- 30.08.2004, 09:29:59
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Türkei: Enormes Potenzial für österreichische Exporteure
Wirtschaftsreformen greifen und haben positive Auswirkungen auf österreichische Exportwirtschaft - 30% der Wasserkraftprojekte mit Austro-Know-How errichtet
Wien (PWK568) - "Die türkische Wirtschaft hat in den letzten
Jahren entscheidende Wege eingeschlagen", sagt Walter Koren, Leiter
der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ. "Der wirtschaftliche
Aufschwung nach einer tiefgreifenden Krise, Strukturreformen und
Privatisierungen sind einige Punkte einer dynamischen Veränderung im
Land." Hinzu komme, dass die Türkei für exportorientierte Unternehmen
ein hochinteressanter Markt sei. "Die Größe des Landes, eine junge,
dynamische und gut ausgebildete Bevölkerung und nicht zuletzt eine
in vielen Bereichen schon hochentwickelte Industrie sind Grund genug,
Marktchancen zu überprüfen", sagt Koren.
"Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der
Türkei laufen hervorragend, aber die türkisch-österreichische
Handelsbilanz gleicht einer Achterbahn", berichtet Richard Bandera,
österreichischer Handelsdelegierter in Ankara. Nach fünf Jahren wurde
die Handelsbilanz wieder zu Gunsten Österreichs umgedreht. Auf das
Jahr hochgerechnet sollte das Plus ca. 70 Mio Euro ausmachen. Die
österreichische Exportwirtschaft profitiert vor allem vom Aufschwung
der türkischen Privatwirtschaft. Konsumgüterlieferanten kommen kaum
nach, die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen.
Im Jahr 2003 stiegen die Exporte in die Türkei um 27,2% und
erreichten damit ihren bisherigen Höchstwert von 705 Mio Euro.
Bandera: "Und der Erfolgsrun geht weiter. In den ersten fünf Monaten
2004 legten die Exporte gegenüber der Vorjahresperiode um 22% zu."
Die österreichischen Importe aus der Türkei haben sich seit 1990
verdreifacht und erreichten 2003 mit 700 Mio Euro (+14%) ebenfalls
einen Höchstwert. Zur Intensivierung der bilateralen
Wirtschaftsbeziehungen veranstalten die Außenhandelsstellen Ankara
und Istanbul vom 11.-15. Oktober eine Wirtschaftsmission für
österreichische Firmen aller Branchen.
Schon jetzt ist jedoch zu beobachten, dass aufgrund der Aufwertung
der türkischen Lira in den letzten Monaten mit einer Stärkung des
österreichischen Liefergeschäfts im Industrie- und Konsumgüterbereich
gerechnet werden kann. Exportchancen gibt etwa für die
Maschinenindustrie und den Energiesektor. Der Energiebedarf in der
Türkei steigt jährlich um rund sieben Prozent und in den kommenden
fünf Jahren benötigt die Türkei jährlich ein Wasserkraftwerk, um den
steigenden Energiebedarf zu decken. Österreich ist auf dem türkischen
Energiesektor ein Big-Player. Ein Drittel aller in Bau befindlichen
Wasserkraftwerke werden in Konsortien mit österreichischen Firmen
errichtet. Dazu gehören die beiden Turnkey-Projekte 'Borcka' und
'Muratli' mit einem österreichischen Lieferanteil von über 290 Mio
Euro im Nordosten der Türkei, ebenso wie das in der südlichen Türkei
gelegene Wasserkraftwerksprojekt 'Ermenek' mit einer Projektsumme von
550 Mio Euro und einem Österreich-Anteil von mehr als 300 Mio Euro.
Chancen gibt es weiters im Infrastruktur- sowie im Umweltbereich oder
bei Papier und Verpackungsmaterial. Enormen Nachholbedarf hat die
Türkei im medizinischen Bereich, da die Spitäler größtenteils
schlecht ausgestattet sind. Besonderes Potenzial ergibt sich auch für
Zulieferunternehmen der Automobilbranche. Die türkische
Automobilindustrie befindet sich in einer Expansionsphase. 2003 wurde
eine halbe Million Kfz produziert, heuer sollen es 750.000 sein. Die
Türkei wird zunehmend als Produktionsstandort für den weltweiten
Export einzelner Modelle wichtig. So wird der Fiat-Doblo für den
Weltmarkt in der Türkei hergestellt, der Renault-Megane und der
Toyota-Verso-Corolla für den europäischen Markt. Um Chancen für
österreichische Zulieferfirmen auf dem türkischen Automobilmarkt
aufzuzeigen, veranstaltet die Außenhandelsstelle Istanbul vom 15.-
18.November eine Marktsondierungsreise für österreichische
Zulieferfirmen.
Neben der Etablierung der Türkei als wichtiger Standort der
Automobilindustrie, ist das Land auch eine "Energiebrücke" nach
Europa. Sowohl Erdöl- als auch Gaspipelines aus dem Mittleren Osten
bzw. aus der Region um das Kaspische Meer führen durch die Türkei
oder sind in Planung. So wird etwa das Ölpipeline-Projekt BTC, das ab
Ende 2005 Öl aus Aserbaidschan ans Mittelmeer liefern soll, von der
österreichischen ILF geplant. BTC steht für die drei Städte Baku
(Aserbaidschan), Tiflis (Georgien) und Ceyhan (Türkei). Eine zweite
Pipeline - Projektname NABUCCO - wird unter anderem von der OMV
mitentwickelt.
Was in der Türkei noch fehlt, sind österreichische Banken, wie sie
etwa in Osteuropa schon zum Alltagsbild gehören, beklagt
Handelsdelegierter Bandera: "Das ist schade, weil einerseits dadurch
österreichischen Unternehmen vor Ort die Geschäftsabwicklung
erleichtert würde und andererseits im Rahmen der
Bankenprivatisierungen noch etliche Banken zu haben sind." Neben dem
Bankensektor stehen auch in den Bereichen Telekom, Tabak, Fluglinien
oder Erdölraffinerien Privatisierungen an.
Das türkische Wirtschaftswachstum übertraf im vergangenen Jahr alle
Erwartungen. Das BIP verzeichnete einen Anstieg um 5,9%, das
Pro-Kopf-Einkommen erreichte 3.383 US-Dollar, was einem Anstieg von
30,2% entsprach und die Inflationsrate konnte von 70% auf 19%
gedrückt werden. Negative Aspekte dürfen bei aller Euphorie aber
nicht übersehen werden. Besonders bei den Energie- und
Telekommunikationskosten sowie der Steuerbelastung schneidet die
Türkei schlecht ab. Immerhin werden die Bedingungen für
Auslandsinvestoren aber kontinuierlich verbessert. Der erste Schritt
war ein Gesetz, das Ungleichbehandlungen zwischen ausländischen und
inländischen Investoren beseitigt und den Behördenweg bei
Firmengründungen stark reduziert hat.
Zur Diskussion über die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen
zwischen Ankara und Brüssel meint Bandera, dass "europäische Firmen
langfristig von einem türkischen EU-Beitritt mit Sicherheit
profitieren könnten, da die Türkei dann im Korsett der europäischen
Richtlinien verankert wäre und somit etliche noch bestehende
Probleme, etwa im Rahmen der Rechtssicherheit, verschwinden würden."
(BS)
OTS0023 2004-08-30/09:29
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