Blutiges Déjà-vu im Irak

"Presse"-Glosse vom 14.9.2004, von Wieland Schneider

Wien (OTS) - Kampfflugzeuge donnern im Tiefflug über Häuserzeilen. Panzer rücken vor, zermalmen mit ihren Ketten alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Und aus rauchenden Trümmern zerbombter Häuser bergen Hilfskräfte die sterblichen Überreste vieler Zivilisten, die -wie so oft - zwischen die Fronten geraten sind. Die Horrorbilder, die die Welt aus der irakischen Stadt Falluja erreichen, sorgen für ein grauenvolles Déjà-vu. Sie gleichen frappierend den Aufnahmen, die schon im April die Berichte aus der Rebellenhochburg beherrscht hatten.
Damals hatten die US-Truppen die Stadt belagert, um den Widerstand ein für allemal zu brechen. In letzter Minute trafen die Amerikaner aber eine Übereinkunft mit den Rebellen und zogen ab.
Viel wert scheint das Abkommen nicht gewesen zu sein. Denn heute stehen die USA in Falluja vor denselben Problemen wie vor einigen Monaten: Sie haben die Kontrolle über die Stadt verloren; Extremisten können ungehindert ihr Unwesen treiben.
Falluja ist Symbol für die verfahrene Situation im Irak; und des offensichtlichen Unvermögens der USA, darauf angemessen zu reagieren. Der Widerstand zieht bei US-Aktionen zwar den Kopf ein, erhebt diesen bei der nächstbesten Gelegenheit aber sofort wieder. Nach weiteren US-Angriffen und Dutzenden Toten wird auch im sunnitischen Falluja wieder - vorübergehend - Ruhe einkehren. Doch al-Sadrs schiitische Kämpfer warten nur darauf, eine neue Front zu eröffnen.

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