"Neues Volksblatt" Kommentar: "Nackte Zahl" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 30. Oktober 2004

Linz (OTS) - =

Demografie die Wissenschaft, die
Bevölkerungsentwicklungen, also Gegenwart und Zukunft einer Gesellschaft, in nackte Zahlen fasst mag trocken klingen. Tatsächlich muss jegliche Politik, die Demografie vernachlässigt, zur Scharlatanerie geraten. Ein Beispiel: Wer sich einmal bewusst geworden ist, dass Herr und Frau Österreicher seit 1970 im Schnitt um sechs Jahre kürzer arbeiten, aber drei Jahre längere Ausbildungszeiten und eine um zwölf Jahre höhere Lebenserwartung aufweisen, weiß, dass an Schnitten im Pensionssystem kein Weg vorbeiführt. Die Reformableitungen aus der Bevölkerungsentwicklung gehen freilich weit über die Alterssicherung hinaus: Mehr ältere Menschen bedeuten neue Herausforderungen im Gesundheits- und Pflegebereich, weniger Kinder in absehbarer Zeit weniger (zu wenig?) Arbeitskräfte und, zwangsläufig, ein schlankeres Schulsystem.
In der Kunst der Politik liegt es, zwischen den nackten Zahlen und Parametern wie sozialer, politischer oder gesellschaftlicher Verträglichkeit den passenden Reform-Mittelweg zu zimmern. Blankes Negieren demografischer Fakten endet aber jedenfalls in Populismus.

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