WKÖ-Schwerpunkt: Wirtschaftschancen in der West-Ukraine

Großes Potenzial für österreichische Unternehmen in Tourismusbranche und im Holz- und Holzverarbeitenden Sektor

Wien (PWK604) - Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs richtete sich
der Blick der österreichischen Unternehmen sofort über diesen hinweg. In den mittlerweile neuen EU-Nachbarn Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien, aber auch in Polen und in den baltischen Staaten, haben rot-weiß-rote Wirtschaftstreibende mittlerweile bestens Fuß gefasst und gehören zu den Big-Playern. "Jetzt geht es aber darum, noch einen Schritt weiter zu wagen, über die neuen EU-Außengrenzen hinaus - etwa in die Ukraine", sagt Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ.

Der ukrainische Markt mit knapp 50 Millionen Einwohnern ist besonders für den Export interessant. Ein BIP-Wachstum von knapp 10% im Vorjahr und prognostizierten 12% für heuer lässt erwarten, dass die Kaufkraft und damit die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Produkten steigen wird. Etliche österreichische Unternehmen haben die Möglichkeiten, die der ukrainische Markt bietet bereits erkannt, wie auch die Exportzuwachszahlen eindrucksvoll belegen. Im vergangenen Jahr legten die Ausfuhren um 34% auf ein Volumen von 367 Mio Euro zu. Koren: "Der Plafond ist aber noch lange nicht erreicht." Vor allem die Westukraine, das historische Galizien rund um Lemberg, bietet für exportorientierte Unternehmen oder potenzielle Investoren viel. Lemberg, zwischen 1772 und 1917 Teil des Habsburgerreichs, war die viertgrößte Stadt der k.u.k. Monarchie. "Alleine die Tatsache, dass es aus Ostösterreich in die Ukraine nicht weiter als nach Vorarlberg ist, spricht dafür, sich die Marktchancen zumindest einmal anzusehen", sagt Christian Gessl, österreichischer Handelsdelegierter in der Ukraine.

Die Außenhandelsstelle Kiew setzt heuer noch einige Schwerpunkte um österreichischen Unternehmen den "unbekannten Nachbarn" im Osten näher zu bringen. Von 4. bis 6. Oktober veranstaltet sie Fachseminare mit einer Kontaktbörse in Graz, Wien und Innsbruck. Dabei wird mittels Firmengesprächen und Vorträgen ein Bild über Entwicklung und Geschäftschancen in der ukrainischen Tourismusindustrie und im Holzverarbeitungssektor geliefert. Im November (8.-12.) folgt eine Wirtschaftsmission nach Lemberg, Transkarpatien und Chmelnizky. Gessl: "Die Veranstaltungen richten sich an alle österreichischen Firmen, die Interesse haben, in die Ukraine zu exportieren, Lohnfertigungsaufträge zu vergeben oder ihre eigene Firma zu gründen."

Die Westukraine, konkret die Karpaten, ist neben der Halbinsel Krim das wichtigste Fremdenverkehrsgebiet der Ukraine. Derzeit entstehen hier Wintersportzentren und neue Heilbäder. Die traditionsreichen Thermen und Sanatorien aus dem 19. Jahrhundert bedürfen teilweise einer Renovierung. Die Chancen für österreichische Firmen liegen auf der Hand, da gerade in diesen Bereichen das österreichische Know-How weltweit gefragt ist. Gessl: "Die Heilbäder und die im Aufbau begriffenen Schigebiete bieten attraktive Investitionschancen. Der Zeitpunkt, hier im Fremdenverkehr Fuß zu fassen, ist jetzt. Noch ist es möglich, sich eine gute Position fernab eines harten Konkurrenzkampfs zu sichern." Gute Voraussetzungen bestehen auch hinsichtlich von Bankdienstleistungen. Lemberg hat zwei Waren- und eine Fondsbörse und ist ein Bankenzentrum, in dem etwa die Raiffeisenbank Ukraine bereits vertreten ist.

Neben den Chancen beim Ausbau der Tourismusinfrastruktur verfügt die Karpatenregion über mehr als drei Millionen Hektar Wald, die noch nicht ausreichend genutzt werden. In Lemberg, Transkarpatien und den angrenzenden Regionen gibt es auch zahlreiche holzverarbeitende Betriebe, die Bedarf an Ausrüstung und Know-How haben.

Wirtschaftlich ist das Gebiet um Lemberg heute ein Zentrum der Leichtindustrie. Die wesentlichen Industriezweige sind die Nahrungsmittelindustrie, der Maschinenbau, die Elektrizitätsgewinnung sowie die Erdgas und Erdölförderung. Die Region Lemberg ist in der Ukraine der wichtigste Hersteller von Glühlampen, fördert mehr als 50% des ukrainischen Schwefels, erzeugt ein Drittel des ukrainischen Papiers, ein Viertel der Pappe, 16% der Busse, 85% der Laufkräne, 88% der Lademaschinen und ist für fast die Hälfte der ukrainischen Textilproduktion verantwortlich. Weiters sind die Steinsalzvorkommen der Region die größten der Welt. Lemberg und Transkarpatien verfügen über "Sonderwirtschaftszonen", in denen ab einer Investition von 250.000 US-Dollar vergünstigte Steuersätze bzw. Importabgaben eingeräumt werden. (BS)

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