Rede von Bundespräsident Dr. Heinz FISCHER anlässlich des "Tages der Leutnante" an der Theresianischen Militärakademie am 11. September 2004

Wien (OTS) - Es gilt das gesprochene Wort!

Herr Bundesminister,
Herr Militärbischof,
(Herr Landeshauptmann),
Frau Bürgermeister,
Herr Generalstabschef,
geschätzte Ehrengäste,
meine Damen und Herren,
Soldaten,
vor allem aber Sie, meine Herren Leutnante!

Sowohl für Sie, meine Herren Leutnante als auch für mich ist der heutige Tag eine Premiere. Sie stehen zum ersten Mal als Offiziere auf dem Theresienplatz, ich das erste Mal als Bundespräsident.

Ich benütze daher gerne die Gelegenheit, um ein Bekenntnis zur österreichischen Bundesverfassung und damit auch zum österreichischen Bundesheer abzulegen. Im Artikel 9 a der österreichischen Bundesverfassung heißt: "Österreich bekennt sich zur umfassenden Landesverteidigung. Ihre Aufgabe ist es, die Unabhängigkeit nach außen so wie die Unverletzlichkeit und Einheit des Bundesgebietes zu bewahren, insbesondere zur Aufrechterhaltung und Verteidigung der immerwährenden Neutralität. Hiebei sind auch die verfassungsmäßigen Einrichtungen und ihre Handlungsfähigkeit sowie die demokratischen Freiheiten der Einwohner vor gewaltsamen Angriffen von außen zu schützen und zu verteidigen." Und weiter heißt es im Artikel 79 der Bundesverfassung, dass die militärische Landesverteidigung dem Bundesheer obliegt, in dessen Dienst Sie, meine Herren Leutnante, sich gestellt haben. Sie haben sich einer anspruchsvollen Ausbildung unterzogen und sich dazu entschlossen, die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Damit war harte Arbeit verbunden.

Heute aber ist ein Tag zum Feiern, weil Sie Ihr Studium und Ihre Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen haben.

Ich gratuliere Ihnen allen sehr herzlich zu diesem Erfolg und danke Ihnen als Bundespräsident und Oberbefehlshaber des Bundesheeres für Ihre Bereitschaft zum Dienst für unsere demokratische Republik Österreich.

Sie gehen nun als junge Kommandanten hinaus zur Truppe zu neuen Aufgaben. Sie sind dafür gut vorbereitet worden und werden nun bereits in jungen Jahren Verantwortung für Menschen und Verantwortung für Material übernehmen. Ihre Vorgesetzten und ihre Mitarbeiter, seien es nun Berufssoldaten, Zeitsoldaten oder Wehrpflichtige, sie alle schenken Ihnen Ihr Vertrauen und ich bin überzeugt, dass Sie sich dieses Vertrauens würdig erweisen werden!
Stellen Sie stets den Mensch in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns und legen Sie das Augenmerk darauf, dass Sie als Offiziere verantwortlich für das Wohlergehen der Ihnen Anvertrauten sind.

Der Frieden ist unser höchstes Gut!
Österreich ist ein friedliebendes Land, das Bundesheer ist eine Armee des Friedens.
Unsere Generation hat das Glück, dass wir jetzt in der längsten Friedensperiode seit Jahrhunderten leben. Die Älteren unter uns haben die furchtbaren Ereignisse der nationalsozialistischen Herrschaft und des Zweiten Weltkrieges noch miterlebt.
Im April 1945 konnte mit der Wiedererlangung der Selbständigkeit Österreichs, mit der Errichtung der II. Republik ein neues Kapitel in der Geschichte unseres Landes aufgeschlagen werden.
Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 und den Entwicklungen der folgenden Jahre wurde ein solides Fundament für eine stabile friedliche Weiterentwicklung unseres Kontinents und damit auch Österreichs gelegt. Neben zahlreichen anderen Bereichen haben sich dadurch auch die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen in Europa geändert.
Österreich ist Mitglied der Europäischen Union; und vor kurzem sind auch fast alle unserer Nachbarn in die EU aufgenommen worden. Damit sind neue Perspektiven und neue Chancen eröffnet worden, aber es gilt auch die damit verbundenen Probleme zu erkennen und zu lösen.

Herr Bundesminister, meine Damen und Herren!

Niemand bedroht unser Land zur Zeit militärisch, wir sind von befreundeten Staaten umgeben.
In Südosteuropa hat die internationale Militärpräsenz den Frieden weitgehend wieder hergestellt - und Österreicher stehen in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo im Friedensdienst - wie auch an anderen Brennpunkten der Weltpolitik. Österreichische Offiziere und Soldaten haben sich im internationalen Friedensdienst großartig bewährt und genießen international einen hervorragenden Ruf.

Aber auch wenn sich das Bedrohungsbild grundlegend verändert, und zwar positiv verändert hat, müssen wir immer daran denken, dass uns der Frieden nicht automatisch geschenkt wird und auch nicht automatisch gesichert bleibt. Friedenspolitik ist eine permanente Aufgabe. Man muss nur an den internationalen Terrorismus, die grenzüberschreitende Kriminalität, Bürgerkriege, Verfolgung und Vertreibung in vielen Teilen der Welt etc., etc. denken, um abschätzen zu können, dass der Einsatz für den Frieden ein zentrales Thema unserer Zeit darstellt.
Österreich kann und wird daher seinen Beitrag dazu leisten, die Welt ein Stück friedlicher und sicherer zu machen, wobei die Sicherheit anderer auch unsere Sicherheit ist.

Wir müssen daher alles tun, damit das Bundesheer auf die absehbaren Entwicklungen in den nächsten Jahren optimal vorbereitet ist, damit es auch in Zukunft seine neuen Aufgaben bewältigen und im internationalen Rahmen Verantwortung übernehmen kann.
Der durch die Bundesheer-Reformkommission erstellte Bericht und die daraus abgeleiteten Empfehlungen bilden dafür eine gute Arbeitsgrundlage.
Der bevorstehende Paradigmenwechsel verlangt in besonderer Weise Engagement und Flexibilität: Von den Angehörigen des Bundesheeres ebenso, wie von der Politik.

Meine Damen und Herren!

Die rot-weiß-rote Fahne grüßt uns als Symbol unseres schönen Landes, der Republik Österreich. Sie grüßt uns auch als Symbol der Erinnerung an Generationen vor uns, die für ein freies Österreich gekämpft und gelitten haben, ja - für Österreich gestorben sind.
Ich möchte in diesem Zusammenhang ausdrücklich auch Widerstandskämpfer gegen das Hitlerregime respektvoll erwähnen.
In der Zukunft möge die rot-weiß-rote Fahne immer ein Symbol des Friedens sein, ein Symbol der Demokratie und ein Symbol der Eintracht aller Menschen guten Willens.

Sie, meine Herren Leutnante, haben diesen guten Willen!
Sie haben durch Ihr Studium und Ihre Ausbildung das geistige und handwerkliche Rüstzeug für Ihre kommenden Aufgaben erhalten. Seien sie den Ihnen anvertrauten Soldatinnen und Soldaten gute, gerechte und menschliche Vorgesetzte und Vorbilder.

Ich wünsche Ihnen dazu viel Freude am Beruf, Erfolg und Soldatenglück!

Ich wünsche Ihnen auch ganz persönlich alles Gute. Ich grüße herzlich auch Ihre Angehörigen. Ich wünsche der Republik Österreich ein gute, friedliche Zukunft.

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