"Unbequeme Österreicher" in der Sonntagnacht in ORF 2

Nitsch, Brus, Haneke und Co.: Kontroverse Österreicher in vielschichtigen Dokus

Wien (OTS) - Sie sind Stars der österreichischen Kunst- und Kulturszene, genießen großes internationales Renommee und pendeln hier zu Lande in ihrer öffentlichen Wahrnehmung zwischen Beschimpfung als Nestbeschmutzer, ausgiebigem Schulterklopferlob und zahlreichen Ehrungen: österreichische Künstler, die Althergebrachtes in Frage stellten und neue, teils schmerzhafte, Wege gehen. Namhafte Vertreter der Zunft der "Unbequemen Österreicher", Hermann Nitsch etwa oder Michael Haneke, Cornelius Kolig, Günter Brus und Wolf Haas stehen im Mittelpunkt eines thematischen Schwerpunkts im Rahmen der erfolgreichen, sonntäglichen ORF-Doku-Reihe (23.00 Uhr, ORF 2), die seit Anfang 2004 unter dem Motto steht "Ein Thema - ein Abend -Aufsehen erregende Dokumentationen". ORF-Kulturchefin Dr. Margit Czöppan: "Mit den sonntäglichen Sendeleiste verfolgen wir das Ziel, Programm zu zeigen, das attraktiv ist und auch unkonventionell sein kann. Die 'Unbequemen Österreicher' sind ein weiterer Schritt in diese Richtung: Vielschichtige Filme über kreative Genies unseres Landes, mutige Dokus über kontroverse österreichische Künstler."

Am Anfang: Nitsch und Zein

Am Beginn geht die Filmemacherin Anita Natmeßnig der Frage nach: Wer ist Hermann Nitsch? - in der Doku "Sinnlich intensiv - Hermann Nitsch" (26. September, 23.05 Uhr, ORF 2), die den Auftakt bildet zum rot-weiß-roten Doku-Herbst - und einen Menschen porträtiert, bei dem viele unweigerlich an Rot denken und auch rot sehen. Bis heute polarisiert der 65-Jährige die Öffentlichkeit wie kein zweiter österreichischer Künstler. Die Assoziationen reichen von Schüttbildern und Pornografie über Tierschlachtungen und Blasphemie -die große Gegnerschaft findet sich in vielen Lagern. Kunstgeschichte - österreichische und internationale - wird tagtäglich auch in einer Radierwerkstatt in der Wiener Vorstadt geschrieben. Dort arbeitet Kurt Zein für und mit der Kunst. Kein Material ist ihm fremd und keine Technik zu schwer. Er ist ein Meister des Hand-Werks, der Arbeit mit der Hand, und ein Künstler zugleich. Denn die Grenzen zwischen künstlerischer Kreativität, meisterhaftem Handwerk und industriellem Erfindergeist sind fließend. Anita Natmeßnig hat auch ihn (gemeinsam mit Peter Kasperak und Adam Wallisch) porträtiert - zu sehen in "Alles ist druckbar - Kurt Zein" am 26. September um 0.00 Uhr in ORF 2.

Haneke-Abend

Am 21. November steht der derzeit künstlerisch wahrscheinlich erfolgreichste Filmregisseur Österreichs auf dem Programm: Michael Haneke, der vielfach preisgekrönte Filmemacher, Dauergast bei internationalen Filmfestspielen, politisch engagierter, unbequemer Künstler, ein "Schwieriger". Aber: Wer ist Michael Haneke wirklich? Wie denkt, wie arbeitet er? Zwei österreichische Filmstudentinnen porträtieren den Regiestar in Form einer Langzeitbeobachtung und geben auf diese Weise Einblick in die Innenwelt eines Mannes, dessen Filme das Innenleben ihrer Protagonisten schonungslos präsentieren. Die Dokumentation "24 Wirklichkeiten in einer Sekunde" von Eva Testor und Nina Kusturica zeigt ORF 2 am 21. November um 23.00 Uhr. Im Anschluss, um 23.55 Uhr, steht der Haneke-Klassiker "Der siebente Kontinent" auf dem Programm: Der Film verfolgt das Leben von Georg, seiner Frau Anna und deren Tochter Eva über den Zeitraum von drei Jahren. Es ist die Geschichte eines beruflichen Aufstiegs, eine Geschichte vom Preis der Anpassung, von der geistigen Atemnot und einer gelebten Konsequenz. 'Der siebente Kontinent' gilt als der künstlerisch erfolgreichste österreichische Film der vergangenen Jahre. Ausgehend von den internationalen Filmfestspielen in Cannes wurde er bisher zu 30 Festivals weltweit eingeladen und mit vielen Preisen ausgezeichnet. Apropos Haneke: Sein jüngstes, vom ORF mitfinanziertes Projekt "Caché" (mit Juliette Binoche und Daniel Auteuil) wurde kürzlich abgedreht und kommt 2005 in die Kinos.

