Kukacka: Löwenanteil aller CO2 Emissionen noch immer durch Industrie, Kraft- und Heizwerke und Kleinverbraucher

Drei Schwerpunkte des BMVIT: Neue Technologien, intelligenter Verkehr und besserer Abstimmung der Raumplanung auf den öffentlicher Verkehr

Wien, 16. September 2004 (OTS) - "Der Verkehr hat zwar die Verantwortung, seine Emissionen zu senken, die Gründe für den Verkehrsanstieg im Güterverkehr und die möglichen Lösungsmöglichkeiten sind aber umfassend zu sehen. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen und sollten den Straßenverkehr nicht zum Sündenbock machen. Der LKW-Güterverkehr hat nämlich einen Anteil von 10,4 Prozent der Gesamt-CO2 Emissionen in Österreich, der Individualverkehr mit PKW hat mehr, nämlich 12,1 Prozent der Gesamt-Emissionen. Für den Löwenanteil aller CO2 Emissionen zeichnen aber noch immer die Industrie, Kraft- und Heizwerke sowie Kleinverbraucher mit gemeinsam mehr als 50 Prozent verantwortlich", erklärte Verkehrsstaatssekretär Mag. Helmut Kukacka im Rahmen einer Podiumsdiskussion gemeinsam mit Landwirtschaftsminister Josef Pröll zum Thema "Kurze Verkehrswege schonen das Klima". ****

Im Prozent-Vergleich mit den unterschiedlichen Verkehrsträgern werde die Verantwortung des Individualverkehrs für den CO2 Ausstoß noch deutlicher. Die CO2 -Emissionen, die sich alleine aus dem Verkehr ergeben, werden nämlich gemäß der im Ministerrat beschlossenen Klimastrategie zu 49 Prozent vom PKW, zu 33 Prozent vom LKW , zu 9 Prozent vom Flugverkehr und zu 2 Prozent von der Bahn verursacht. "Verkehr sind wir alle. Diese Zahlen belegen sehr deutlich, dass vor allem jeder einzelne sein individuelles Verkehrsverhalten ändern muss, um die Emissionen zu senken", betonte Kukacka.

Zweifellos sei aber das Gesamtgüterverkehrsaufkommen in den letzten Jahren angestiegen. Der Staatssekretär wies darauf hin, dass 90 Prozent des Güterverkehrs auf der Straße reine innerösterreichische Verkehre seien - mit Ziel und Quelle in Österreich. Das bedeute vereinfacht gesagt nicht, dass der ausländische Apfel am meisten zur Klimabelastung beiträgt, sondern die Umweltprobleme hausgemacht sind. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, werde von mancher Seite die Anhebung des seit 01.01.2004 bestehenden LKW-Mauttarifs von durchschnittlich 22 Cent pro km gefordert. "Ein internationaler Vergleich zeigt allerdings, dass der österreichische Verkehr bereits hoch besteuert ist. In Spanien zahlt man nur 8,6 Cent pro km, in Frankreich 6,7 Cent, in Italien 5,5 Cent, in Portugal 5 Cent und in Slowenien gar nur 4,1 Cent. Daher kann ein weiterer Schritt zu mehr Kostenwahrheit primär nur mehr im europäischen Gleichklang und nicht im Alleingang stattfinden", erinnerte Kukacka.

Es gelte also, auf europäischer Ebene Lobbying zu betreiben. Im Rahmen einer neuen EU-Wegekostenrichtlinie soll die Möglichkeit geschaffen werden, den Straßengüterverkehr über die Errichtungs- und Erhaltungskosten hinaus mit externen Umwelt-, Unfallfolge- und Staukosten zu belasten, sowie insbesondere in ökologisch sensiblen Gebieten eine Querfinanzierung von der Straße zur Schiene vorzunehmen. Projekte wie der Brenner Basistunnel mit einem derzeitig geschätzten Volumen von 5,6 Mrd. Euro sind sicher nur mit dieser Querfinanzierungsmöglichkeit zu realisieren, erklärte Kukacka. Österreich setzte sich daher in allen Gremien engagiert für eine rasche Umsetzung der neuen Wegekostenrichtlinie ein, die externe Kosten des Verkehrs dem Verursacherprinzip entsprechend berücksichtigt.

