"Kleine Zeitung" Kommentar: "Es hat funktioniert, aber nur sehr selten auch fasziniert" (von August Kuhn)

Ausgabe vom 30.08.2004

Graz (OTS) - Die letzten der 11.000 Athleten der Olympischen
Spiele 2004 in Athen werden heute aus dem olympischen Dorf ausziehen. Die Journalisten schreiben ihre abschließenden Artikel, die meisten Studios der diversen TV-Anstalten wurden noch in der Nacht auf heute abgebaut. Athen war 16 Tage lang der Nabel der Sportwelt, doch jetzt verschwindet Olympia für vier Jahre im Universum. Griechenland, das kleinste Land, das in den letzten fünfzig Jahren Sommerspiele veranstalten durfte, hat es geschafft. Es waren gute Spiele, sogar hervorragende Spiele, dass die ganz große Faszination, die so ein Ereignis ausstrahlen müsste, gefehlt hat, lag nicht an den Griechen.

Die erste Sache, unter der die Griechen zu leiden hatten, war der irre Aufwand für die Sicherheit dieser Großveranstaltung im Jahrhundert nach dem 11. September. Ganze Stadtteile wie Maroussi mit dem Olympia-Park und den TV- und Medien-Hauptzentren oder Helliniko, das alte Flughafengelände, waren Sperrzonen. Tag und Nacht bewacht von schwer bewaffneten Sicherheitsleuten. Doch den Griechen ist das, was ihnen eine Milliarde Euro kostete, geradezu diskret gelungen: Sie haben diese vor allem von den USA geforderten Auflagen effektiv umgesetzt.

Etwas anderes liegt wohl an der griechischen Mentalität und kann mit sportlichem Chauvinismus umschrieben werden. So richtig interessiert waren die Griechen nur an jenen olympischen Bewerben, an denen ihren Athleten auch gute Chancen eingeräumt wurden. Die Formel: Keine griechischen Sportler, keine griechischen Zuschauer. Zumindest waren sie in deutlicher Unterzahl gegenüber den Ausländern. Dafür lieferten sie ein trübes Bild sportlicher Fairness ab, als sie beim Finale des 200-m-Laufs, aus Protest gegen das Fehlen ihres Helden Kostas Kenteris die dafür nicht verantwortlichen Finalteilnehmer mit einem Pfeifkonzert bestraften.

Dass Athen 2004 die meisten Dopingfälle aller Zeiten aufweist, muss kein schlechtes Zeichen sein. Die Jäger kamen den Tätern wieder einen Schritt näher. Deshalb ist der Sport nicht automatisch sauberer geworden, sondern lässt auch diesen Schluss zu: Nur arme Irre oder Hasardeure wurden erwischt - die meisten der anderen haben nur rechtzeitig die Mittel abgesetzt.

Das Ende der funktionierenden aber selten faszinierenden Spiele wirft auch eine letzte Frage auf: Was mit den für Milliarden erbauten Stadien und Hallen passiert. Etwas anderes steht fest: Die griechischen Steuerzahler werden noch zehn Jahre an ihren Spielen zu kiefeln haben.****

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