Superintendent Weiland: Scharfe Kritik an Stadler

"Demagogische Halbwahrheiten" und "ideologische Stimmungsmache" sind für den niederösterreichischen Superintendenten die Aussagen des Volksanwalts in "Offen gesagt"

Wien (epd Ö) - Als demagogische Halbwahrheiten bezeichnete der niederösterreichische Superintendent Paul Weiland die Aussagen von Volksanwalt Ewald Stadler in der Fernseh-Sendung "Offen gesagt" am 19. September. Leider sei, so Weiland, Stadlers Meinung nicht offen, sondern ideologisch eingefärbte Stimmungsmache gewesen. Es sei bedauerlich, dass ein so genannter Volksvertreter die Möglichkeit hat, solche Unwahrheiten so gut wie unwidersprochen öffentlich zu machen. Stadler diffamiere damit eine Kirche, der er weder in ihrer Geschichte noch in ihrer Gegenwart gerecht werde. "Das ist zwar offensichtlich kein Anspruch des Herrn Ewald Stadler, umso erstaunlicher ist allerdings, dass Menschen wie er in Österreich solche Positionen einnehmen können", sagte Weiland wörtlich.

Keine Nachwuchsprobleme in Evangelischer Kirche

Jedenfalls müsse auch Stadler zur Kenntnis nehmen, dass es in der Evangelischen Kirche Nachwuchsprobleme in den geistlichen Ämtern nicht gibt wie in der römisch-katholischen Kirche. Dass in der Evangelischen Kirche im Fall von Problemen andere Mechanismen greifen, die sich im Übrigen an den biblischen Modellen orientieren, und nicht an Entscheidungen im Verlauf späterer Jahrhunderte in der Kirchengeschichte, habe Stadler bei einem von ihm zitierten Fall mit dem Hinweis auf den sofortigen Rücktritt selbst gesagt. Was die Zahl der Evangelischen in Österreich betrifft, sollte Stadler bedenken, dass sich die Evangelische Kirche nach der gewaltsamen Gegenreformation in Österreich mit Verfolgung und Vertreibung von wenigen Tausenden am Ende des 18. Jahrhunderts auf über 350.000 Mitglieder heute kontinuierlich aufwärts entwickelt hat. Wie die Geschichte auch anders verlaufen kann, könnte der Volksanwalt in den skandinavischen Ländern studieren. Die deutschen evangelischen Kirchen liegen nicht danieder, sondern sind eine geistliche Heimat für rund 35 Prozent der Deutschen, damit etwa gleich groß wie die römisch-katholische Kirche und eine gesellschaftlich sehr relevante Gemeinschaft. Und noch eine Richtigstellung: Nach der Völkszählung 2001 bekennen sich zur Evangelische Kirche in Österreich 376.150 Menschen, zur islamischen Glaubensgemeinschaft 338.988 Menschen.

Kritik an Diskussionsstil

Seitens der Evangelischen Kirche werde, so Weiland, das Niveau dieser Diskussion bedauert. Die Kirchen stünden gemeinsam vor anderen Herausforderungen als im gegenseitigen Heruntermachen, wenn die wirklichen Argumente fehlten. Die Kirchen selbst haben mit dem ökumenischen Sozialwort oder mit ihrem gemeinsamen Beitrag im Konvent Österreich oder auch im Verhalten der Evangelischen Kirche angesichts der Probleme innerhalb der römisch-katholischen Kirche gezeigt, dass sie anders miteinander umgehen.

Unverständlich sei aber auch das Verhalten der Verantwortlichen von "Offen gesagt". Zwei Mal sei es nun innerhalb kurzer Zeit geschehen, dass die Evangelische Kirche von Teilnehmern der Diskussionen unangemessen negativ zitiert wurde. In keinem Fall sei das von anderen Teilnehmern oder vom Diskussionsleiter unterbunden oder richtig gestellt worden. Bedauerlich sei, dass kein Vertreter der Evangelischen Kirche eingeladen wurde, der nicht nur Falschaussagen richtig stellen hätte können, sondern auch einen konstruktiven Beitrag zum Thema aufgrund der evangelischen Erfahrungen hätte leisten können.

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