"Kleine Zeitung" Kommentar: ""Exzellenz-Uni" würde auch die anderen mit nach oben ziehen" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 30.09.2004

Graz (OTS) - Das Wort elitär ist hierzulande ein Schimpfwort. Dementsprechend groß ist der Argwohn, wenn jemand etwas schaffen möchte, das den Besten und Begabtesten vorbehalten ist. So einer macht sich a priori verdächtig, wie das Beispiel des Experimentalphysikers Anton Zeilinger zeigt.

Der Renommier-Wissenschafter ist überzeugt, dass dem Land ein Leuchtturm fehlt wie die ETH Zürich oder das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Amerika. Zeilinger wirbt deshalb für die Gründung einer "Universitity of excellence", einer elitären Forschungsstätte mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung. Sie soll postgraduelle Ausbildung "auf Weltniveau" bieten.

Der Vorstoß verdient Beachtung. Österreich hat gute, solide Unis, aber kein Flaggschiff mit Weltruf. Der letzte Nobelpreis liegt Jahrzehnte zurück (Lorenz). Die Forschung ist ein Stiefkind, was nicht nur an der chronischen Unterdotierung liegt, sondern auch an der Mentalität der Österreicher: Sie sind tendenziell forschungs- und technikfeindlich. Sich zu rühmen, in Mathematik rückständig gewesen zu sein, gilt als schicke Koketterie. Wächst irgendwo ein Genmais-Pflänzchen, ist das Ende des Abendlandes nahe. In einem solchen Klima hat es der Ruf nach wissenschaftlicher Exklusivität naturgemäß schwer.

Hinzu kommen Verlustängste der Mitbewerber. Die Universitäten fürchten, Zeilingers Projekt könnte Gelder und Köpfe absorbieren und damit die Hochschulen in die Mittelmäßigkeit stürzen. Die Sorge ist kleinmütig. Ein Leuchtturm wirft nicht Schatten, er strahlt auf das, was ihn umgibt.

Freilich wäre es naive Hochstapelei zu glauben, mit einem Forschungstempel allein Harvard klonen zu können. Elite kann man nicht verfügen. Sie entwickelt sich im freien Wettbewerb. Ihn muss man zulassen und offensiv befeuern. Es gibt an den Unis Glanz-Nischen, die jetzt schon kleine "Zentren der Exzellenz" sind, sei es die Transplantationsmedizin in Innsbruck oder die Biochemie in Graz. Sie sollte man zu einem bundesweiten Elite-Netzwerk zusammenführen und großzügig fördern, damit sie ihre Stärken weiter ausbauen können.

Wenn irgendwann die Ideologie nicht mehr das Denken blockiert, wird man auch die Zugangsfrage neu stellen. Man wird dann den Unis wie in Skandinavien das Recht einräumen, ihre Studenten selbst auszuwählen. Um allen, die für ein Fach geeignet sind, die gleich guten Bedingungen zu garantieren, ohne Losfee. Unter den Besten muss Chancengleichheit herrschen, nicht unter der Population aller 18-Jährigen. ****

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