• 30.09.2004, 13:56:14
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IBW bestätigt Gehrers bildungspolitischen Kurs

Kein Akademikermangel in Österreich - undifferenzierte Betrachtungsweise der OECD-Daten führt zu falschen Schlussfolgerungen

Wien (OTS) - In seiner aktuellen Studie zu den OECD-Daten in
"Education at a Glance 2004" hat das IBW deutlich aufgezeigt, dass
die vorschnelle, undifferenzierte Betrachtungsweise der Daten zu
falschen Schlussfolgerungen führen kann, wie es beispielsweise beim
angeblich zu geringen Akademikeranteil in Österreich geschehen ist.
Es kann nicht sein, dass auf der einen Seite von den OECD-Daten auf
einen zu geringen Akademiker-Anteil geschlossen wird und nahezu
zeitgleich in den Medien aufgezeigt wird, dass sich die
Berufsmöglichkeiten der Akademiker in Österreich verschlechtern. Es
wäre eine wichtige Aufgabe der OECD, die entsprechenden Hintergründe
aufzuzeigen und die scheinbaren Widersprüche zu erklären, was derzeit
nicht geschieht. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat am 15.
September in einem Kommentar über den Leiter der OECD-Abteilung
"Indikatoren und Analysen", der "Education at a Glance" herausgibt,
geschrieben: "Auf eine wertungsfreie Analyse der vorhandenen Daten
mit Ursachenforschung lässt Schleicher die deutsche Bildungspolitik
vergeblich warten".

Das IBW kommt zum Schluss, dass in der vorschnell geführten
öffentlichen Diskussion nicht Gleiches mit Gleichem verglichen wurde
sondern nur aus dem Zusammenhang gerissene Teilaspekte diskutiert
wurden. "Wenn man sich die Zusammenhänge anschaut, dann erkennt man,
dass die österreichischen Diplomstudien aufgrund ihres
Qualifikationszieles vergleichsweise länger dauern als die kurzen
Studien. Das Bakkalaureat befindet sich erst in Einführung, eine
bildungsstatistische Vergleichsmessung Österreichs bezüglich der
Bakkalaureatsquote mit Ländern, die dieses seit jeher haben, grenzt
daher an Unseriosität. Länder mit einer hohen Akademikerquote haben
jedoch einen hohen Anteil an Kurzstudien, die auch für die
Anforderungen des mittleren Tätigkeitsfelds am Arbeitsmarkt
qualifizieren. In Österreich werden diese Anforderungen in der Regel
durch die Ausbildungsmöglichkeiten an den berufsbildenden höheren
Schulen bestens abgedeckt, einem erfolgreichen Schultyp, der in
anderen Staaten in dieser Form jedoch kaum vorhanden ist. Wenn jemand
nur den Hochschulabsolventenanteil sieht und diese Zusammenhänge
außer Acht lässt, muss er zwangsläufig zur falschen Schlussfolgerung
kommen, dass Österreich mehr Akademiker bräuchte", so Arthur
Schneeberger, Bildungsforscher am IBW.

Nicht zuletzt durch die Steigerung des jährlichen Neuangebots von
Hochschulabsolventen in den letzten Jahren um 60% von 10.600 im
Studienjahr 1990/91 auf 17.100 im Studienjahr 2001/02 ist in
Österreich die Nachfrage nach Akademikern für die oberen
Tätigkeitsfelder im großen und ganzen abgedeckt. Jetzt gehe es darum,
auch in Österreich das gute Ausbildungsangebot der berufsbildenden
höheren Schulen weiter auszubauen und durch Kurzstudien zu ergänzen.
Genau das setzt Bildungsministerin Elisabeth Gehrer derzeit um - die
Zahl der Ausbildungsplätze an den berufsbildenden höheren Schulen ist
seit 1995 um 30.000 ausgebaut worden. Auch die Zahl der
Bakkalaureatsstudien steigt kontinuierlich: an den Universitäten gab
es im WS 2003 157 Bakalaureatsstudien, heuer sind es 172, also um 15
mehr. An den Fachhochschulen beginnen heuer 30 neue
Bakkalaureatsstudiengänge, insgesamt werden damit 36 angeboten.

Die Behauptung, dass Österreich für Bildung zu wenig ausgibt, ist auf
Grundlage der verfügbaren Daten zurückzuweisen. Mit 5,8% des BIP
liegt Österreich im oberen Bereich des Ländervergleichs. Die
Einhebung von Studienbeiträgen ist im Übrigen in jenen Ländern seit
langem üblich, die über ein breites Angebot von kurzen und
aufbauenden Studien verfügen und hohe Teilnahmen im Tertiärbereich
aufweisen.

nnn
(Schluss)

OTS0209    2004-09-30/13:56

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BWK

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