"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Hackl als Sündenbock" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 17. September 2004

Innsbruck (OTS) - Die Raiffeisen Landesbank Tirol gehört zu den Flaggschiffen der Tiroler Wirtschaft. Doch dieses befindet sich in einem schweren Sturm. Denn nur mit allen möglichen Finanztricks gelang es in den letzten Jahren, positiv zu bilanzieren.
Dieser Umstand ist der obersten Bankaufsichtsbehörde in Österreich, der FMA, längst bekannt. Gleich mehrere Monate schickte sie daher ein Heer von Prüfern in die RLB, um das Bankenkonglomerat zu durchforsten. Und sie kamen nicht aus dem Staunen heraus, wie sehr die Raiffeisen Landesbank auf den Hund gekommen ist.
Hauptproblem: viel zu viele faule Kredite. 2002 wurden für die Risikovorsorge 16,7 Mio. Euro bereitgestellt, im Vorjahr mit 31,7 Millionen gleich doppelt so viel. Und gestern wurde bekannt, dass für 2004 rund 35 Millionen Euro für allfällige Wertberichtigungen von Krediten aufgespart werden müssen.
Die RLB-Situation erinnert immer mehr an jene bei der Tiroler Sparkasse. Dort hatten die beiden Fürsten Klingan und Wunderbaldinger auch über die Jahre die Bank abgewirtschaftet. Der abgeschossene RLB-General Fritz Hakl war vom Gehabe diesen beiden durchaus ähnlich. Doch jetzt nur Hakl zum Sündenbock für die Finanzmisere zu machen, wäre viel zu einfach. Denn die jetzigen Vorstände Reinhard Mayr und Gobert Sternbach waren bei jeder Entscheidung Hakls dabei. Und Jungvorstand Hans Unterdorfer war ein Günstling Hakls. Im Aufsichtsrat saß übrigens schon damals der jetzige Boss des Gremiums, Peter Greiderer.
Betrachtet man die Schieflage der RLB, wird viel klarer, warum Hakl und Co. damals mit aller Macht eine Ehe von Hypo und Raiffeisen durchboxen wollten. Denn bei einer Fusion hätten diverse Altlasten, die jetzt mit aller Härte aufgeräumt werden müssen, ohne großes Aufsehen beseitigt werden können. Der RLB kann jetzt nur ein Neustart helfen. Ohne Personalrochade wird dies nicht gehen.

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