"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Eberles Zukunft" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 8. September 2004

Innsbruck (OTS) - Ferdinand Eberle will bis zum Ende der Legislaturperiode Mitglied der Tiroler Landesregierung bleiben. Zu dieser Entscheidung hat sich Eberle am Montag durchgerungen.
Im Februar hatte der Außerferner über die Endlichkeit in der Politik spekuliert und laut darüber nachgedacht, ob er bis 65 in der Politik bleiben oder noch einmal eine neue Herausforderung annehmen soll. Dies führte zu vielen Spekulationen. Lange Zeit wirkte der 55-jährige Eberle extrem lustlos und genervt von der Politik. Es stellte sich die Frage, ob er sich jemals von der Tatsache erholen würde können, dass er kurz vor dem Ziel den Landeshauptmann-Sessel vergeigt hat. Denn eigentlich hatte Eberle im Jahr 2000 die Weingartner-Nachfolge fix in der Tasche. Nur seine Ungeduld und vermeintliche Freunde kosteten ihn die Nummer 1. Dazu gesellten sich Einflüsterer aus der Politik-, Banken- und Medienwelt, die ihn dazu drängten, Weingartner umgehend aus dem Amt zu kippen. Eberle verzettelte sich in der Hypo-Causa und musste letztendlich froh sein, weiter als Stellvertreter im Team van Staa neu bleiben zu dürfen.
Seit 1989 ist Eberle Mitglied der Landesregierung. Faktum ist, dass er in Normalform nach wie vor zu den fähigsten politischen Köpfen des Landes zählt. In letzter Zeit ließ er seine Brillanz leider allzuhäufig vermissen. Dass er den schönen Dingen des Lebens nicht abgeneigt ist, gilt in Tirol als bekannt. Wenn die Relation zwischen Arbeit und Vergnügen stimmt, ist Eberle in der Regierung unverzichtbar.
Berechtigt ist die Frage, was hätte Landeshauptmann van Staa getan, wäre Eberle zurückgetreten. Eberle durch Bauernbundobmann Toni Steixner zu ersetzen, wäre eine logische, aber unspektakuläre Variante gewesen. Junge Talente sind rar in der Tiroler ÖVP. Personalreserven fehlen in der Partei völlig. Außer van Staa hätte den Mut zu unkonventionellen Varianten, abseits der Parteikader.

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