• 20.09.2004, 17:49:31
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"Die Presse" Kommentar: "Auf der Flucht" (von Thomas Vieregge)

Ausgabe vom 21.9.2004

Wien (OTS) - Vor 15 Jahren flohen die Ostdeutschen in Scharen vor
einem verrotteten Regime - bis endlich die Mauer fiel. Nun laufen sie
vor den etablierten Parteien davon - in die Hände extremistischer
Heilsbringer, "Ostalgiker" und brauner Rattenfänger, die wiederum nur
ewiggestrigen Konzepten hinterherlaufen und mit
populistisch-degoutanten Parolen auf Wählerfang gehen.
Der Boden, aus dem braune und rote Ungeheuer hervorkrochen, ist
fruchtbar noch - unter anderem auch dort, wo der Volkszorn gegen die
DDR-Gerontokraten damals ihren Ausgang nahm: in Leipzig und Dresden.
Weit mehr als ein Drittel blieb den Urnen überhaupt ganz fern: Eine
Demokratie in der Krise.
Und wie reagieren die beiden Volksparteien auf das massive
Misstrauensvotum? Die CDU geht stillschweigend über die Schlappe in
Sachsen und Brandenburg hinweg, und die SPD beschwört ihre
Wiederauferstehung aus den Trümmern. Realitätsflucht allerorten.
Und so war es geradezu symptomatisch, dass die Spitzenkandidaten der
übrigen Parteien in Sachsen Reißaus nahmen, als der Neonazi-Zampano
Holger Apfel vor laufender Kamera über das Deutschtum bramarbasierte.
Folge davon war genau der Tumult, den der rechte Recke zu provozieren
suchte. Nicht Ausflüchte sind eine geeignete Antwort auf solche
Provokationen, sondern Argumente und couragiertes Entgegenstemmen,
wie es SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck in Brandenburg
exerziert hat. Es hat sich gelohnt für ihn. Gelernt ist gelernt: Als
einstiger Bürgerrechtler ist er ein Mann der ersten Stunde.

OTS0230    2004-09-20/17:49

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