Restless Legs Syndrom: Wandertag und Vorlesung gegen eine "unbekannte Volkskrankheit"

Wien (OTS) - Im Zuge des Geburtstages des "Vaters" des "Restless Legs Syndroms" (RLS) Karl-Axel Ekbom möchten RLS-Selbsthilfegruppen weltweit auf die Leiden der Betroffenen und die inzwischen hervorragenden therapeutischen Möglichkeiten aufmerksam machen. Darüber hinaus wird im Zuge der ersten Schlaf-Vorlesung das Thema RLS erstmals Vorlesungsgegenstand an der Medizinischen Universität Wien.

Unbekannte Volkskrankheit

Allein in Österreich leiden rund 900.000 Menschen am Restless Legs Syndrom (RLS) - mehr als an Diabetes mellitus! Der Wiener Neurologe Prim. Dr. Dieter Volc: "Durchschnittlich sind 7% der männlichen und 13% der weiblichen europäisch-stämmigen Bevölkerung von diesem Syndrom betroffen. Über dem 65. Lebensjahr scheint jeder Vierte daran zu leiden."

Obwohl RLS bereits 1685 zum ersten Mal (durch Thomas Wills) beschrieben wurde, hat es erst seit 1945 durch den schwedischen Arzt Dr. Karl-Axel Ekbom eine intensive wissenschaftliche Aufarbeitung erfahren. Dennoch ist dieses Syndrom selbst in der Ärzteschaft noch nicht vollständig bekannt. RLS ist also nach wie vor ein weitgehend unbeachtetes Krankheitsbild.

"Das Schlimme daran", so Waltraud Moldaschl, Präsidentin des Dachverbandes der Österreichischen RLS-Selbsthilfegruppen: "Man wird als Hypochonder abgestempelt. Selbst im Familien-, Freundes- und Verwandtenkreis findet man kaum Verständnis. Viele Betroffene werden dadurch in die soziale Isolation gedrängt."

Quälende "Zappel-Beine"

Das Hauptcharakteristikum ist ein unbändiger Bewegungsdrang, kombiniert mit Gefühlsstörungen in den betroffenen Extremitäten. Nur durch aktive Bewegung kommt es zu einer Besserung der unangenehmen Empfindungen.

Da dieses Phänomen ausschließlich während der Ruhephasen auftritt, also vor allem abends im Bett, entwickeln sich aus dem RLS oft manifeste Schlafstörungen, und in der Folge können schwere Depressionen hinzukommen. Dr. Volc: "RSL ist keineswegs nur eine harmlose Missempfindung! Durch das zermürbende Leiden werden Betroffene mitunter sogar in den Suizid getrieben."

RLS raubt den Schlaf

Der Wiener Schlafforscher und Psychiater Univ.-Prof. Dr. Bernd Saletu und sein Team führten verschiedene Untersuchungen mit RLS-Patienten durch. Univ.-Prof. Saletu: "RLS-Patienten zeigen im Vergleich zu normalen Kontrollen in der Polysomnographie eine reduzierte Gesamtschlafzeit und Schlafeffizienz, eine erhöhte Wachzeit und Aufwachanzahl, vermehrte Dämmerschlafstadien S1 und reduzierte mitteltiefe - als angenehm empfundene - Schlafstadien S2 sowie einen vermehrten Wechsel zwischen den verschiedenen Schlafstadien." In der Folge vermindern Tagesmüdigkeit, reduzierte Feinmotorik und verschlechterte Reaktionszeiten sowie ein erhöhter Depressions- und Angstscore die Lebensqualität der Betroffenen.

Medikamente gegen RLS

Prim. Volc: "Eine Heilung des RLS ist bislang nicht möglich, weil man die letztendliche Ursache dieser Störung noch nicht kennt. Jedoch kann nun durch die richtige Behandlung Beschwerdefreiheit erzielt werden. Dabei kommen Parkinson-Medikamente zum - äußerst erfolgreichen - Einsatz. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome bei der richtigen Therapie bereits nach einer Woche. Studien im Schlaflabor beschreiben sogar Fälle, bei denen bereits in der ersten Nacht eine Verminderung der nächtlichen Beinbewegungen um 75% erzielt werden konnte!"

Seit 1. April 2004 steht in Österreich die weltweit erste Spezialität mit der Indikation RLS kassenfrei zur Verfügung. Restex(R) ist eine Kombination von Levodopa und Benserazid. Die quälenden Symptome werden umgehend beseitigt, und es zeigt sich eine bessere Verträglichkeit als bei diversen anderen bei RLS zum Einsatz kommenden Medikamenten.

Erste "RLS-Vorlesung" an der Medizinischen Fakultät

Ein wichtiger Schritt, um aus der unbekannten eine bekannte Krankheit zu machen, ist die neue "Schlaf-Vorlesung". Im Zuge des neuen Curriculum der Medizinischen Universität Wien wird es erstmals eine verpflichtende 1-stündige Vorlesung zum Thema Schlaf geben. Prof. Saletu: "Im Rahmen dieser Vorlesung werde ich den Studenten auch das Restless Legs Syndrom näher bringen." Somit ist der Grundstein dafür gelegt, dass eine zukünftige Ärztegeneration "ruhelosen Beinen" nicht mehr ratlos gegenüber steht.

Ekboms Geburtstag - Der Wandertag der ruhelosen Beine

Im März 2004 beschlossen die RLS-Selbsthilfegruppen beim Internationalen RLS-Meeting in Rom, den Geburtstag des "Vaters" des RLS, Karl-Axel Ekbom, nun jedes Jahr auch medial zu begehen. Verschiedene Aktionen sollen das Interesse von Öffentlichkeit und Presse auf das RLS lenken. Diese Informationsarbeit soll den RLS-Patienten auf der ganzen Welt helfen, ernst genommen zu werden, zur richtigen Diagnose und letztendlich zur richtigen Therapie zu gelangen.

Die Selbsthilfegruppe Wien/Burgenland feiert Ekboms Geburtstag am Mittwoch, dem 22. September, mit einem "Restless Legs Wandertag". Jeder, der sich über RLS informieren will, mit Betroffen sprechen möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Treffpunkt: 14.00 Uhr, Eingang Therme Oberlaa. Wanderung durch den Kurpark zur Panorama-Schenke (ca. 1 Stunde). Anschließend gemütliches Beisammensein, Erfahrungsaustausch, Experteninformationen bis ca. 18.00 Uhr Selbsthilfegruppe Niederösterreich: Donnerstag, 23. September 2004, 18.00 Uhr, Vortragsraum KH St. Pölten - RLS-Vortrag von OA Dr. Erich Rohringer.

Weitere Informationen: http://www.restless-legs.at.

Diesen und weiterführende Texte sowie Fotos unter:
http://www.roche.at - Presse - Presse Österreich - Presseaussendung Ekbom 04

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Barbara Urban
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