Mitterlehner schlägt Schaffung eines "Gesundheitsregulators" vor

Podiumsdiskussion über Gesundheitsreform mit BM Rauch-Kallat, WKÖ-Generalsekretär Mitterlehner, Ärztekammer-Direktor Kux und AK-Sozialexperte Klein

Wien (PWK626) - Mit konkreten Vorschlägen hat sich Reinhold Mitterlehner, Generalsekretär-Stv der Wirtschaftskammer Österreich, am Donnerstag in die aktuelle Diskussion zur Gesundheitsreform eingeschaltet. Bei einer Veranstaltung der von der WKÖ gegründeten "Gesundheitsplattform" am Donnerstag stellte Mitterlehner die Schaffung eines "Gesundheitsregulators", also den Aufbau der geplanten Bundesgesundheitsagentur nach dem Regulatorprinzip, zur Diskussion. Weiters regte Mitterlehner die Schaffung eines integrierten Gesundheitssystems durch gemeinsame Planung, Finanzierung und Steuerung sowie eine unabhängige Qualitätssicherung für das gesamte Gesundheitssystem auf der Basis vergleichbarer Dokumentationen und Vergütungssysteme an.

Kostenprobleme gebe es vor allem im Spitalsbereich, und weniger bei den niedergelassenen Ärzten. Gerade die Probleme im Spitalsbereich führten zu großen Ineffizienzen. Rechnungshof und IHS orten hier ein Einsparungspotential von zwei bis drei Milliarden Euro. Als größte Problembereiche ortete Mitterlehner bei der mit Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, Ärztekammer-Kammeramtsdirektor Karlheinz Kux und Arbeiterkammer-Sozialexperte Christoph Klein als weitere Teilnehmer prominent besetzten Runde die Schnittstellenproblematik zwischen den einzelnen Versorgungsebenen - Sozialversicherungsträger und Länder einerseits, Spitalsbereich und niedergelassene Ärzte andererseits -, die Überversorgung bei Betten und Großgeräten im internationalen Vergleich, Mängel bei Qualitätsmanagement und Datentransparenz sowie eine nicht optimale Betriebsführung der Spitäler.

Erfreut zeigte sich Mitterlehner, dass bei der Diskussion, die unter dem Motto "Innovative Überlegungen zur Gesundheitsreform" stand, sowohl Ministerin Rauch- Kallat als auch AK-Vertreter Klein dem Vorschlag einer Bundesgesundheitsagentur mit Regulatorfunktion einiges abgewinnen konnten. Einig war man sich auch darüber, Anleihen bei den Erfahrungen in anderen Ländern zu nehmen.

Prof. Stefan Felder (Universität Magdeburg) berichtete einleitend über die derzeit in Deutschland in aller Schärfe geführte Diskussion über die Reform des Gesundheitswesens. Weiters zeigte Felder interessante Beispiele aus der Schweiz, wo die Versicherten selber wählen können, ob sie höhere Selbstbehalte wollen oder nicht. Dies würde, so Prof. Felder, zu insgesamt geringeren Gesundheitskosten führen.

Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der WKÖ und seit wenigen Tagen wieder Präsident des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, unterstrich in seinem Beitrag, dass sich die Finanzsituation der Krankenversicherer zuletzt etwas entspannt habe, in den nächsten Jahren aber wieder mit einem Anstieg der Defizite zu rechnen sei. "Unsere Problemzone sind die Spitäler", stellte Gleitsmann fest. Bei den Krankenhausleistungen pro Kopf der Bevölkerung liege Österreich mit einem Schnitt von 917 Euro an der Spitze in Europa. Als Ziele bezeichnete Gleitsmann eine "Sicherung durch Strukturreformen statt kurzfristiger Beitragserhöhungen", die Stärkung der Prävention ("von den kranken Kassen zum Gesundheitsservice"), eine optimale und qualitätsgesicherte Behandlung ("Steuerung statt Beliebigkeit"), den Aufbau eines umfassenden Qualitätssicherungssystems, ein integriertes GeEsundheitssystem ("statt Kompetenzdschungel") sowie mehr Eigenverantwortung und Selbstbestimmung statt Bevormundung. (hp).

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit
Dr. Martin Gleitsmann
Tel.: (++43) 0590 900-4286
http://wko.at/Presse

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0008