Innenministerium verlängert Kooperationsvertrag mit "Rat auf Draht"

Fünf Jahre Notrufnummer "147" für ORF-Telefonhilfe

Wien (OTS) - Vor fünf Jahren wurde die kostenlose Notrufnummer "147" für die ORF-Telefonhilfe "Rat auf Draht" eingerichtet, die seit insgesamt 17 Jahren für Kinder und Jugendliche mit großen und kleinen Sorgen in ganz Österreich eine wichtige Anlaufstelle ist. Das Innenministerium finanziert seit 1999 einen Beraterplatz. Gendarmerie und Polizei kooperieren jeden Tag eng mit "Rat auf Draht". Pünktlich zum Fünf-Jahres-Jubiläum der Hotline verlängerte das Innenministerium nun den Kooperationsvertrag um weitere zwei Jahre. Zur Feier des Jubiläums und der Vertragsverlängerung lud das Innenministerium heute, am 22. September 2004, zu einer Pressekonferenz mit Innenminister Dr. Ernst Strasser, Jörg Ruminak, ORF-Humanitarian Broadcasting, und dem Kinder- und Jugendpsychiater sowie langjährigen "Rat auf Draht"-Berater Univ.-Prof. Dr. Max Friedrich.

Gute Zusammenarbeit mit der Exekutive

Der Innenminister lobte die gute Zusammenarbeit mit den "Rat auf Draht"-Experten, die einen wesentlichen Beitrag zur Krisenprävention leiste. Aber auch in Fällen der Opferhilfe und Akuthilfe in Notfällen sei die Zusammenarbeit mit der Exekutive ein unverzichtbarer Bestandteil der Hilfe. Strasser: "Viele Fälle würden ohne den Notruf 147 verborgen bleiben. Kinder und Jugendliche scheuen sich manchmal davor, bei der Polizei anzurufen. Die Hemmschwelle, bei 'Rat auf Draht' anzurufen, ist meist geringer." Und weiter: "Die Schwierigkeiten, die Kinder und Jugendliche beschäftigen, sind sehr vielfältig. Anrufe von Ausreißern, die nicht mehr wissen, was sie tun oder wohin sie gehen sollen, beschäftigen den Notruf 147 ebenso wie Jugendliche, die so verzweifelt sind, dass sie sich das Leben nehmen wollen. Das Team von 'Rat auf Draht' versucht die Anrufer zu beruhigen, ihnen zu helfen und gemeinsam mit der Exekutive eine Lösung zu finden."

Fünf Millionen Anrufversuche in fünf Jahren

Folgende Zahlen belegen die Notwendigkeit eines solchen Notrufs für Kinder und Jugendliche, den es übrigens weltweit bereits in mehr als 50 Ländern gibt: Seit 1999 registrierte das ORF-Callcenter fünf Millionen Anrufversuche, die zu rund 1,5 Millionen Kontakten mit dem "Rat auf Draht"-Team führten. Das 15-köpfige Team leistete in den vergangenen fünf Jahren an die 55.000 Beratungsstunden (rund 700 Gespräche pro Tag). In den mehr als 900.000 Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen ging es um "Lebensberatung" bei Liebeskummer oder Präventivgespräche - zum Beispiel in Sachen Sexualaufklärung. Immer wieder suchten die Anrufenden auch Rat bei schwierige Themen wie:
Gewalt in der Familie (6.000 Mal) und sexueller Missbrauch (3.500 Mal). 1.200 Mal wendeten sich junge Menschen mit Suizidgedanken an das professionelle Beraterteam. Mehr als 100 Mal im Jahr werden Ausreißer davon überzeugt, dass von zu Hause weglaufen nicht die Lösung ihrer Probleme ist.

Unsicherheit macht Angst

Jörg Ruminak, Leiter der ORF-Stabsstelle Humanitarian Broadcasting, die auch die Verantwortung für "Rat auf Draht" trägt: "Durch die Auswirkungen unserer Konsumgesellschaft und die Veränderung der familiären Strukturen bleibt oft nicht genügend Zeit für ein Gespräch. Die Ängste der Kinder werden nicht erkannt oder die Probleme als 'Kinderkram' abgewertet und nicht respektiert. Übrig bleiben Missverständnisse, ungelöste Konflikte und viele unbeantwortete Fragen. Unsicherheit macht Angst! - Dies können mögliche Erklärungen dafür sein, Anrufe bei niederschwelligen telefonischen Beratungseinrichtungen boomen wie nie zuvor."
Ruminak unterstrich weiters, dass der ORF sich im Sinne seiner sozialen Verantwortung als öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt bereits vor 17 Jahren zur Betreibung einer solche Serviceeinrichtung entschlossen hat, die sich auch als Drehscheibe und Schaltstelle zu den etablierten Fachberatungsstellen und Institutionen versteht.

Kinder- und Jugendpsychiater Univ.-Prof. Dr. Max Friedrich ist seit Jahren fachlicher Berater des "Rat auf Draht"-Expertenteams, das sich aus Psychologen, Psychotherapeuten, Pädagogen, Lebens- und Sozialarbeitern sowie Juristen zusammensetzt. Auch Friedrich betonte die Unverzichtbarkeit einer solchen Beratungseinrichtung, die durch die Niederschwelligkeit des Mediums Telefon eine ganz wichtige Anlaufstelle für die meist jugendlichen Anruferinnen und Anrufer sei, und spendet dem "Rat auf Draht"-Team Lob: "Es wird altersgerecht mit den Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Die Beratungen sind problemorientiert und hoch kompetent. Eines der heikelsten Dinge, die es aus psychotherapeutischer Sicht gibt, ist beraten - im Gegensatz zur Therapie. Denn dort haben sie Zeit. Die Beratung hingegen muss rasch und kompetent gehen. Der Rat Suchende schwankt meist zwischen zwei Möglichkeiten A der B. Hier ist das Ziel des Beraters die Kompetenzerhöhung. Hilfe zur Selbsthilfe geben, das ist auch ein ganz wesentlicher Bestandteil der 'Rat auf Draht'-Philosophie."

Verlässliche Partner

Die ORF-Telefonhilfe für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen wird seit Jahren von verlässlichen Partnern unterstützt: dem Innenministerium, dem Sozialministerium und TELEKOM AUSTRIA. Seit zwei Jahren fördern auch die Jugend- und Sozialressorts aller Bundesländer diese europaweit beispielhafte Einrichtung. Als jüngster Partner unterstützt INFOSCRREN "Rat auf Draht", um die junge Zielgruppe auch dort abzuholen, wo sie sich aufhält - zum Beispiel auf dem Schulweg oder in U-Bahn-Stationen.

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