Steirische Bauern sehen Erntejahr 2004 mit gemischten Gefühlen

Getreide: Gute Erträge - Preise nicht zufrieden stellend

Graz (AIZ) - 2004 ist in der Steiermark ein Jahr der Durchschnittsernte. Wintergetreide und Winterraps sind bereits eingebracht, bei wichtigen Kulturen wie Mais, Ölkürbis, Kernobst oder Wein steht die Ernte noch bevor. Im Vergleich zum Vorjahr fiel die Wintergetreideernte nicht zufrieden stellend aus. Bei Winterweizen und Wintergerste liegen die Hektarerträge heuer mit 5,3 t beziehungsweise 5 t um 300 bis 500 kg unter jenen von 2003. Dagegen fiel der durchschnittliche Hektarertrag bei Sommergerste um 700 kg höher als 2003. Im Vergleich zu Wintergetreide mit 17.220 ha hat Sommergetreide mit 8.100 ha aber eine eher untergeordnete Bedeutung. Nicht zufrieden stellend sind für die Landwirte - auf Grund der europaweit guten Ernten - die Erlöse bei Getreide. Dies berichtete heute Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Wlodkowski vor Journalisten.

Höhere Maisernte

2004 wird in der Steiermark eine durchschnittliche Maisernte von knapp unter 10 t pro ha erwartet, im Vorjahr waren es wegen der Trockenheit nur 8,3 t. 2004 bringt somit ein Mengenplus von rund 20%. Die steirische Körnermaisfläche beträgt 58.000 ha. Auf 11.000 ha wird Silomais angebaut. Mais ist eine wichtige Futtergrundlage für die Schweine- und Geflügelmast sowie die Rinderhaltung.

Ölkürbis: Hagel und rückläufiger Anbau

Der Ölkürbisanbau ist in der Steiermark um rund ein Drittel auf 9.500 ha zurückgegangen. Hauptgrund war unter anderem der schlechte Preis (Chinaimporte). Auf rund 2.000 ha hat Hagel bei Kürbiskulturen teils schwere Schäden angerichtet oder die Ernte vollkommen zerstört. Auf Grund der rückläufigen Anbaufläche und der Hagelschäden wird die Kürbisernte für das Jahr 2004 auf maximal 5.000 t geschätzt. Pro ha werden durchschnittliche Ernten von 500 kg Kürbiskerne erwartet. Die Gesamternte wird deshalb um rund 40% zurückgehen. Auf den Kernölpreis wird diese Verknappung heimischer Kerne keinen Einfluss haben. Es wird erwartet, dass der Kernölpreis mit EUR 13,- bis 14,- pro Liter ab Hof stabil bleiben wird.

Gutes Rapsjahr

2004 war für die Steirer ein gutes Rapsjahr. Es konnten nach Angaben der Kammer bis zu 5 t pro ha geerntet werden. Insgesamt ist die Rapsanbaufläche in der Steiermark mit etwas mehr als 600 ha nur von lokaler Bedeutung. 60% der steirischen Anbaufläche werden bereits für die Biodieselerzeugung in der Murecker Anlage verwendet. Hier wird auch Rapskuchen als Eiweißfutter für die Schweine hergestellt.

Grünland: Rinderbauern haben heuer ausreichend Futter für ihre Tiere

Die Folgen der extremen Dürre 2003 waren bei der Heuernte heuer noch spürbar. Fiel der erste Schnitt noch etwas schwächer aus, war der zweite Grünschnitt dank der reichlichen Niederschläge zufrieden stellend. Der dritte Schnitt wurde teilweise bereits eingebracht und brachte ebenfalls gute Erträge. Damit haben die Rinderbauern im Gegensatz zum Vorjahr ausreichend Futter für ihre Tiere. Im Vorjahr richtete die Dürre in der Steiermark allein bei Grünland Schäden in der Höhe von EUR 60 Mio. an.

Wein: Ernte von 190.000 Hektolitern

Die steirischen Weinbauern erwarten dieses Jahr eine Lese von 190.000 hl. Das ist gegenüber den durchschnittlichen Ernten der vergangenen drei Jahre ein Plus von 8%. Die größere Menge erklärt sich aus der Zunahme der Rebfläche um 8% seit dem Jahr 2000. Steirischer Wein wird derzeit auf 4.300 ha kultiviert. Die Lese der Sorte Müller Thurgau beginnt heuer in der dritten Septemberwoche. Die Haupternte bei den mittel- und spätreifenden Sorten erfolgt im Oktober. Insgesamt wird auch qualitativ wieder ein sehr guter Jahrgang erwartet. Die Trauben- und voraussichtlich auch die Weinpreise dürften laut Kammer stabil bleiben.

Obstbau: Sehr gute Qualität

Die Obstbauern der "grünen Mark" erwarten heuer - so wie im Vorjahr - eine etwas unter dem Durchschnitt liegende Ernte. Gerechnet wird mit 150.000 t Tafeläpfeln sehr guter Qualität. Die Früchte sind dieses Jahr etwas größer und bereits schön gefärbt. Für eine gute Aromabildung sind noch warme Tage und kühle Nächte von Vorteil. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Erntezeitpunkt zehn bis 14 Tage später, was einem Normaljahr entspricht. Da im übrigen Europa eine unterdurchschnittliche Ernte erwartet wird, rechnet man wieder mit vernünftigen Preisen. Die Zwetschkenernte dürfte um rund 10% auf 2.850 t sinken. Weiters werden etwa 1.800 t Pfirsiche gepflückt.

Paradeiser: Preise halbiert

Heuer wird eine steirische Paradeiserernte von rund 500 t erwartet. Das sind um knapp 30% weniger als im Rekordjahr 2003. Die Preise für diese Frucht sind auf Grund von Importen aus Spanien, Italien und Polen, Ungarn sowie Holland und Belgien um die Hälfte von 40 auf 20 Cent je kg verfallen. Die Salaternte fällt um rund 20% höher aus als im Vorjahr. Es werden laut Schätzungen 15 bis 20 Mio. Stück geerntet. Die Preise entwickeln sich etwas besser als im Vorjahr. Im Bundesland wird Salat auf 200 ha überwiegend im Freiland angebaut.

Wlodkowski: Heuer weniger Sorgen als 2003

"Heuer haben wir weniger Sorgen als im Vorjahr. Wir sind mit der Ernte 2004 wesentlich zufriedener als mit jener des Vorjahres. Dennoch trüben regional starke Unterschiede bei den Ernten und enorme Hagelschäden in Höhe von EUR 22 Mio. sowie sinkende Getreidepreise das Bild", resümierte LK-Präsident Wlodkowski. 2004 sei somit ein "Jahr der Gegensätze".

"Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Umsetzung der EU-Agrarreform auf Hochtouren", berichtete Wlodkowski über die laufende Arbeit. Für die Bauern sei die GAP-Reform eine ähnliche Herausforderung wie der Beitritt zur EU im Jahr 1995, weil das Agrarsystem völlig umgestellt werde. "Damit die steirischen Bauern diese Umstellung gut bewältigen können, startet die Landwirtschaftskammer mit Anfang September eine landesweit flächendeckende Informationswelle, die noch bis Ende des Jahres dauert", kündigte der Präsident an. Bei Problemfällen werde zusätzlich jeder landwirtschaftliche Betrieb von den Mitarbeitern der Bezirkskammern direkt beraten.
(Schluss) kam

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