ORF: Erfolgreicher digital-terrestrischer Versuchsbetrieb in Graz

Wien (OTS) - Der im Mai 2004 aufgenommene und mit 31. August beendete Versuchsbetrieb von digital-terrestrischem und interaktivem Fernsehen in Graz hat sich aus Sicht des ORF ausgesprochen erfolgreich entwickelt. "Der ORF konnte in der Versuchsphase die vorbereiteten Teilprojekte positiv abwickeln und dabei wichtiges Know-how für die Zukunft des digitalen Fernsehens aufbauen. Der ORF ist nunmehr in der Lage, sich in Zukunft mit neuen digitalen Zusatzangeboten für das Fernsehpublikum am Markt zu positionieren", betont der für das Projekt ressortzuständige ORF-Direktor für Online und Neue Medien, DI Ronald Schwärzler, am 7. September 2004.

Aus Sicht des ORF stand einerseits die reibungslose Abwicklung des digital-terrestrischen Sendebetriebs im Mittelpunkt, andererseits die Erprobung von digitalen Zusatzdiensten auf Basis des interaktiven TV-Standards MHP, die gleichzeitig mit dem Fernsehsignal übertragen werden. In beiden Aufgabenfeldern sieht sich der ORF durch den Versuchsbetrieb in Graz bestätigt.

Der ORF hat sich im Bereich der digitalen Zusatzdienste drei Projektschwerpunkte gesetzt. Es wurde eine mit Fotos und Grafiken angereicherte digitale Version des analogen Teletext, ein digitaler Programmführer sowie ein breitflächiges Angebot von das Fernsehprogramm begleitenden digitalen Informationsdiensten mit interaktiven Elementen zur Mitwirkung des Publikums erprobt und ausgestrahlt. Abgesehen von technischen Aufgabenstellungen wurden auch neue redaktionelle Prozesse bei der Gestaltung der Inhalte erarbeitet und erfolgreich umgesetzt. Die Entwicklung der vom ORF angebotenen Dienste erfolgte auf Basis umfangreicher eigener Vorleistungen in Zusammenarbeit mit externen Auftragsnehmern wie dem steirischen Software-Haus Bearing Point oder Sony-Netservices.

"Dass dieses Projekt in so kurzer Umsetzungszeit so erfolgreich realisiert werden konnte, ist nicht zuletzt den intensiven, mehrjährigen Planungs- und Vorbereitungsarbeiten der damit betrauten ORF-Dienststellen zuzuschreiben. Die Projektpartner in Graz haben mit dem ersten MHP-basierenden, voll interaktiven Digitalangebot erfolgreich Neuland betreten. Durch die Berücksichtigung internationaler Erfahrungen und Erkenntnisse konnten wir die Fehler anderer Projekte dieser Art vermeiden. Die ersten verwertbaren Erfahrungen aus Graz machen den ORF zuversichtlich, dass wir das Projekt richtig angelegt und die digitalen Dienste Erfolg versprechend entwickelt hatten", erklärt Karl Pachner, Projektleiter des ORF für digitales Fernsehen.

Gerade aus technischer Sicht konnten in Graz wertvolle Erfahrungen gesammelt werden, erläutert Andreas Gall, Technischer Direktor des ORF: "In Bezug auf die Regionalisierung von digitalem Fernsehen konnten wir an Hand des Testbetriebs viel lernen. Auch der Betrieb der Sendeanlagen gestaltete sich problemlos und lässt gute Rückschlüsse für die künftige Ausstrahlung von digital-terrestrischem Fernsehen zu."

Auch für das ORF-Landesstudio Steiermark stellt der Testbetrieb eine wichtige Erfahrung dar. Landesdirektor Dr. Edgar Sterbenz: "Für das Landesstudio war die Mitarbeit am Digital-Projekt Graz eine spannende Herausforderung, die wir mit Freude angenommen haben. In den vergangenen Monaten haben wir Fertigkeiten entwickelt, die uns in Zukunft zugute kommen werden. Das ORF-Landesstudio Steiermark hat im Bereich der Innovation immer eine Vorreiterrolle eingenommen - wir waren daher umso lieber bei diesem Probelauf für digital-terrestrisches Fernsehen dabei."

Analyse der gewonnenen Daten

Die in Graz mit dem Versuchsbetrieb verbundene Marktforschung hat dem ORF wertvolle Hinweise zur Optimierung seiner digitalen Angebote geliefert, die laufend in die ausgestrahlten Digitaldienste integriert wurden. Dadurch konnten alle digitalen Zusatzdienste des ORF während des Versuchsbetriebs in den entscheidenden Kriterien verbessert werden. Vorab der nun anstehenden Detailanalyse aller gesammelten Marktforschungsdaten, die einige Wochen in Anspruch nehmen wird, konnte generell festgestellt werden, dass die teilnehmenden Haushalte den neuen Diensten gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt waren.

