Neue Therapie bringt Hoffnung bei Lymphdrüsenkrebs

Mit doppeltem "Angriff" zu besseren Therapieerfolgen

Wien (OTS) - Anlässlich des Welt-Lymphomtages am 15. September wurden im Rahmen einer Pressekonferenz im ORF KulturCafe am 14. September die aktuellen Entwicklungen in Diagnostik und Therapie des Lymphoms beleuchtet.

Ztl.: Lymphome immer häufiger

"Eine der Hauptzielsetzungen dieses 'Awareness-Tages' besteht darin, das Wissen um Lymphome - als in ihrer Verbreitung nicht zu unterschätzende, bösartige Tumorerkrankung - verstärkt im öffentlichen Bewusstsein zu verankern", so Univ.-Prof. Dr. Günther Gastl, Klinische Abteilung für Hämatologie und Onkologie, Medizinische Universitätsklinik Innsbruck.

Denn Lymphdrüsenkrebs (Lymphom), so der Experte weiter, führe im Vergleich zu anderen, "prominenten" Krebserkrankungen wie Brustkrebs, ein Schattendasein. "Lymphome treten zwar deutlich seltener auf als andere Tumorerkrankungen wie Lungenkrebs, Dickdarmkrebs oder Brustkrebs, doch in den letzten Jahrzehnten wurde ein deutliches Ansteigen beobachtet und dieser Trend - dessen Ursachen unbekannt sind - wird sich aller Voraussicht nach auch in den nächsten Jahren fortsetzen."

Am häufigsten treten Lymphome in Form der sog. Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) in Erscheinung (weltweit ca. 286.000 Neuerkrankungen pro Jahr). Davon sind die Hodgkin-Lymphome, benannt nach dem engl. Arzt Dr. Thomas Hodgkin, abzugrenzen (weltweit 62.000 Neuerkrankungen pro Jahr).

Ztl.: Neue Studie belegt: Kombinationstherapie erhöht Lebensqualität und -quantität

Die tragende Säule in der Therapie der NHL war bislang die Chemotherapie. Nun setzen die Mediziner aber auf den "doppelten Angriff", indem sie zusätzlich zur Chemotherapie den Antikörper Rituximab (MabThera(R)) verabreichen. "Seit einigen Jahren steht mit dem Rituximab - einem Protein zur gezielten Wachstumshemmung - eine wichtige Ergänzung der herkömmlichen Therapiemöglichkeiten zur Verfügung", so Univ.-Prof. Dr. Ulrich Jäger von der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien. Es handelt sich dabei um ein selektiv angreifendes Protein (Eiweißkörper), das unter Aktivierung immunologischer Mechanismen das Wachstum von bösartig veränderten Lymphozyten hemmen kann. Der Clou dabei: Wird Rituximab mit einer herkömmlichen Chemotherapie kombiniert, kann bei mehr Patienten eine Tumorrückbildung erzielt werden und die Patienten können über einen längeren Zeitraum stabilisiert werden als unter alleiniger Chemotherapie. Dies hat letztlich den Vorteil, dass die Patienten über einen längeren Zeitraum ohne neuerliche Therapie auskommen. Dies wurde in einer groß angelegten Studie nachgewiesen, die von Prof. Dr. R. Marcus, Cambridge, Großbritannien, geleitet worden war. Ein Update der Ergebnisse wurde im Rahmen des EHA-Kongresses, Juni 2004, Genf, präsentiert (EHA = European Hematology Association). Die Ansprechrate (Anteil der Patienten mit Tumorrückbildung) lag in der Gruppe mit Kombinationstherapie bei 80%, aber nur bei 57% in der Gruppe mit alleiniger Chemotherapie. Die Dauer bis zur nächsten Lymphom-Therapie wurde durch die Kombinationstherapie signifikant verlänger: 2,5 Jahre nach Beginn der Studientherapie waren zwei Drittel der Patienten ohne weitere Therapie ausgekommen, in der Gruppe mit alleiniger Chemotherapie war dies nur bei einem Fünftel der Patienten gelungen.

Ztl.: Größere Überlebenschance bei aggressiven NHL

In einer weiteren Studie - durchgeführt von der französischen GELA-Gruppe, unter der Leitung von Prof. Dr. B. Coiffier, Lyon -konnte eindeutig gezeigt werden, dass bei der Behandlung des aggressiven - rasch wachsenden - NHL mit der Kombinationstherapie im Vergleich zur Standardchemotherapie zudem eine signifikante Verbesserung der Überlebenschance erzielt wurde (Update der Ergebnisse im Rahmen des EHA Kongresses, Juni 2004, Genf). Nach 4 Jahren waren von den Patienten, die Rituximab + Chemotherapie erhalten hatten, noch 59% am Leben. In der Gruppe mit alleiniger Chemotherapie lag die Überlebensrate nach 4 Jahren bei 47%.

Ztl.: Hilfe durch Selbsthilfe

"In der Behandlung des Lymphoms befinden sich Ärzte wie Patienten in einem Spannungsfeld", stellte Prof. Gastl gegen Ende der Pressekonferenz fest. "Nicht zuletzt deshalb ist der Welt-Lymphom-Tag auch als ein Signal an die Patienten zu verstehen, sich in Selbsthilfegruppen zu organisieren, um so die Krankheit besser bewältigen zu können."

In Österreich gibt es keine Selbsthilfegruppe für Lymphom-Patienten. In Kooperation mit der Initiative "Leben mit Krebs" stellt sich nun die Firma Roche Austria als Kontaktstelle zur Verfügung, um beim Aufbau einer Selbsthilfegruppe für Lymphom-Patienten Starthilfe zu leisten. Interessenten wenden sich an Mag. Lydia Rossmann, Tel. 01/27739-412, lydia.rossmann@roche.com

Alle Texte der Pressekonferenz sowie Fotos und Power Point Präsentationen finden Sie unter
http://www.weltlymphomtag.steinringer.at
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Harald Schenk, medical media consulting,
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