Utl.: Drei Schwerpunkte: Neue Technologien, intelligenter Verkehr, besserer öffentlicher Verkehr =

Neben dem Infrastrukturausbau, für den gemäß Generalverkehrsplan zwei Drittel der vorgesehenen 45 Mrd. Gesamtvolumen auf die Schiene entfallen, gebe es vor allem drei wichtige Handlungsfelder: Erstens gehe es darum, sämtliche technologische Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Straßenverkehr ökologisch verträglicher zu machen. "Ich denke dabei vor allem an die immer strengeren Euro- Abgasgrenzwerte für LKW. Das heißt, durch die europaweite Einführung von Euro 4 Abgasstandards ab 2005 bzw. sogar Euro 5 ab 2008, kommt es zu einer massiven Senkung des Schadstoffausstoßes", so Kukacka. Österreich habe bei der Einführung neuer umweltschonender Technologien immer eine Vorreiterrolle eingenommen. Kukacka verwies dabei auf die Einführung des Katalysators, auch im Zusammenhang mit den Dieselpartikelfilter sollte Österreich auf europäischer Ebene Lobbying betreiben, damit es EU-weit zu einer verpflichtenden Einführung kommt.

Ein Euro 0 LKW, der seit 1989 Standard ist, emittiere 12,3 Gramm CO2 pro KWh. Im Vergleich dazu emittiere der technologisch bessere Euro 4 LKW 1,5 Gramm CO2 pro KWh, und damit rund 8 mal weniger Schadstoffe. Natürlich unterstütze das BMVIT auch die Initiative des Landwirtschaftsministeriums zur verpflichtenden Beimischung von Biotreibstoff zu den regulären Kraftstoffen. Allein durch diese Maßnahme werde das jährliche Reduktionspotential bis 2010 auf mehr als eine Million Tonnen CO2 geschätzt, führte Kukacka aus.
Nachdem zwar der Treibstoffverbrauch beim einzelnen Fahrzeug stark zurückgegangen sei, jedoch die Anzahl der Fahrzeuge insbesondere der Dieselfahrzeuge stark gestiegen ist, möchte die Bundesregierung einen weiteren umweltpolitischen Schwerpunkt bei den Rußpartikelemissionen von Dieselfahrzeugen setzten. Durch die Förderung des Einbaus von Partikelfiltern bei neuzugelassenen Diesel-PKWs, sollen die krebserregenden Rußpartikel reduziert werden.

Der zweite wesentliche Schwerpunkt für das BMVIT werde darin liegen, den derzeitig stattfindenden Verkehr sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene intelligenter zu organisieren. "Das BMVIT wird noch in diesem Jahr dazu einen sogenannten Telematikrahmenplan vorstellen. Durch innovative Telematik- und Logistikanwendungen soll es beispielsweise zur Stauvermeidung und Kapazitätssteigerung durch mehr Durchflussgeschwindigkeit, zu weniger Unfällen aber auch zur Attraktivierung, beispielsweise des Angebots des öffentlichen Personennahverkehrs kommen", erklärte der Staatssekretär. Experten würden das Kapazitätssteigerungsvolumen sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene mit rund 20 Prozent beziffern. Die ASFINAG habe in einem ersten Schritt bereits damit begonnen, für 240 Millionen Euro Verkehrsbeeinflussungsanlagen zu errichten. Das Einsparungspotential an jährlichem CO2 bis 2010 durch derartige Maßnahmen wird in Studien mit 1,5 Mio. Tonnen beziffert. "Ebenfalls nicht unerwähnt lassen möchte ich die bereits laufenden Impulsprogramme des BMVIT’s zur Forcierung moderner Kraftstoff- und Antriebstechnologien. 2003 standen dafür rund 35 Millionen Euro an Förderkapital zur Verfügung. In Zukunft soll dieses Volumen noch ausgeweitet werden", so Kukacka.

Für den dritten Punkt sei das BMVIT zwar nicht direkt zuständig, dieser sei aber dennoch von großer Bedeutung: Die bessere Abstimmung der Raumplanung auf den öffentlichen Nahverkehr. "Wäre es möglich im Zuge der Raumwidmung auch die Anbindung an den öffentlichen Verkehr oder Park&Ride Anlagen koordinierter und bedarfsgerechter mitzuplanen, würde viel an Individualverkehr eingespart werden können", schloss Kukacka.

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