Weitere "Unbequeme": Brus, Kolig und Haas

Der 5. Dezember widmet sich wieder zwei Künstlern: den Aktionisten Günter Brus ("Ich bin so verletzlich" von Anita Natmeßnig, Peter Kasperak und Adam Wallisch, 23.00 Uhr) und dem bildenden Künstler Cornelius Kolig ("Eros und Tabu" von Renata Schmidtkunz, 23.45 Uhr) -an einem Dokuabend zum Thema "Leben für die Kunst": "Ich wollte mit den innersten Mitteln das Äußerste", sagt Günter Brus in "Ich bin so verletzlich". Dieser Film zeigt die ganze Spannweite des Künstlers, sie reicht von den poetisch-romantischen Märchenbüchern bis zu seinen provokant-aggressiven Aktionsskizzen, von altem Filmmaterial bis hin zu den aktuellen Ausstellungen in Wien, Berlin und Paris. Vor allem aber wird der Mensch Günter Brus in vielen Facetten gezeigt, von seiner hellen wortwitzig-humorvollen, starken Seite bis hin zu seiner dunklen selbstkritisch-depressiven, zerbrechlichen.

"Eros und Tabu": September 2003 ereilte ihn die größte Katastrophe seines Lebens: ein Hochwasser im Oberkärntner Gailtal vernichtete 3.000 Zeichnungen und zerstörte - wie er selbst sagte - sein Lebenswerk. Cornelius Kolig, Enkelsohn des Malers Anton Kolig, ist einer der renommiertesten Kärntner Künstler. Seine Themen beziehen sich auf die Totalität des menschlichen Lebens - von Alltagshandlungen bis zu Grenzerfahrungen mit Erotik und Gewalt.

Eines seiner größten Projekte ist das "Paradies", das Kolig seit 1980 im Gailtaler Vorderberg entwickelt. Mittelpunkt ist ein Gebäudekomplex, in dem er arbeitet und seine Werke lagert. Seine Neugestaltung des nach seinem Großvater benannten "Kolig-Saales" im Kärntner Landhaus führte 1998/99 zu heftigen politischen Debatten. Renata Schmidtkunz nähert sich in diesem Porträt dem Künstler, für den Sinnlichkeit und unmittelbare Erfahrbarkeit im Zentrum seines Schaffens steht.

Ebenfalls noch im Dezember wird Krimiautor Wolf Haas von Wolfgang Beyer im einem fiktiven Nachruf satirisch "gewürdigt": "Jetzt ist schon wieder was passiert" basiert auf einer Idee von Haas selbst und mischt dokumentarische mit inszenierten Szenen.

Österreichisch wird's in der Sonntagnacht auch am 3. Oktober: Unter dem Motto "Crime made in Austria" zeigt ORF 2 um 23.05 Uhr die von Frederic Baker gestaltete Doku "Im Schatten des dritten Mannes". Der Grund: Graham Greene, der Autor des Meisterwerks "Der dritte Mann", wurde vor 100 Jahren, am 2. Oktober 1904, geboren. Zeitzeugen, noch lebende Stars und Filmhistoriker erzählen in dieser Dokumentation, warum für Menschen in aller Welt, aber auch für viele Wiener "Der dritte Mann" das Bild dieser Stadt so sehr geprägt hat. Im Anschluss steht dann Carols Reeds Meisterwerk auf dem Programm (0.05 Uhr).

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