Zwischenbilanz der Aktion "Nachbar in Not - Österreich hilft Darfur"

Vier Millionen Euro für Flüchtlinge und Vertriebene im Westsudan

Wien (OTS) - "Ich bin überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Österreicherinnen und Österreicher, auch wenn sich der 'Nachbar in Not' nicht unmittelbar in unserem Land oder vor unseren Grenzen befindet." Mit diesen Worte eröffnete heute, Donnerstag, den 16. August 2004, der Schirmherr der Aktion, Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, die Pressekonferenz, bei der ORF-Generaldirektorin Dr. Monika Lindner, der ORF-Leiter der Aktion, Jörg Ruminak, sowie "Nachbar in Not"-Stiftungsvorstand Mag. Michael Opriesnig vom Österreichischen Roten Kreuz eine Zwischenbilanz über den bisherigen Verlauf der Hilfskampagne zogen.

In 30 Tagen haben die Österreicherinnen und Österreicher 3,4 Millionen Euro gespendet, um das Elend in der westsudanesischen Provinz Darfur lindern zu helfen. Mit 600.000 Euro unterstützt die österreichische Bundesregierung die Aktion, sodass mit dem heutigen Tag ein Spendenvolumen von vier Millionen Euro erreicht ist. 81.380 Spender haben sich bisher beteiligt und damit auch aktiv ein Zeichen der Solidarität gesetzt. 11.626 User im Internet haben Spenden über die nachbarinnot.ORF.at-Homepage in der Höhe von 397.000 Euro abgegeben. Nach wie vor gehen pro Tag 4.000 bis 5.000 Einzelspenden auf das Aktionskonto PSK 91 091 200 ein. Die durchschnittliche Spendenhöhe beträgt 40 Euro. Das sind rund 160.000 Euro pro Tag, die eingezahlt werden.

Authentische Bilder und Berichte aus der Krisenregion

ORF-Generaldirektorin Dr. Monika Lindner: "Diese Hilfsaktion war eine besondere Herausforderung für uns, denn das Elend im Sudan befindet sich nicht im medialen Fokus der Weltöffentlichkeit. Im Vertrauen auf die hohe Professionalität der 'Nachbar in Not'-Organisationen hat sich der ORF, haben sich seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sofort mit voller Kraft für dieses Projekt engagiert. Fernseh- und Radiojournalistinnen und -journalisten sind in das Krisengebiet aufgebrochen, um von dort authentisch in Wort und Bild zu berichten. Eine Sondersendung der 'Expedition Österreich' lukrierte mehr als 60.000 Euro für die Darfur-Hilfe. Der ORF wird die Kampagne auch weiterhin mit journalistischer Professionalität begleiten und damit seinen Beitrag leisten, die humanitäre Hilfe zu unterstützen."

Mehr als 100 Mal ist im vergangenen Monat der TV-Spot mit klaren und einfachen Informationen sowie Bildern, die niemanden unberührt lassen, ausgestrahlt worden. Ab heute wird ein adaptierter TV-Spot mit Bildern der ersten Hilfsmaßnahmen on air gehen. Täglich mehrmals setzt das Hitradio Ö3 den Spendenaufruf im Radio mit der Botschaft "Auch ich habe eine Familie in Darfur" ein. Ö1 und FM4 haben eigene Spots für ihre Programme und Zielgruppen gestaltet.
Sendungen wie das "Weltjournal", "Thema", aber auch "Willkommen Österreich" oder "25 das Magazin" liefern Hintergrundgeschichten. Das Radio bringt Informationen aus erster Hand in seinen Nachrichten- und Journalsendungen.

Das Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht abzusehen

Insgesamt gibt es rund 150 Flüchtlingslager und Camps in der westsudanesischen Provinz Darfur und im Nachbarland Tschad. Die Flüchtlinge dort haben zwar die Angriffe auf ihre Dörfer überlebt, die Situation in den Auffanglagern ist aber nach wie vor dramatisch und ein Ende der Flüchtlingsströme nicht abzusehen. Die Größe des Landes und der Beginn der Regenzeit machen es besonders schwierig, auch jene Menschen zu erreichen, die es nicht bis in eines der Flüchtlingslager geschafft haben.
Die humanitäre Aufgabenstellung ist sehr schwierig. Alle neun unter dem "Nachbar in Not"-Dach arbeitenden Hilfsorganisationen - Rotes Kreuz, Caritas, Diakonie, Care, Volkshilfe, Hilfswerk Austria, Malteser Hospitaldienst, Samariterbund Österreich und "Ärzte ohne Grenzen" - sind sich einig, dass die großen Herausforderungen noch bevorstehen.

