Österreich 1: Bundespräsident Heinz Fischer am 9. September "Im Gespräch"

Wien (OTS) - In der Ö1-Reihe "Im Gespräch" ist am Donnerstag, den 9. September Bundespräsident Heinz Fischer zu Gast (21.01 Uhr, Ö1). Das Staatsoberhaupt spricht mit Michael Kerbler u. a. über seinen Wunsch, Künstler und Wissenschafter zur Rückkehr nach Österreich zu bewegen, den Begriff "Heimat" und die Bedeutung und Respektierung der Menschenrechte.

Heinz Fischer ist während der kommenden sechs Jahre erster Mann im Staat. Das neue Staatsoberhaupt setzte von Anfang an bewusst Akzente, die Rückschlüsse auf sein Amtsverständnis erlauben: erste Gesprächspartner waren Caritas, Volkshilfe und Diakonie, weil - wie Fischer sagte - neben dem marktwirtschaftlichen der soziale Gedanke nicht zu kurz kommen darf. Ungarn war das erste Land, das er in seiner neuen Funktion besuchte, um deutlich zu machen, wie wichtig Österreich die osteuropäischen Nachbarn sind. Und auch den hohen Stellenwert von Kunst und Wissenschaft betonte Fischer von seiner Antrittsrede weg immer wieder.

Michael Kerbler spricht mit Bundespräsident Heinz Fischer u. a. über österreichische Identität, Heimatbegriff und chauvinistische Strömungen, Patriotismus, Flüchtlingsproblematik, die Bedeutung und Respektierung der Menschenrechte, die Grenzen EU-Europas und den Türkei-Beitritt und darüber, wie es gelingen kann - auch mit Hilfe der Kulturschaffenden Europas - ein "Wir-Gefühl" in der Union zu kreieren, ohne das Europa nicht bestehen wird.

Auszüge aus dem Gespräch

Heinz Fischer über seinen Wunsch, Künstler und Wissenschafter zur Rückkehr nach Österreich zu bewegen: "Ich habe Peter Handke vor ein paar Wochen geschrieben, und gemeint, es wäre schön, wenn er zurückkommen könnte. Ich möchte gerne mit ihm zusammentreffen, das haben wir uns ausgemacht für den Herbst. Es geht mir um grundsätzliches. Österreich hat viel verloren durch einen starken Brain-Drain ins Ausland. Das hatte in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts teilweise politische Gründe, dann kam die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus, wo Intellektuelle vertrieben wurden oder flüchten mussten. Und auch nach 1945 war die Situation nicht einfach. Jetzt mögen es andere Gründe sein, wenn Künstler einen Lebensabschnitt im Ausland verbringen. Wenn Künstler und auch Wissenschafter ihren Weg zurück nach Österreich finden, dann freue ich mich. Es freuen sich all jene, die wollen, dass wir ein hoch entwickeltes, ein lebendiges, ein buntes, ein aktives Geistesleben in Österreich haben."

Heinz Fischer zum Begriff "Heimat" sowie Patriotismus: "Ich habe damit kein Problem, wenn wir es eindeutig abgrenzen von einem aggressiven Nationalismus und Chauvinismus. (...) Ich bin eindeutig gegen alle Positionierungen, die die Verbindung mit der eigenen Tradition, der eigenen Heimat, mit dem eigenen Land verknüpfen mit der Abwertung des anderen. Ich bin dagegen, das positive Gefühl für die rot-weiß-rote Fahne abzuleiten und zu stärken durch ein Herabblicken etwa auf die Tschechen, auf die Ungarn, die Polen, die Araber oder irgendein Volk. Wenn wir die Menschenrechtsdeklaration ernst nehmen, wenn wir das Christentum ernst nehmen und wenn wir die österreichische Verfassung ernst nehmen, ist für eine solche Herabsetzung anderer Völker, anderer Kulturen kein Platz, weil wir von dem Prinzip der Gleichwertigkeit aller ausgehen, die ein Menschenantlitz haben. Und das ist mir sehr wichtig."

"Im Gespräch" ist jeden Donnerstag um 21.01 Uhr in Österreich 1 zu hören. Die nächsten Gäste sind Schauspieler Tobias Moretti (16.9.), Schriftstellerin Marlene Streeruwitz (23.9.) und Chemikerin Brigitte Ratzer (30.9.). Mehr zum Programm von Ö1 unter http://oe1.ORF.at .(hb)

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