"Der Lkw war noch nie so wichtig wie in diesem Jahr"

"Arge Logcom" bricht eine Lanze für den heimischen Lkw-Verkehr - Lkws bringen 80 Prozent der Produkte des täglichen Bedarfs - Moser: Nur faire Behandlung kann weitere Ausflaggungen verhindern

Wien (PWK 596) - "Der Lkw war noch nie so wichtig wie in diesem Jahr. Die ab heuer gültige Lkw-Maut bringt der öffentlichen Hand zusätzlich 800 Millionen Euro. Damit können dringend notwendige Straßenbauprojekte in Angriff genommen werden. Es ist völlig ungerechtfertigt, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Gütertransport anzugreifen und in ein schiefes Licht stellen zu wollen", betonte der Obmann des Fachverbandes Güterbeförderung in der Wirtschaftskammer Österreich, Komm.Rat Adolf Moser, heute, Mittwoch, in einer Pressekonferenz der Arge Logcom im Haus der Wirtschaft. Moser, zugleich auch Präsident der branchenübergreifenden Arbeitsgemeinschaft, wies darauf hin, dass die Mauteinnahmen damit deutlich höher ausfallen dürften als von der Asfinag erwartet. Und dies, obwohl viele Ost-Lkw, die früher auf ihren Fahrten nach West-und Südeuropa Österreich durchquerten, nunmehr unser Land weiträumig umfahren. Der Lkw-Verkehr im Osten Österreichs ist, entgegen vielfach kolportierten Meinungen, insgesamt sogar geringer geworden, stellte Moser fest. Der lokale Maut-Umgehungsverkehr werde übertrieben dargestellt und sei in Wirklichkeit unbedeutend.

Die Lkws bringen 80 Prozent aller Produkte des täglichen Bedarfs. "Alle brauchen ihn, keiner will ihn", brachte Ing. Nikolaus Glisic, Obmann der Fachgruppe Güterbeförderung in der WK OÖ und einer der beiden Vizepräsidenten der Arge Logcom, die widersprüchliche Argumentation vieler "Lkw-Gegner" auf den Punkt. Dabei sei der Lkw weit besser als der Ruf, den man ihm in der Öffentlichkeit zuteil werden lässt. Grund dafür ist, dass viele Leistungen des Lkw zu wenig bekannt sind. Die Arbeitsgemeinschaft Logcom habe es sich daher zum Ziel gesetzt, Aktionen und Maßnahmen zur Imageförderung des Verkehrs, insbesondere des Lkw, zu setzen. Derzeitiges Hauptprojekt dieser Plattform ist die Aktion "Lkw - Friends on the Road", berichtete Mag. Christian Strasser, Geschäftsführer der Sparte Transport und Verkehr der WK OÖ und Geschäftsführer der Arge Logcom.

10.000 Unternehmen mit weit mehr als 100.000 Beschäftigten sind in ganz Österreich in diesem Wirtschaftszweig tätig. Der Großteil der in Österreich zugelassenen Transportfahrzeuge entfällt auf den Werksverkehr. Bei der Transportleistung liegt allerdings der gewerbliche Güterverkehr eindeutig vor dem Werksverkehr. 70 kg Güter des täglichen Bedarfs pro Person und Tag kommen mit dem LKw. "Das ist ein Zeichen für unseren Wohlstand und zugleich der Grund, warum der Güterverkehr bis 2015 um etwa ein Drittel zunehmen wird", führte Glisic weiter aus. Etwa 85 Prozent aller Lkw-Transporte erfolgen in einer Entfernung von maximal 100 km (Glisic: "Rund um den Kirchturm"), 11 Prozent im Umkreis bis 300 km und nur ca. 4 Prozent über mehr als 300 km. Dies zeigt, dass der Lkw vor allem bei den kurzen Entfernungen absolut dominiert: "Bei längeren Distanzen kann die Bahn punkten, bei kurzen Strecken überwiegen hingegen klar die natürlichen Systemvorteile des Lkw bei der Güterdistribution".

Um heute auch nur zehn Prozent des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene verlagern zu können, bräuchten die Bahnen ein Drittel mehr an Kapazitäten, was nach Ansicht Glisics unrealisierbar ist. Jedenfalls müsse die Bahn aufgrund des Wachstums im Güterverkehr bis 2015 ihr Potenzial um ein Drittel erhöhen, um ihren derzeitigen Anteil von rund 20 Prozent (Lkw 75 Prozent, sonstige Verkehrsträger etwa 5 Prozent) halten zu können.

Als wesentlicher Teil des Gesamtverkehrs bringe der Lkw dem Staat unter dem Strich auch gute Einnahmen. Die Gesamteinnahmen liegen bei jährlich 16 Milliarden Euro, wovon ca. zehn Milliarden aus Mineralölsteuer, Kfz-Steuer, Nova, Versicherungssteuer, Vignetten, Road Pricing, Sondermauten, Treibstoffen, Reparaturen usw. stammen. Nur ein kleiner Teil dieser verkehrsspezifischen Abgaben wird zweckgewidmet. Weitere rund sechs Milliarden Euro fließen aus Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen der durch die Lkw-Branche gesicherten Arbeitsplätze.

Diesen Leistungen stehen in Österreich die europweit höchsten Belastungen für Lkws gegenüber. So ist die Kfz-Steuer für einen 40 Tonner (2.962 Euro) um ein Vielfaches höher als in allen anderen EU-Staaten. Aufgrund nationaler Gegebenheiten (die meisten Feiertage, die meisten Fahrverbote) können heimische Transporteure jährlich um 18 Tage weniger arbeiten als beispielsweise Transporteure in Frankreich. Glisic: "Ein eklatanter Wettbewerbsnachteil, auf den immer mehr Firmen mit Ausflaggen, also der Anmeldung von Lkws im Ausland, reagieren." Dem Staat entgehen dadurch für jeden Lkw, der nicht unter heimischer Flagge fährt, jährlich rund 52.000 Euro.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, verliert der Staat bis 2007 jährlich ca. 600 Millionen Euro. Also annähernd jenen Betrag, den heuer die Lkw-Maut an Einnahmen bringen wird, warnt Obmann Moser abschließend: "Nur wenn der Lkw in Österreich künftig fairer behandelt und nicht so kräftig abkassiert wird, kann die Verlagerung ins Ausland und damit die Schwächung des Wirtschaftstandorts eingedämmt werden". (hp)

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