Einkommensverteilung immer ungerechter - AK fordert höhere Löhne und Gehälter zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung

Linz (OTS) - "Die Einkommensverteilung in Österreich wird immer ungerechter. Während die Unternehmensgewinne und die Vermögen der Reichen wachsen, hat ein durchschnittlicher österreichischer Arbeitnehmer netto real weniger in der Tasche als 1995", stellte AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer heute auf einer Pressekonferenz in Linz fest. Deutlich höhere Löhne und Gehälter wären nicht nur gerecht, sondern würden auch zusätzliche Kaufkraft und Umsätze schaffen, so der AK-Präsident.

Das größte Problem der Konjunktur bleibt die Schwäche des privaten Konsums, lautet die Diagnose des WIFO (Wirtschaftsforschungsinstitut), das für heuer ein reales Wirtschaftswachstum in Österreich von dürftigen 1,7 Prozent prognostiziert. "Geringe Lohnzuwächse und die zunehmende Verunsicherung der Menschen infolge der Pensionsdebatte hemmen den privaten Konsum und trüben daher die Absatzaussichten der Unternehmen", warnt der AK-Präsident vor einer Fortführung des bisherigen Kurses. Nur eine kräftige Steigerung der Arbeitnehmereinkommen führt zu mehr Investitionen und Beschäftigung sowie zu einem höheren Wirtschaftswachstum.

Der Anteil der Löhne und Gehälter am erwirtschafteten Volkseinkommen schrumpft seit Jahrzehnten, von 79,3 Prozent auf inzwischen 70 Prozent, während die Gewinne und Besitzeinkommen rasant steigen. Der Hauptgrund: Die Erhöhung der -inflationsbereinigten -Realeinkommen der Arbeitnehmer bleibt seit Jahren hinter der Steigerung der Produktivität zurück.

"Wird Jahr für Jahr ein ständig größer werdender Kuchen gebacken, haben sich auch die Arbeitnehmer ein größeres Stück verdient. Ansonsten werden die jährlich steigenden Produktionsergebnisse der Erwerbstätigen zur Gänze den Unternehmen als Gewinn geschenkt", argumentiert Kalliauer. Mit gerechten Erhöhungen der inflationsbereinigten Arbeitnehmereinkommen zumindest im Ausmaß des gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritts könnte auch endlich der rapide Fall der Lohnquote gestoppt werden.

Der AK-Präsident prangerte außerdem die immer größer werdende Schere zwischen Niedrig- und Hochverdienenden an. Während sich das unterste Einkommensfünftel (mehr als 730.000 Menschen) 2,1 Milliarden Euro im Jahr 2002 teilen musste, kam das oberste Prozent (36.700 Menschen) mit 5,5 Milliarden Euro auf mehr als das Doppelte. Der Brutto-Einkommenszuwachs der Höchstverdienenden war von 1997 bis 2002 mit knapp 19 Pro-zent fast fünfmal so hoch wie jener der Niedrigstverdienenden mit 4,2 Prozent. Und dass Fraueneinkommen -auch bei durchgängiger Vollzeitbeschäftigung - nur zwei Drittel der Männereinkommen ausmachen, sei ein unhaltbarer Zustand, so Kalliauer.

Unhaltbar ist auch die immer wieder aufgestellte Behauptung, Österreichs Wirtschaft sei wegen zu hoher Löhne nicht wettbewerbsfähig. Tatsächlich sinken die international relevanten Lohnkosten pro erzeugter Ware (Lohnstückkosten)seit Jahren, in unserer Sachgüterindustrie seit 1995 sogar um 15 Prozent. Und aufgrund der starken Auslandsnachfrage entwickeln sich unsere Exporte prächtig (plus 11 Prozent im 1. Halbjahr 2004 im Vergleich zum Vorjahr). Ursache für die Konjunkturflaute ist daher nicht die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, sondern die fehlende Konsumnachfrage.

Rückfragen & Kontakt:

Kommunikation
Tel.: (0732) 6906-2188
robert.eiter@ak-ooe.at
http://www.arbeiterkammer.com

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKO0001