. Rom meint, dass dies auf Kaiser Karl zutrifft. Ob man als Katholik dies ebenso sieht und den seligen Karl zum Objekt seiner persönlichen Verehrung macht, bleibt jedem Einzelnen überlassen. Eine Pflicht, sich einen bestimmten Heiligen oder Seligen zum Vorbild zu nehmen, gibt es nicht.

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