"Die Presse" Glosse: "Kein ungetrübter VP-Freudentag" (von Karl Ettinger)

Ausgabe vomn 20.9.2004

Wien (OTS) - In Vorarlberg hat alles wieder seine Ordnung. Die ÖVP mit Landeschef Sausgruber hat ihre absolute Vormachtposition im Land zurückerobert. Auch für Schüssel und die Bundes-VP ist es endlich wieder ein erfreulicher Wahltag nach den Schlappen in Salzburg und Kärnten und dem Scheitern von Ferrero-Waldner beim Sprung in die Hofburg.
Alles in Butter also für die ÖVP? Keineswegs. Denn erstens hat Sausgruber seinen Erfolg mit aufreizender Abgrenzung zu Bundespartei eingefahren. Das Beispiel wird 2005 bei der Steiermark-Wahl Schule machen. Mit dem absolutem Votum im Rücken wird sich Vorarlbergs Landeshauptmann zudem in der Abwehrhaltung gegen Verwaltungsreformpläne des Bundes bestätigt sehen.
Zweitens wird die Halbierung der Freiheitlichen im Ländle wieder einmal das blaue Regierungsteam in Wien in die gewohnte Nachwahlpanik stürzen. Das macht die FPÖ unberechenbar und das ohnehin schwierige Regieren in Wien - Stichworte: Pensions-, Gesundheits- und Verwaltungsreform - wieder mühsamer. Noch dazu, wo der Vizekanzler aus Vorarlberg, Hubert Gorbach, von dem Desaster diesmal voll mitbetroffen ist. Aus dem Beweis, dass Vorarlberg (fast) so gut wie Kärnten ist, wurde nichts. Jörg Haider darf sich ins Fäustchen lachen.
Bei der SPÖ bestätigt sich einmal mehr der Trend: Dort können alle Wahlen gewinnen, nur Alfred Gusenbauer nicht. Die Vorarlberger Landesorganisation schaffte immerhin eine Art Wiederauferstehung aus dem Koma. Die Grünen haben bewiesen, dass sie im äußersten Westen seit Kaspanaze Simmas Zeiten 1984 eine fixe Größe sind.
Was allen zu denken geben muss, ist aber das Absacken der Wahlbeteiligung. Das ist ein Zeichen, wie wenig Gewicht die Bürger den Landtagswahlen zumessen. Das trübt auch Sausgrubers Freude.

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