"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ordnung im eigenen Haus" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 26.9.2004

Graz (OTS) - Als am letzten Sonntag Herbert Sausgruber eine
haushohe absolute Mehrheit erzielte, wurden in der Steiermark, die im Wahlkalender das nächste Bundesland ist, Erinnerungen an gute alte Zeiten wach: Die steirische ÖVP hat meist dann ihre größten Siege gefeiert, wenn sie im Wahlkampf gegen die Politik in Wien mobilisieren konnte. Hat nicht der Vorarlberger Landeshauptmann gerade vorgezeigt, dass man damit heute noch Erfolg haben kann?

So einfach war die Sache nie und so einfach hat es sich auch Sausgruber nicht gemacht. Nur gegen die Bundesregierung zu schimpfen, reicht nicht. Das hat bei den Landtagswahlen im Herbst 2000 der damalige Obmann der steirischen SPÖ versucht. Peter Schachner-Blazizek wollte der unter den Pfiffen der Demonstranten angetretenen schwarz-blauen Koalition in Wien die "rote Karte" zeigen. Bestraft wurde nicht der Bundeskanzler, sondern der Landeshauptmannstellvertreter, der von den Wählern vom Spielfeld verwiesen wurde. Die als Außenseiterin ins Rennen gegangene Waltraud Klasnic feierte 2000 einen historischen Triumph.

Vier Jahre später steht die erste Landeshauptfrau Österreichs mit leeren Händen da. Der gewaltige Vorsprung von fünfzehn Prozent ist auf knappe drei bis vier Prozent geschrumpft. Die Herausforderung des neuen SPÖ-Obmannes Franz Voves, bereits jetzt zu wählen, hat die Titelverteidigerin nach anfänglichem Schwanken zurückgewiesen. Gewählt wird termingemäß im Herbst 2005. Klasnic muss sich für eine lange Abwehr- und Abnützungsschlacht rüsten.

Für diese Auseinandersetzung wird der steirischen ÖVP mehr einfallen müssen als taktische Winkelzüge wie die Verkleinerung der Landesregierung oder die Abschaffung des Proporzes. Diese Ladenhüter langweilen das Publikum und schwächen letztlich den, der diese Ankündigungen macht, weil er sie nicht durchsetzen kann. Der Populismus tritt in vielen Verkleidungen auf.

Entscheidend ist, ob man das eigene Haus in Ordnung hat. Die Estag-Affäre, die seit einem Jahr schwelt und noch immer nicht ausgestanden ist, vermittelte den Eindruck, dass es in der steirischen ÖVP drunter und drüber geht. Die früher so kraftvolle Landeshauptmann-Partei wirkte wie ein Vogel, dem die Flügel gestutzt wurden. Die verlorene Glaubwürdigkeit gewinnt man nur durch entschlossene Führung zurück.

Ohne diese feste Basis im Land werden auch die Seitenhiebe gegen "die in Wien" zu Fehlschlägen. Das haben auf unterschiedliche Weise die erfolgreichen Wahlkämpfer bewiesen - von Sausgruber über Burgstaller, Pröll und Häupl bis zu Haider.****

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