Die Hilfe läuft an

Der Kommunikationschef des Österreichischen Roten Kreuzes und "Nachbar in Not"-Stiftungsvorstand Mag. Michael Opriesnig, der vergangene Woche mit einer Delegation Ersthelfer im Krisengebiet war und weitere Bedarfsevaluierungen durchgeführt hat, kann jedoch bereits von ersten sicht- und messbaren Erfolgen berichten: "Die Arbeit der Hilfsorganisationen zeigt vor allem in jenen Lagern, die rund um die größeren Städte liegen, dass die Verteilung von Hilfsgütern voranschreitet. Man beginnt mit der Ausgabe von Trinkwasser, Nahrung, Hygieneartikeln und Zeltplanen. Selbst eine medizinische Basisversorgung ist gegeben."
Das wird auch der Schwerpunkt der Aktivitäten der Organisationen in den nächsten Wochen sein.

Netzwerk der Hilfe

Jörg Ruminak, der ORF-Leiter und Koordinator der Aktion: "Durch das Know-how und die Effizienz der 'Nachbar in Not'-Organisationen ist garantiert, dass die Hilfe rasch dorthin kommt, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Und der ORF, der seine Hilfsmaschinerie mobilisiert hat, kann, ähnlich wie bei 'Licht ins Dunkel' oder der 'Hochwasser Soforthilfe', auf eine vorhandene Infrastruktur sowie verlässliche Partner zurückgreifen, die erst das Netzwerk der Hilfe ermöglichen."

Dank an ORF und heimische Medienlandschaft

Der Bundespräsident würdigte, neben dem Dank an die Zehntausenden Spenderinnen und Spender, das Engagement des ORF und aller Partner, die die Aktion unterstützen. Fischer: "'Nachbar in Not', unterstützt vom ORF und der heimischen Medienlandschaft, zeigt wieder einmal in beeindruckender Weise, was möglich ist, wenn sich vorhandene Kräfte zahlreicher Hilfsorganisationen bündeln."

Viele österreichische Tageszeitungen und Magazine wie "Die Presse", "Neues Volksblatt", "tele", "Kleine Zeitung Graz", "Der Standard", "Niederösterreichische Nachrichten", "Salzburger Nachrichten", "Kärntner Tageseitung", "Wirtschaftsblatt", "Trend", "profil", "eMedia", "Wiener Zeitung", "Kärntner Woche", "Der neue Grazer", "Börsenkurier", "Die Furche", "ORF nachlese" - weitere haben zugesagt -, unterstützen die Aktion mit Gratisinseraten und Erlagscheinbeigaben. TELEKOM AUSTRIA hat die Online-Spendenplattform zur Verfügung gestellt. Post, Bank Austria, Volksbank, Erste Bank und Raiffeisen Bank legen Erlagscheine auf. Organisationen und Vereine organisieren mithilfe zahlreicher Sponsoren Benefiz-Events für die Sudanhilfe.

Die Hilfe geht weiter

Leider zeigen die aktuellen Untersuchungen und Zahlen der WHO, dass die Hilfe weiterhin dringend benötigt wird. Nach jüngsten Schätzungen befinden sich 1,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Diese Vertriebenen haben Schreckliches mitgemacht und alles verloren. Sie sind voraussichtlich noch die nächsten Monate völlig auf internationale Hilfe angewiesen. Daher ist es für diese Menschen lebensnotwendig, dass die Hilfe weitergeht. Der Großteil der flüchtenden Menschen konnte nichts aussäen und musste zusehen, wie ihre Nahrungsmittelvorräte zerstört oder geplündert wurden. Die nächste Ernte ist erst nach Ende der Regenzeit möglich. Daher ist die frühste Ernte im November 2005 zu erwarten. Das ist auch der langfristige Projektrahmen der "Nachbar in Not"-Hilfe.

Momente der Hoffnung

Der Bundespräsident, der die Patronanz über diese österreichische Hilfsaktion übernommen hat, und die "Nachbar in Not"-Organisationen appellieren daher an alle Österreicherinnen und Österreicher sowie die Partner der Kampagne, die Aktion auch weiterhin zu unterstützen, um damit den Menschen, die im Elend leben auch wieder Hoffnung zu geben.

Michael Opriesnig: "Wenn man sieht, wie 20 Menschen, Kinder, Frauen, Männer, auf wenigen Quadratmetern zusammengepfercht, in einer behelfsmäßigen Notunterkunft aus Bambusstäben oder Reisig, das Ende eines Regengusses abwarten, dann weiß man, dass eine Zeltplane, die wenige Euro kostet, einen Riesenunterschied macht. Wenn man von einer Frau, die wie die meisten Hals über Kopf geflüchtet ist und der auf der Flucht eines ihrer Kinder abhanden gekommen ist, mit Tränen in den Augen erzählt bekommt, dass sie durch die Arbeit der Hilfsorganisationen ihr Kind wieder gefunden hat, dann weiß man, dass Hilfe Sinn macht."

Spenden mit Erlagschein oder online im Internet
PSK 91 091 200
http://nachbarinnot.ORF.at

Rückfragen & Kontakt:

ORF - Humanitarian Broadcasting
Christine Kaiser
87878 - DW 12422
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