Hoher Prozentsatz der Lärmarbeiter verzichtet auf Gehörschutz

AUVA-Aktion räumt mit Vorurteilen auf und erhöht Tragequote

Wien (OTS) - Die Gefahr einer berufsbedingten Lärmschwerhörigkeit wird vor allem in Wien, Niederösterreich und Burgenland drastisch unterschätzt: rund dreißig bis vierzig Prozent der betroffenen Arbeitnehmer verzichten auf einen Gehörschutz. Die Tragequoten in den Bauberufen liegen deutlich darunter. Sie betragen laut AUVA-Erhebungen bei den vorgeschriebenen audiometrischen Vorsorge-Untersuchungen von Lärmarbeitern nur 25 Prozent in Wien, 39,2 Prozent in Burgenland und 49,7 Prozent in Niederösterreich. 95 Mitarbeiter von zehn Firmen in Burgenland, Wien und Niederösterreich haben zwischen Sommer 2003 und 2004 individuell angepassten Gehörschutz getestet: dank der hohen Akzeptanz konnte eine Tragequote von 100 Prozent erreicht werden. Die Aktion "Angepasster Gehörschutz" des Unfallverhütungsdienstes der AUVA-Landesstelle Wien dient der nachhaltigen Erhöhung der Tragequote und der Bekämpfung der berufsbedingten Lärmschwerhörigkeit. Sie läuft seit rund zweieinhalb Jahren. Bisher haben sie zwölf Firmen für rund 200 Mitarbeiter genützt.

Zehn Firmen - sieben Betriebe in Niederösterreich, zwei in Wien, einer in Burgenland - und 95 Arbeitnehmer haben zwischen Sommer 2003 und Sommer 2004 an der Aktion "Angepasster Gehörschutz" teilgenommen. Die Teilnehmer sind auf Baustellen und in Werkstätten beschäftigt. Die Tragequote erreichte 100 Prozent; 67 Prozent der Arbeiter trugen die Ohrstöpsel vier Stunden und länger. Die Befragungsergebnisse beweisen, dass die meisten Argumente gegen das Tragen von Gehörschutz auf subjektiven Vorurteilen beruhen:

  • Das Einsetzen des angepassten Gehörschutzes beurteilten rund 99 Prozent als leicht und sehr leicht.
  • Den Tragekomfort bezeichneten 96 Prozent als gut und sehr gut.
  • Das Spüren des Gehörschutzes im Ohr empfinden 63 Prozent nicht und 33 Prozent leicht störend.
  • Die Wahrnehmbarkeit von Warnsignalen ist für 98 Prozent gut und sehr gut und
  • 91 Prozent konnten Gesprochenes gut und sehr gut erstehen.

Die Tests haben gezeigt, dass Nebengeräusche (zum Beispiel ein Echo der eigenen Schritte) bei Personen auftreten können, die übermäßig viel Ohrschmalz (Cerumen) haben. Ohrspülungen beseitigten dieses Problem sofort. Die AUVA rät daher als Vorbeugung zu einer otoskopischen Untersuchung. Personen, die zu verstärkter Cerumenbildung neigen, sollten sich die Ohren regelmäßig von einem HNO-Facharzt durchspülen lassen. Dann funktioniert auch der angepasste Gehörschutzes optimal. Bei Entzündungen im Gehörgang erwies sich ein Kapselgehörschützer besser geeignet.

Die teilnehmenden Firmen: Lauggas (Bau), Stora-Enso Timber (Holzbearbeitung), Krems Chemie Chemical Services (Chemische Produktion), Bramac (Dachziegelwerk), Kölbl-Bau (Betonfertigteilwerk), Züblin (Bau, Autobahn, Brückensanierung), Oberndorfer (Betonfertigteilwerk), Durst-Bau, Mischek (Betonfertigteilwerk), Weissenböck (Betonfertigteilwerk). Die 95 Arbeitnehmer kamen aus allen Altersgruppen. Die Gehörstöpsel wurden von den Firmen Neuroth und Wirtl angepasst.

Angepasster Gehörschutz kostet rund 94 Euro pro Mitarbeiter, dafür beträgt die Tragedauer rund fünf Jahre. Zum Vergleich: Pro Arbeitstag werden zwei Paar Schaumstoffstöpsel zu je 15 Cent benötigt, was pro Jahr eine Summe von 58,14 Euro ergibt. Nach rund eineinhalb Jahren kommt ein angepasster Gehörschutz somit billiger.

Keine Berufskrankheit verläuft so tückisch wie die Lärmschwerhörigkeit: wenn sie bemerkt wird, ist es bereits zu spät -die Schädigung des Innenohrs ist nicht mehr zu heilen. Die österreichische Baubranche hat mit 68,9 Prozent die niedrigste Gehörschutz-Tragequote und mit 94 Dezibel - dB(A) - den höchsten durchschnittlichen Lärmpegel der Wirtschaftszweige mit Lärmarbeitsplätzen. Rund ein Drittel der berufsbedingt Erkrankten im Bereich der Landesstelle Wien leidet an Lärmschwerhörigkeit. Der Anteil der Bauarbeiter ist mit rund 50 Prozent besonders hoch.

Die AUVA Landesstelle Wien hatte im Jahre 2001 die Anregung der Gewerkschaft Bau-Holz aufgegriffen und einen bislang im Bau- und Nebengewerbe kaum zum Einsatz kommenden "Angepassten Gehörschutz" auf einer Tunnel- und einer Straßenbaustelle in Wien getestet. Das zwischen Dezember 2001 und August 2002 durchgeführte Projekt mit 101 Teilnehmern lieferte die Basis der weiteren Präventionsarbeit des Unfallverhütungs-Dienstes für Burgenland, Niederösterreich und Wien.

Informationstage und Aktionen setzen nun verstärkt bei psychologischen Aspekten, Vorurteilen, Tragekomfort und mangelnder Kontrolle an. Der Ankauf der individuell an den Gehörgang und das Lärmprofil der Baustelle angepassten Otoplasten durch die Arbeitgeber wurde im Zuge der Aktion von der AUVA finanziell unterstützt. Dafür nehmen die Teilnehmer an mehreren Befragungen teil.

Die Unfallverhütungsexperten der Landesstellen Wien - für Bauberufe: Ing. Klaus Kollmer, Telefon (01) 33133-256 oder 252 -stehen für Beratung und Lärmmessungen zur Verfügung. Wenn am Arbeitsplatz gehörgefährdender Lärm herrscht, kann in der Hauptstelle der AUVA eine audiometrische Untersuchung angefordert werden.

Merkblätter im Internet: http://www.auva.at/publikationen Auszug aus den gesetzlichen Bestimmungen für Lärmbetriebe (M 019): http://www.auva.at/media/6991.PDF Grundlagen der Lärmbekämpfung (M069) http://www.auva.at/media/7104.PDF Gehörschützer (M 700) http://www.auva.at/media/7483.PDF Die AUVA Wien im Internet: http://www.auva.at/wien

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