Der vom ORF und privaten Veranstaltern gemeinsam getragene Fernseh- und Interaktivkanal "!TV4Graz" hat insgesamt über 700 Stunden Programm angeboten, davon wurden rund 470 Sendestunden vom ORF gestaltet und mit digitalen Zusatzdiensten versehen. Dazu zählten Spiele der UEFA-Fußball-EM, die täglichen Sendungen "Barbara Karlich", "Frisch gekocht", "Steiermark heute", "Zeit im Bild 1" und "Willkommen Österreich", wöchentliche Formate wie "Report", "Treffpunkt Kultur", "Weltjournal" oder "Modern Times" ebenso wie ausgewählte ORF-Dokumentationen und erfolgreiche Serien und Spielfilme wie, "Schlosshotel Orth", "Polt" oder "Trautmann".

Die beim Versuchsbetrieb gewonnenen technischen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ein TV-Multiplexstrom in der in Graz eingesetzten technischen Spezifikation optimal mit drei TV-Kanälen und einem Datendienstkanal genutzt werden kann, während der Sendebetrieb mit vier parallelen TV-Kanälen und digitalen Zusatzdiensten zeitweilig Performanzprobleme im Rahmen der verfügbaren Bandbreite aufgezeigt hat.

Positiv ist auch die Zusammenarbeit mit den übrigen Kernpartnern des Grazer Versuchsprojekts - neben der RTR sind dies Siemens Österreich und die Telekom Austria - hervorzuheben. Das technisch anspruchsvolle Projekt-Layout mit erstmaliger voller Rückkanal-Interaktivität und Contents von sieben Rundfunkpartnern wurde in kurzer Frist verwirklicht und zum Funktionieren gebracht.

Die Erfahrungen mit den im Projekt eingesetzten Set-Top-Boxen für interaktives digital-terrestrisches Fernsehen waren unterschiedlich. Vorab der nun folgenden technischen Detailanalysen kann aus Sicht des ORF jedoch festgehalten und unterstrichen werden, wie dringend notwendig die Einhaltung von Standards und Spezifikationen durch die Endgeräteerzeuger für das Gelingen eines komplexen Projekts wie jenes in Graz ist. Dank enger Zusammenarbeit der ORF-Fachkräfte mit einzelnen Herstellern konnten wesentliche Verbesserungen der Leistungsfähigkeit von Endgeräten zu Gunsten der Nutzbarkeit durch das Publikum erzielt werden.

Versuchsbetrieb abgeschlossen, MHP wird fortgesetzt

Im Zuge einer nachhaltig orientierten Planung hat der ORF die in Graz erprobten digitalen Dienste so strukturiert, dass sie auch über andere Fernsehempfangswege eingesetzt werden können. Der Abschluss des digital-terrestrischen Versuchsbetriebs in Graz bedeutet somit keineswegs ein Ende der Bemühungen des ORF, das Publikum mit neuen, digitalen Diensten zu bedienen.

Als nächste Schritte stehen derzeit in Diskussion:
-> Mitwirkung des ORF an geplanten Versuchsbetrieben von digitalem Kabelfernsehen mit MHP-basierenden Zusatzdiensten in Kabelfernsehnetzen in Oberösterreich und Salzburg.
-> Die Fortführung des digital-terrestrischen Versuchsbetriebs in Graz in Zusammenarbeit mit der RTR ist derzeit in Endverhandlungen, sodass die Ausstrahlung in Graz aufrecht bleiben kann.
-> Ein Basisangebot an digitalen Diensten soll im Verlauf des 4.Quartals 2004 im Rahmen des ORF-Satellitenbouquets ORF DIGITAL ausgestrahlt werden.

"Wir gehen davon aus, dass digitale, das Fernsehprogramm begleitende Informations- und Zusatzdienste in wenigen Jahren Bestandteil des integrativen Programm- und Leistungsangebots eines Rundfunkveranstalters sein werden. Mit dem ORF TELETEXT beweist der ORF schon bei analoger Ausstrahlung seine Kompetenz auch auf diesem Gebiet. Die digitale Technologie ermöglicht es, den Teletext und auch neue, publikumsattraktive Dienste in verbesserter Erscheinungsform anzubieten und damit die Seherbindung zu verstärken", betont der Direktor für Online und Neue Medien, DI Ronald Schwärzler, abschließend.

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