Spanien: Nicht nur für Urlauber, sondern auch für Unternehmen ein Magnet

Österreichische Exporteure entdecken mit Hilfe der AWO den spanischen Markt mit 40 Millionen Konsumenten und der Möglichkeit von hier nach Lateinamerika zu expandieren

Wien (PWK632) - Spaniens Wirtschaft wuchs im letzten Jahrzehnt deutlich stärker als der EU-Durchschnitt. Trotz Ölpreissteigerung und einer schwachen Tourismussaison wird auch heuer dank kräftiger Konsumnachfrage und steigender Investitionsneigung mit einem soliden BIP-Plus nahe drei Prozent gerechnet. "Diese positive Entwicklung der spanischen Wirtschaft birgt auch enorme Chancen für österreichische exportorientierte Unternehmen, die die Möglichkeiten des spanischen Marktes bisher sicherlich noch zu wenig genutzt haben", sagt Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ.

Spanien ist mit zwei Milliarden Euro das neuntwichtigste Abnehmerland für österreichische Exportprodukte. Das Marktpotenzial ist aber bei weitem nicht ausgeschöpft. "Erfreulich ist, dass sich im Warenexport die Lieferpalette zunehmend verbreitert. Unsere Spanien-Lieferungen haben sich seit 1996 mehr als verdoppelt. Das ist die vierthöchste Steigerungsrate in die EU-15 und liegt weit über der durchschnittlichen Steigerungsrate der Gesamtexporte", berichtet Friedrich Steinecker, österreichischer Handelsdelegierter in Madrid.

Der traditionell hohe Anteil des automotiven Sektors an den österreichischen Spanien-Exporten ist von 35% auf 28% gefallen. Das wirkte sich im vergangenen Jahr auch auf die Gesamtexporte nach Spanien aus, die gegenüber 2002 um 4,9% zurückgingen, während die Bezüge aus Spanien um 17,7% zulegten. Die geringeren Gesamtlieferungen Österreichs und die höheren Bezüge aus Spanien sind im wesentlichen durch konzerninterne Faktoren (v.a. Modellumstellungen) im Bereich Kfz und Zulieferungen bedingt. Die spanischen Pkw-Lieferungen nach Österreich legten um 80% zu, während die österreichischen Lieferungen von Pkw und Kfz-Teilen um 20% und von Motoren um 30% zurückgingen. Ohne den Bereich Automobilindustrie stiegen die österreichischen Lieferungen nach Spanien 2003 um mehr als 3%. Gute Zuwachsraten konnten u.a. bei Nahrungsmitteln, insbesondere Käse und Yoghurt, Papier und Holz sowie Baumaterialien, Eisen, Stahl und Textilien erzielt werden. Zunehmend wird auch der Dienstleistungssektor interessant. Steinecker: "Als erste kamen ab Mitte der 90er Jahre die Transportfirmen und Speditionen, dann IT-und Telekomdienstleister und heute ist der Markt soweit offen, dass auch Bau- und Montageleistungen in bestimmten Marktsegmenten möglich sind, etwa im Tunnelbau."

Nach dem leichten Rückgang der rot-weiß-roten Ausfuhren im vergangenen Jahr, geht es heuer wieder rasant aufwärts. Die gute Binnennachfrage, sowohl der private Konsum als auch die wieder steigende Investitionsneigung wirken sich auf die österreichischen Exporte positiv aus, zumal sich auch das Kfz- und Kfz-Zuliefergeschäft wieder gut entwickelt. Alleine im ersten Halbjahr 2004 steigerten sich die Exporte gegenüber der Vorjahresperiode um 7,8% auf ein Volumen von 1,1 Mrd Euro. "Bei entsprechendem Einsatz gibt es kaum einen Sektor, wo man in Spanien nicht reüssieren kann", macht Steinecker österreichischen Unternehmen Mut, den Blick nicht nur nach Osteuropa zu richten. "Der Markt ist offen und aufnahmefähig. 40 Millionen Konsumenten mit stark gestiegenem Wohlstandsniveau und die Brückenkopffunktion nach Lateinamerika und Nordafrika bieten eindeutig Chancen."

Die besten Möglichkeiten finden Unternehmen im Infrastruktur- und Umweltbereich, wo Spanien nach wie vor einen großen Nachholbedarf hat. Steinecker: "In Wasser/Abwasser, Abfallentsorgung, erneuerbare Energien, Stassen-, Eisenbahn- und Flughäfenausbau werden bis Ende des Jahrzehnts noch weit über 100 Mrd Euro fließen, von denen sich auch österreichische Firmen ihren Anteil holen sollten." Dabei geht es aber nicht mehr nur um Warenzulieferungen, sondern auch um Dienstleistungen in den entsprechenden Sektoren, die als Folge des Binnenmarkts und des zwischenzeitlichen Mangels an eigenem Personal zunehmend interessant werden.

Neben den Exporterfolgen konnten heuer auch zwei österreichische Unternehmen bei Investitionen in Spanien punkten: ATB kaufte die Energie- und Umwelttechnikfirma Babcock Wilcox España im Baskenland und Mayr Melnhof Packaging übernahm ein Verpackungswerk in Valencia. Insgesamt gibt es derzeit rund 100 nennenswerte österreichische Niederlassungen in Spanien. Da keine Meldepflicht besteht, liegt die tatsächliche Zahl aber sicher höher.

Um die österreichischen Exporte nach Spanien weiter anzukurbeln, setzt die Außenhandelsstelle Madrid Veranstaltungsschwerpunkte in den Bereichen Wasser, Bau, Abfall, erneuerbare Energien und Holz. Austrounternehmen werden diesbezüglich Fachseminare in Österreich, Produktpräsentationen auf Messen und speziell im Lebensmittelbereich in Kaufhausketten, Wirtschaftsmissionen und Marktsondierungsreisen angeboten. (BS)

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